FCL richtet Blick nach hinten

Im wichtigen Duell gegen Tabellennachbar Lugano verliert der FCL auswärts mit 0:1. Statt sich Richtung Europa zu orientieren, ist man näher am Barrageplatz – und das Auswärtsprogramm ist happig.

Raphael Gutzwiller
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Die Luzerner fanden den Tritt nicht: Ruben Vargas (rechts) gegen Luganos Fabio Daprelà. (Bild: Samuel Golay/Keystone (Lugano, 5. Mai 2019))

Die Luzerner fanden den Tritt nicht: Ruben Vargas (rechts) gegen Luganos Fabio Daprelà. (Bild: Samuel Golay/Keystone (Lugano, 5. Mai 2019))

Derzeit weiss man beim FC Luzern nicht wirklich, worauf man sich konzentrieren soll. Die Fans träumen von Europa, der Trainer warnt vor der Abstiegsbarrage. Einigkeit hatte aber darin geherrscht, dass die Auswärtspartie in Lugano eine wegweisende sein könnte für den Ausgang der Saison. Ein Sieg, und der FCL hätte den Ligaerhalt wohl auf fast sicher gehabt. Er hätte den dritten Rang und die vielleicht direkte Teilnahme an der Europa League anvisieren können.

Stattdessen aber wurde Publikumsliebling Pascal Schürpf nach der 0:1-Niederlage auf der Rundbahn im Stadion Cornaredo von Journalisten darauf hingewiesen, dass der Tabellenneunte Neuchâtel Xamax gewonnen habe und der FCL somit nur noch vier Punkte Vorsprung auf den Barrageplatz habe. «Das wusste ich noch nicht», entgegnete Schürpf. «Aber wir wussten, dass es nochmals richtig eng werden kann.» Die Tabellenkonstellation präsentiert sich derzeit besonders eng. Zwischen Xamax auf Rang 9 und Lugano auf Rang 3 liegen nur gerade fünf Punkte. Mittendrin ist der FCL, der im Tessin statt einem Schritt in Richtung Europa einen Schritt zurück gemacht hat.

FC Luzern vom Winde verweht

Es war ein Rückschritt, der alles andere als nötig gewesen wäre. «Dieses Spiel hätten wir nicht verlieren dürfen. Wir hätten hier Punkte mitnehmen müssen», meinte Schürpf. Dass aus diesem Vorhaben nichts wurde, lag am einzigen Tor der Partie durch Alexander Gerndt (siehe Box), daran, dass der FCL jene Entschlossenheit und Überzeugung vermissen liess, die es in der wichtigen Partie gebraucht hätte – und am Tessiner Wind. Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison in Lugano erschwerte das Wetter die Spielgestaltung. Beim 4:1-Sieg Luzerns am 10. November 2018 hatte es in Strömen geregnet und es hatten sich Pfützen auf dem Rasen gebildet, diesmal war es zwar trocken – dafür windete es unangenehm. «Dadurch entstanden ungemein viele Ungenauigkeiten», befand FCL-Trainer Thomas Häberli. «Flankenbälle waren praktisch nicht möglich und die Steilpässe sehr schwierig zu berechnen.» Somit sei es aus seiner Sicht wenig überraschend, dass fürs einzige Tor ein Standard verantwortlich gewesen sei. «Uns war bewusst, dass das erste Tor vorentscheidend sein könnte. Denn in der zweiten Hälfte war es schwierig, gegen den Wind zu spielen. Es war schwierig, Offensivaktionen zu kreieren.»

Die schwierigen Verhältnisse mögen Einfluss aufs Spiel gehabt haben, dennoch war dies längst nicht alles, was beim FCL nicht stimmte. Insbesondere in der ersten Hälfte hat man sich sehr harmlos präsentiert. «Wir waren am Anfang nicht bereit», stellte Schürpf fest und machte damit eine beachtliche Aussage nach dieser Partie, deren Wichtigkeit man sich eigentlich bewusst hätte sein müssen. Auch wenn sich der FCL etwas steigern konnte, zu hochkarätigen Chancen waren die Luzerner selbst in der Druckphase in den letzten zwanzig Minuten nicht mehr gekommen. Somit war die Niederlage besiegelt.

So erklärt Zibung Gerndts Freistosstor

Es ist jene Szene, die in der Partie zwischen Lugano und Luzern für die Entscheidung sorgt. Aus rund 25 Metern setzt sich Luganos Alexander Gerndt den Ball zum Freistoss und zirkelt ihn über die Mauer ins Tor. Zwar ist der Schuss scharf getreten, doch FCL-Goalie David Zibung sieht gar nicht gut aus: Er bleibt wie angewurzelt stehen.

Kein Goaliefehler, findet Zibung selber. «Man muss auch den Gegner loben können, der Freistoss war richtig gut geschossen. Dazu kommen die schwierigen Windverhältnisse», sagt Zibung, der sich auf die Torhüterecke konzentriert habe. «Ich sehe den Ball zum ersten Mal, als er schon zwei Meter vor mir ist. Dass ich nicht glücklich aussehe, wenn ich einfach stehen bleibe, ist mir bewusst. Doch ich hechte keinem Ball nur deshalb nach, damit ich besser aussehe. In den über 500 FCL-Spielen war ich nie der Goalie mit grossen Showeinlagen, und das ändere ich auch nicht mehr.» Statt einem Goaliefehler hat er nach der Partie eher das Gefühl, dass jemand in der FCL-Mauer nicht hochgesprungen sei. «Um das aber beurteilen zu können, muss ich die Wiederholung sehen.» (rg)

FCL trifft noch auf Basel und YB

Und so richtet sich der Blick beim FC Luzern derzeit eher nach hinten. «Unser primäres Ziel ist es, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben», sagt Häberli. «Erst dann könnten wir allenfalls andere Ziele definieren. Doch wir haben noch ein schwieriges Restprogramm.» Zunächst empfängt der FCL am nächsten Sonntag den Tabellenletzten GC, bevor es zum schweren Auswärtsspiel nach Basel geht. In der letzten Meisterschaftswoche trifft Luzern zu Hause auf Zürich und zum Abschluss auswärts in Bern auf die Young Boys.

In dieser Saison wird es wohl zu einem neuen Rekord kommen. Seit der Einführung der Super League 2003 haben 40 Punkte, wie sie der FCL derzeit hat, immer zum Ligaerhalt gereicht. Das könnte sich ändern. Für den FCL bedeutet das: Punkte müssen her. Für den Ligaerhalt, und – wer weiss – vielleicht dann auch noch für Europa.