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FCL verliert seinen Erfolgscoach: Einschätzungen, Reaktionen – und Protest einiger enttäuschter Fans am Wohnort Seoanes

Der auf den ersten Blick überraschende Wechsel von Trainer Gerardo Seoane zum Meister Young Boys ist ein harter Schlag für den FC Luzern. Es ist der Tiefpunkt einer Woche mit Hiobsbotschaften für den Innerschweizer Super-League-Klub. Einige FCL-Fans zeigen überhaupt kein Verständnis.
Daniel Wyrsch
Wird neu im Stade de Suisse Anweisungen geben: Gerardo Seoane. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 15. April 2018))

Wird neu im Stade de Suisse Anweisungen geben: Gerardo Seoane. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 15. April 2018))

Strahlend waren die Aussichten für den FC Luzern bis zum letzten Sonntag. Doch dann verlor Meister Young Boys den Cupfinal gegen den FC Zürich. Statt der Ligadritte FCL haben sich damit die Zürcher als Cupsieger für die Europa League qualifiziert und kassieren rund 3,5 Millionen Franken Startgage für die Gruppenphase. Dagegen muss sich der FCL mit lediglich 250 000 Franken als Teilnehmer der 3. Qualifikationsrunde bescheiden. Der Katzenjammer bei den Innerschweizer Fans wurde am Montag noch grösser. Mittelfeldchef Hekuran Kryeziu (25) gab bekannt, Luzern nach 14 Jahren zu verlassen. Ablösefrei. Längst war durchgesickert, wohin sein Weg führt: zum Cupsieger FCZ, der ihn mindestens die nächsten drei Jahre fürstlich entlöhnt.

Seoane informierte via einer WhatsApp-Mitteilung

Am Freitag folgte nun die nächste Hiobsbotschaft, der mit Abstand grösste Tiefschlag, der den Verein in seinen Grundfesten erschüttert. 13 Tage vor dem Start zur Vorbereitung auf die nächste Saison hat Erfolgstrainer Gerardo Seoane (39) in einer WhatsApp-Mitteilung den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und die «liebe FCL-Familie» sowie «liebe Freunde» informiert, dass er den FCL verlässt und zu Meister YB wechselt. Seoane erhält bei den Bernern einen Dreijahresvertrag bis Sommer 2021, am Montag wird er vorgestellt. Er begründete seinen Abgang wie folgt: «Ich sehe diesen Schritt als eine grosse Chance, freue mich auf diese Herausforderung.»

Das muss eine niederschmetternde Botschaft für Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg, Präsident Philipp Studhalter und die weiteren Klubmitbesitzer gewesen sein. Obwohl sie seit Mittwoch von FCL-Sportkoordinator Remo Meyer informiert waren über das Interesse von YB. Seoane hatte aus dem akut abstiegsgefährdeten FCL innerhalb von fünf Monaten eine erfolgreiche Super-League-Mannschaft geformt. Gar mit Meister YB und dem langjährigen Ligadominator Basel konnte es Luzern aufnehmen. Mit 34 Punkten aus 17 Spielen (im Schnitt 2,0) führte der Nachfolger von Markus Babbel die Innerschweizer von Platz 9 auf 3.

Der Ex-U21-Coach integrierte zahlreiche Nachwuchsspieler (Voca, Vargas, Knezevic, Schmid, Sidler) im Profi-Team, aber auch gestandene Profis (Schürpf, Kryeziu, Christian Schneuwly) sowie selbst Torhüter Jonas Omlin hatten unter ihm einen Leistungsschub. Seoane gelang es aber vor allem, das Kollektiv zu stärken, womit das kompakte Team fast in jedem Spiel die optimale Leistung auf den Platz brachte.

Prophezeiung von Wehrli und Burri ist wahr geworden

Das Luzerner Kollektiv muss per sofort ohne seinen Kopf auskommen. Recht haben nun die von Anfang an skeptischen FCL-Meisterspieler von 1989, Roger Wehrli und Hansi Burri, bekommen: Sie prophezeiten, dass Seoane im Erfolgsfall im Sommer schon geht. Wie einst als Spieler – wegen des Geldes. «YB hat ausgezeichnete Perspektiven», begründet Seoane auf der Homepage der Berner seinen Transfer.

FCL-Sportkoordinator Remo Meyer: «Gerardo Seoane wollte den nächsten Karriereschritt machen, YB wollte ihn unbedingt.» Sie hätten nichts mehr daran ändern können. Auch eine vorzeitige Vertragsverlängerung, wie der VfB Stuttgart dies im Fall von Tayfun Korkut nach einer ähnlich erfolgreichen Rückrunde tat, hätte Seoane nicht in Luzern gehalten, glaubt Meyer. «Im Winter haben wir ein klares Statement zu Seoane abgegeben, als wir ihn vom U21-Coach zum Cheftrainer beförderten und Gerry einen Vertrag über 1,5 Jahre gaben.» Der Kontrakt ist noch ein Jahr bis Ende Juni 2019 gültig. Über die YB-Ablöse für Seoane verrät der FCL nichts. Die Summe liegt zwischen 500 000 und 1 Million Franken, wie wir erfahren haben.

Fünf Trainer aus dem Inland zählen zu den Kandidaten

Für Meyer gilt, «dass wir jetzt die beste Lösung finden». Der neue Coach müsste bis zum 13. Juni gefunden werden, dann ist Luzerns Trainingsstart. Meyer gibt sich gelassen: «Wir brauchen Zeit und nehmen uns die nötige Zeit.» Zu den Schweizer Kandidaten sollen Urs Meier, Uli Forte, Pierluigi Tami oder Kriens-Aufstiegstrainer Bruno Berner zählen – und FCZ-Assistent René van Eck.

Transparent in der Nähe des Wohnorts Seoanes

Einige FCL-Fans zeigen überhaupt kein Verständnis für den Wechsel von Trainer Gerardo Seoane zu Meister YB. In Hergiswil haben sie beim Eingang zu einem Wohnblock in der Nachbarschaft von Seoane ein Transparent angebracht (siehe Bild unten). Die Aufschrift «Gmüetlich ide Sonne, Gedanke bem Meister. Zrog gods First Class, du **$o chasch ders etz leiste!» zeigt deutlich die Verärgerung.

Nicht vergessen sollten sie, dass Seoane Luzern vor dem Abstieg rettete, auf Platz 3 und ins internationale Geschäft führte. Die Mannschaft und die jungen Spieler machte er deutlich besser - und von YB gibt’s für ihn immerhin mindestens eine mittlere sechsstellige Ablösesumme.

Das Transparent wurde in der Nähe des Wohnortes von Gerardo Seoane in Hergiswil angebracht (Bild: PD)

Das Transparent wurde in der Nähe des Wohnortes von Gerardo Seoane in Hergiswil angebracht (Bild: PD)

Das waren einige Reaktionen aus dem Netz:

Andere können es kaum glauben, zum Beispiel CVP-Kantonsrat Adrian Bühler:

Andere äussern sich kritisch zur Personalpolitik von YB, FCZ und FCL wie dieser Twitterer:

Das waren die letzten zehn Trainer des FC Luzern

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