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Das Stehaufmännchen: Alain Wiss ist beim FC St.Gallen wieder zurück auf dem Rasen

Der Fussball schreibt manchmal sonderbare Geschichten. Alain Wiss weiss das nur zu gut. Und am Mittwoch hofft der Profi des FC St.Gallen auf eine Fortsetzung seiner erfolgreichen Rückkehr.
Christian Brägger
Das Knie hält: Alain Wiss (links) im Zweikampf mit Servettes Boris Cespedes. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Das Knie hält: Alain Wiss (links) im Zweikampf mit Servettes Boris Cespedes. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Die Sonne scheint. Frisch ist es dennoch. Vielleicht will er unerkannt bleiben, doch wärmt die dunkelblaue Wollmütze ja auch. Sie hat Alain Wiss an diesem Dienstagmorgen tief in sein braun gebranntes Gesicht gezogen. Endlich lacht es wieder.

«Mir geht es gut», sagt der 29-Jährige bald. In den einfachsten Aussagen schwingt bekanntlich meist eine tiefere Bedeutung mit. Das gilt auch für ihn, Wiss, den «alten Hasen», den es im FC St.Gallen im ersten Monat dieses Jahres heftig durchgeschüttelt hat. Schlimmer noch, diesmal schien alles am Boden. Doch heute, nach der erdauerten wie erarbeiteten Rückkehr, kann Wiss die Dinge wieder besser auseinanderhalten.

75 Minuten waren am vergangenen Samstag gespielt, als St.Gallen-Trainer Peter Zeidler einen zusätzlichen Routinier auf dem Feld haben wollte. Es galt, den 2:1-Vorsprung gegen Servette über die Zeit zu bringen, die junge Mannschaft stand nicht mehr kompakt, es gab Löcher, eine ordnende Hand fehlte. Wiss kam auf den Platz, machte sogleich den Mitspielern ein paar Ansagen, begann zu dirigieren. Aber nicht über Mass, weil Zeidler das ganz grundsätzlich nicht schätzt.

Sekunden später köpfelte Wiss nach einem Corner mit der ersten Ballberührung aufs Tor, Goalie Jérémy Frick konnte nur nach vorne abklatschen lassen, Fabiano erbte und erzielte das entscheidende 3:1. «Ein Assist, das ist doch perfekt. Noch lieber hätte ich den Ball selber versenkt», sagt Wiss. Er schmunzelt.

Das Vieraugengespräch mit Alain Sutter

Der Januar hatte noch kaum begonnen, da beschied Alain Sutter dem Zentralschweizer in einem 15-minütigen Vieraugengespräch, den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Die Clubführung wollte, so der Plan, künftig noch mehr auf die eigenen Jungen setzen. Und Sutter, Sportchef und Mastermind der Kaderzusammensetzung, war die Triebfeder, die bereits in dieser Phase Klarheit für die neue Saison 2019/20 haben wollte.

Für Wiss war der Zeitpunkt überraschend, er sagt aber auch:

«Man kann einen solchen Entscheid früh in der Saison oder an deren Ende bekannt geben, es fühlt sich so oder so schlecht an.»

Es war ein harter Schlag, gleichwohl einer, den er akzeptierte, irgendwo hatte er ja damit gerechnet: Zu schlecht gelaufen war die Vorrunde mit Ausnahme des letzten Drittels, als er sich in die Mannschaft gekämpft hatte.

Wiss sagte Sutter, er werde für den FC St.Gallen weiterhin alles geben. Im Gegensatz zu Nassim Ben Khalifa oder Philippe Koch war der Mittelfeldspieler, der auch ein Innenverteidiger ist, nicht unten durch, machte als vollwertiges Mitglied des FC St.Gallen das Trainingslager mit. Doch sein negativer Lauf hatte da ja erst begonnen. Und kulminierte am 14.Januar im Test gegen Hamburg in La Manga, als sich Wiss in einem Allerwelts-Zweikampf mit Lewis Holtby das linke Knie verdrehte. Die Ärzte in Spanien sprachen in einer ersten Fehldiagnose von einer schweren Knieprellung, doch es nützte nichts, das vordere Kreuzband war gerissen.

