FCSG: Ajeti ist auf dem Sprung

Die Anzeichen verdichten sich, dass der FC St.-Gallen-Stürmer Albian Ajeti an den FC Basel verliert. Die Ablösesumme für den 20-Jährigen soll sich im mittleren einstelligen Millionenbereich bewegen.

Patricia Loher
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Albian Ajeti (links, mit Yannis Tafer) ist St. Gallens bester Torschütze. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Albian Ajeti (links, mit Yannis Tafer) ist St. Gallens bester Torschütze. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Patricia Loher

Nur gerade zwei Monate nach der definitiven Verpflichtung zeichnet sich ab: Der FC St. Gallen wird Albian Ajeti verlieren. Der Transfer des 20-jährigen Stürmers zu seinem Stammclub Basel geht trotz eines Vertrages in der Ostschweiz bis 2021 bald über die Bühne. Meister FC Basel muss anscheinend aber eine beträchtliche Stange Geld aufwerfen für den talentierten jungen Mann. Die Ablösesumme soll sich im mittleren einstelligen Millionenbereich bewegen. Allerdings dürfte dieses Geld nicht vollumfänglich in die Kasse des FC St. Gallen fliessen. Anzunehmen ist, dass auch der FC Augsburg vom Verkauf Ajetis profitiert.

Ende März war es St. Gallens Sportchef Christian Stübi gelungen, den seit dem vergangenen August vom Bundesligaclub ausgeliehenen Stürmer definitiv an den FC St. Gallen zu binden. Da bald einmal durchsickerte, dass die Verpflichtung Ajetis die St. Galler weniger als eine Million Franken gekostet hat, dürfte sich Augsburg zugesichert haben lassen, an einem Weiterverkauf des Baslers beteiligt zu sein.