Hochs und Tiefs im FC St.Gallen

Was für ein neuerlicher Rückschlag nach dem Sehnenriss im Spätherbst 2015. Nach den Problemen unter dem früheren Trainer Joe Zinnbauer, der Wiss wenig zutraute und mit Fortdauer der Zusammenarbeit vielleicht auch die Klausel umgehen wollte, nach welcher sich der Kontrakt mit einer gewissen Anzahl Spiele automatisch verlängert hätte. Nach dem Hoch unter Coach Giorgio Contini. Und gerade jetzt, als es der Spieler allen zeigen wollte, der weitere Verlauf der Karriere jedoch völlig offen war.

Wiss war noch nicht einmal operiert, da hatte er von St.Gallens Präsident Matthias Hüppi das Signal erhalten, dass der Verein ihn nicht fallen lassen werde und er sich um die Zukunft zumindest mittelfristig keine Sorgen machen müsse. Der Luzerner war erleichtert, weil «kein Club der Welt einen Profi mit einer Kreuzbandverletzung verpflichtet». Im Mai war der neue Kontrakt unterschrieben, jetzt verlängert bis zum Jahresende, und Wiss sagt: «Ich bin dem FC St.Gallen dankbar. Das hätte er nicht tun müssen.»

In der Reha verlief alles nach Plan und komplikationsfrei, manchmal meldete sich auch Holtby, der frühere deutsche Nationalspieler, und fragte via SMS nach dem Genesungsverlauf. Doch da war ja noch Wiss’ Kopf, der alles zu verarbeiten hatte. Gedanken an das Karriereende kamen auf, nicht extreme, aber sie waren da:

«Was kommt nach dem Fussball, wenn mein Knie nicht hält?»

Wiss sagt auch, dass es nicht immer einfach war, als Verletzter ständig in der Kabine um die Mitspieler zu sein, zu sehen, wie sie trainieren. Deshalb tat den Gedanken besonders gut, als er im Juni für einen Monat die Reha nach Berlin zu einem Experten von Hertha Berlin verlegte. Oder er so häufig wie möglich mit den Eltern in der Heimat Luzern Zeit verbrachte, mit dem Vater und Bruder in Bergseen fischen ging.

Zeidler lobt Wiss – der Spieler will faire Chance

Die Frage ist, was Wiss die langfristige Zukunft bringen wird. Heute lobt Zeidler seinen Spieler, sagt, Wiss habe etwas «Stabiles, Zuverlässiges, Abgezocktes», er sieht ihn fast noch stärker als vor der Verletzung. «Er weiss, wie man sich taktisch zu verhalten hat. Für mich war sein Auftritt gegen Servette keine Überraschung.»

Wiss ist wieder aufgestanden, auch mit Auftritten in der U21 hat er sich zurückgekämpft. Gegen Sion steht er nun erneut im Kader. Der Dienstälteste St.Galler – seit Sommer 2015 gehört er quasi zum Inventar – sagt:

«Ich habe bewiesen, dass ich dem Team helfen kann. Ich habe jedenfalls eine faire Chance verdient, sie möge nun kommen.»

Was dann im Winter geschehen wird, weiss Wiss nicht. Das ist ihm zu diesem Zeitpunkt gerade auch nicht wichtig.

Cedric Itten fällt gegen Sion aus

In Sitten muss St.Gallens Trainer Peter Zeidler am Mittwoch ab 20 Uhr auf Cedric Itten verzichten. Der Stürmer leidet an den Folgen der Hirnerschütterung aus dem Servette-Spiel. Der FC Sion holte in den vergangenen fünf Meisterschaftsspielen 15 Punkte, als Co-Leader der Super League ist er im Tourbillon der Favorit. Zeidler sagt dennoch: «Wir können gut aussehen im Wallis. Genügend Platz für Punkte hätte es in unserem Bus.» Nachdem der Deutsche zuletzt einige Routiniers auf die Tribüne gesetzt hat, darf mit Spannung erwartet werden, wer nun gegen Sion im Kader steht. (cbr)

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