Marco Zwyssig (rechts) verliess den FC St.Gallen im Sommer 2001 in Richtung FC Tirol Innsbruck (heute FC Wacker Innsbruck) . Die Österreicher liessen sich den Innenverteidiger 220'000 Franken kosten. (Bild: Archiv STG)
20 Bilder
David Marazzi wechselte nach dem Abstieg im Sommer 2008 zum FC Aarau. Der linke Mittelfeldspieler verbrachte zuvor 5 Saisons in der Ostschweiz. Kostenpunkt: 220'000 Franken. (Bild: Michel Canonica)
Seifedin Chabbi wurde im Sommer 2016 vom FC St.Gallen aus Lustenau geholt und bereits im Winter 2017 wieder verkauft. Seither spielt er wieder in Österreich. Sein aktueller Arbeitgeber Sturm Graz überwies 220'000 Franken in die Ostschweiz. (Bild: Benjamin Manser)
Mario Frick wechselte im Sommer 1996 vom FC St.Gallen zum FC Basel. Der damals 21-jährige Liechtensteiner kostete die Bebbis damals 220'000 Franken. 15 Jahre später kehrte Frick zurück in die Ostschweiz - mit überschaubarem Erfolg. (Bild: Ralph Ribi)
Der 19-jährige Tranquillo Barnetta verliess den FC St.Gallen im Sommer 2004 in Richtung Leverkusen. Dem Club bescherte er eine Ablösesumme von 270'000 Franken. Seit der aktuellen Rückrunde trägt das St.Galler Eigengewächs wieder grünweiss. (Bild: Archiv STG)
Michael Lang, aktueller Verteidiger des FC Basel und der Schweizer Nationalmannschaft, trug während vier Saisons das Trikot des FC St.Gallen. Nach dem Abstieg 2011 wechselte er zu den Grasshoppers. Die Ostschweizer kassierten eine Ablösesumme von 330'000 Franken. (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))
Éverton Luiz Guimarães Bilher, kurz Everton, spielte bis im Winter 2016 für den FC St.Gallen. Danach zog es ihn zu Partizan Belgrad. Der serbische Traditionsklub liess sich die Dienste des brasilianischen Mittelfeldmotors eine Ablösesumme von 380'000 Franken kosten. (Bild: Ralph Ribi)
Davide Callà sorgte im Sommer 2008 mit seinem Transfer zu GC für Unmut bei den Fans des FC St.Gallen. Als Kapitän verliess er die Espen, nachdem der Abstieg in die Challenge League feststand. Sein Wechsel spülte 440'000 Franken in die Kassen der Ostschweizer. (Bild: Sam Thomas)
Marcos Gelabert verliess den FC St.Gallen ebenfalls nach der Abstiegssaison 2007/2008. Es zog ihn zum FC Basel, der für den zentralen Mittelfeldakteur 440'000 Franken in die Ostschweiz überwies. (Bild: Ennio Leanza)
Stéphane Nater kam im Sommer 2012 von Servette Genf zum FC St.Gallen. Zwei Spielzeiten später mussten ihn die Espen wieder ziehen lassen. Er wechselte zum Club Africain Tunis in Tunesien. Ablösesumme: 440'000 Franken. (Bild: Urs Bucher)
Jörg Stiel, der Kapitän der Meistermannschaft 2000, verliess den FC St.Gallen im Sommer 2001 in Richtung Bundesliga. Borussia Mönchengladbach holte sich den damaligen Natispieler für eine Ablöse von ebenfalls 440'000 Franken. (Bild: Archiv STG)
Daniel Imhof verliess den FC St.Gallen ebenfalls in Richtung Deutschland und heuerte beim VfL Bochum unter dem St.Galler-Meistertrainer Marcel Koller an. Die Ostschweizer kassierten für den defensiven Mittelfeldspieler eine Ablösesumme von 550'000 Franken. 2010 kehrte Imhof zum FC St.Gallen zurück und beendete 2012 in grünweiss seine Karriere. (Bild: Archiv STG)
Der Argentinier Jesús Méndez trug nur während einer Saison das Trikot des FC St.Gallen und kehrte im Sommer 2008 in seine Heimat zu CA Rosario zurück. Ablösesumme: 600'000 Franken. (Bild: Michel Canonica)
Marc "Fussballgott" Zellweger verliess den FC St.Gallen im Winter 2002 für eine Ablösesumme von 655'000 Franken in Richtung Köln. Dort wurde er jedoch nie richtig glücklich und so fand er nach einem halbjährigen Intermezzo beim FC Wil wieder den Weg in die Gallusstadt, wo er bis 2010 das grünweisse Trikot des FC St.Gallen trug. (Bild: Archiv STG)
Ermir Lenjani kickte von Januar 2013 bis 2015 für den FC St.Gallen. Den Linksverteidiger zog es danach nach Frankreich zu Stade Rennes. Der aktuelle Nationalspieler Albaniens spülte 820'000 Franken in die Kassen der Ostschweizer. Weiter geht es mit den Top 5. (Bild: Urs Jaudas)
Die Top 5 werden von Eric Hassli eingeläutet. Der französische Stürmer verabschiedete sich nach seinem Engagement beim FC St.Gallen im Sommer 2006 in Richtung Frankreich zum FC Valenciennes. Kostenpunkt: 875'000 Franken. (Bild: foto-net / Markus Ulmer)
Moreno Costanzo eröffnet den Reigen der Millionentransfers. Der Offensivspieler, der derzeit beim FC Vaduz unter Vertrag steht, verliess die St.Galler nach der Saison 2009/2010 und heuerte bei YB an. Für den Transfer überwiesen die Berner 1,1 Millionen Franken in die Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher)
Der dritte Platz in der Liste der teuersten Espen aller Zeiten geht an Óscar Ezequiel Scarione. Der Torschützenkönig der Saison 2012/2013 (21 Tore) war für den FC St.Gallen schlichtweg nicht zu halten. Sein Wechsel in die Türkei zu Kasimpasa Istanbul brachte den Espen 3 Millionen Franken ein. (Bild: Urs Jaudas)
Ivan "der Schreckliche" Zamorano zog es im Sommer 1990 nach zwei Saisons in der Ostschweiz nach Spanien zum FC Sevilla. Gemäss Tagblattartikel vom 16. August 1990 liessen ihn die Espen für 2,5 Millionen US-Dollar (damals 3,3 Millionen Franken) in Richtung Andalusien ziehen. (Bild: Archiv STG)
Charles Amoah, schoss den FCSG im Jahr 2000 zum zweiten Schweizer Meistertitel der Espen-Historie. Im Winter der Folgesaison verliess er die Espen und wechselte zu Sturm Graz. Bis heute wurde für keinen St.Gallen-Spieler mehr bezahlt als die 6 Millionen Franken, die von den Österreichern in den Stürmer investiert wurden. (Bild: Archiv STG)

Marco Zwyssig (rechts) verliess den FC St.Gallen im Sommer 2001 in Richtung FC Tirol Innsbruck (heute FC Wacker Innsbruck) . Die Österreicher liessen sich den Innenverteidiger 220'000 Franken kosten. (Bild: Archiv STG)

St. Gallen verliert einen Hoffnungsträger

Ajeti und dem FC St. Gallen scheint es also nicht gelungen zu sein, dem Werben des Double­gewinners zu widerstehen. Sportlich ist der zu erwartende Abgang des Stürmers ein herber Verlust. Ajeti hat in 28 Spielen zehnmal getroffen und ist damit St. Gallens bester Torschütze. Er war im Hinblick auf die kommende Saison ein Hoffnungsträger, im Bestreben des Clubs, einen Schritt weiterzukommen. Noch nach dem 4:1 gegen die Grasshoppers vor etwas mehr als einer Woche sagte Trainer Giorgio Contini: «Ich rechne fest mit ihm und hoffe, dass er bleibt.» Am nächsten Freitag schliesst St. Gallen die Saison ab: just mit dem Auswärtsspiel bei Meister Basel.

Für die Ostschweizer dürfte es in absehbarer Zeit kaum möglich sein, die Lücke, welche Ajeti hinterlässt, zu schliessen. Dabei hatten die Anhänger bis zuletzt gehofft, dass sich der Stürmer durchringe zum Entscheid, nochmals eine Saison in St. Gallen zu bleiben. Es gab durchaus Argumente: Der Konkurrenzkampf in der Ostschweiz ist kleiner, der Druck auch – die Ausgangslage für einen jungen Spieler, um sich in Ruhe weiterzuentwickeln, erscheint perfekt. Zudem war Ajeti auf gutem Weg, ein Publikumsliebling zu werden. Nur: In Basel winkt die Champions League, es winken Titel und ein besserer Lohn. Zudem trifft Ajeti mit dem neuen Sportchef Marco Streller auf einen alten Bekannten – die beiden haben einst noch zusammen gespielt. Der FC Basel strebt unter der neuen Vereinsleitung um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Streller eine Rückbesinnung auf Einheimische an. Nicht nur in der sportlichen Leitung des Clubs, wo auch Alex Frei Einsitz nimmt, sondern ebenso in der Mannschaft.

Der letzte Millionen-Mann war Oscar Scarione

Ajeti hat alle Nachwuchsstufen beim FC Basel durchlaufen und schaffte dort den Sprung in die erste Mannschaft. Noch unter der alten Leitung verliess er den Club im Januar 2016 im Groll in Richtung Augsburg, wo er in der Bundesliga zu einem Einsatz kam.

Das Geld für einen Ajeti-Transfer kann der FC St. Gallen gut gebrauchen. Es sind wirtschaftlich schwierige Zeiten, der Zuschauerdurchschnitt ging in den vergangenen zwei Jahren von 13334 in der Saison 2014/15 bis auf 12533 in dieser Meisterschaft zurück. Zudem ist es schon eine Weile her, seit St. Gallen letztmals einen Spieler für mehr als eine Million Franken verkaufen konnte: Vor vier Jahren ging Oscar Scarione für drei Millionen Franken in die Türkei.

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