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FCL-Präsident Studhalter will die Einführung der Playoffs

Philipp Studhalter ist seit zweieinhalb Jahren Präsident des FC Luzern. Als Clubchef und Komiteemitglied der Swiss Football League (SFL) sagt der Anwalt eine Woche vor dem Rückrundenstart, wo der Schuh im hiesigen Fussball drückt.
Daniel Wyrsch
FCL-Präsident Philipp Studhalter (in Jeans) spricht im Traininslager in Spanien zur FCL-Mannschaft. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Marbella, 14. Januar 2019)

FCL-Präsident Philipp Studhalter (in Jeans) spricht im Traininslager in Spanien zur FCL-Mannschaft. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Marbella, 14. Januar 2019)

Lange hielt sich Philipp Studhalter (42) lieber im Hintergrund auf. Wenn er bei Entlassungen von Führungskräften wie Trainer Markus Babbel oder CEO Marcel Kälin vor die Medien stehen musste, machte er das. In seinen Aussagen steckte stets Diplomatie, leicht zu erkennen war, dass Studhalter von Beruf Rechtsanwalt ist. Studhalter ist immer noch in einer Doppelfunktion als Präsident und interimistischer Geschäftsführer tätig. Die Geschäftsführung gibt er frühestens im Herbst ab, falls der neue Führungsmann Lukas Troxler bis dann für das Amt eingearbeitet ist.

Kürzlich im Trainingslager in Marbella trat der Clubchef vor die FCL-Mannschaft. Studhalter lobte den Zusammenhalt untereinander, machte aber auch darauf aufmerksam, dass der Konkurrenzkampf im Team verschärft werden müsse. Platz 5 zur Saisonmitte komme ihm vor wie eine 2:0-Führung in der Pause. «Das könnte ein gefährlicher Zustand sein, wir müssen für die Rückrunde parat sein», warnte Studhalter seine Profis.

FCL-Cheftrainer René Weiler winkte zwar ab, einen mentalen Leistungseinbruch seines Teams hält er für unwahrscheinlich. Dennoch kommt Studhalters Warnung nicht aus heiterem Himmel: Der FC Luzern ist seit mehreren Jahren dafür bekannt, dass entweder die Vor- oder Rückrunde im Krisenmodus verläuft.

Am kommenden Sonntag (16 Uhr) im Heimspiel gegen Sion wird man erstmals sehen, in welche Richtung es mit dem FC Luzern bis zum Saisonende gehen könnte.

Modus schaffen für Spiele, in denen es um mehr geht

Das präsidiale Auftreten ist deutlich offensiver geworden, man erkennt, dass der frühere Spitzenruderer Philipp Studhalter seine Distanz und Scheu vor dem «sehr dynamischen Fussball» abgelegt hat. Neben der Führung der eigenen Anwaltskanzlei und dem erwähnten Doppelmandat beim FC Luzern ist er Komiteemitglied der Swiss Football League (SFL). In dieser Funktion und als Clubchef spricht er offen über die Sorgen, die ihm die Zukunft des Schweizer Fussballs macht. Anderthalb Jahre nachdem eine Modusänderung in der Super League abgelehnt worden war, Meister YB nun einsam an der Tabellenspitze steht, gefolgt vom langjährigen Ligadominator Basel, findet Studhalter: «Wir müssen versuchen, Rahmenbedingungen zu schaffen für Spiele, in denen es um mehr geht.» Die Zuschauer sollen im Mittelpunkt sein, sie sollen durch die grössere Spannung der Partien wieder öfter mitgerissen werden.

Philipp Studhalter ist Präsident und interimistischer Geschäftsführer des FC Luzern. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 18. September 2018))

Philipp Studhalter ist Präsident und interimistischer Geschäftsführer des FC Luzern.
(Bild: Roger Grütter (Luzern, 18. September 2018))

Kritik an der Wiedereinführung der Barrage

Studhalter spricht das Zauberwort für den neuen Modus nicht aus, aber es scheint klar, an was er denkt: die Einführung eines Playoff-Systems. Die Playoffs sollen in der zweiten Saisonhälfte mit einer offenen Ausgangslage für alle Teilnehmer entgegen der aktuellen Entwicklung wieder viel mehr Fans in die Stadien locken. Der FCL-Präsident sagt, dass eine Änderung notwendig sei: «Alle Schweizer Vereine stehen finanziell unter Druck. Die Schere zu den europäischen Topligen geht immer weiter auseinander.» Wolle die Schweiz den internationalen Anschluss nicht verlieren, müsse die Super League zwingend wieder attraktiver werden. Auch um gute ausländische Spieler holen zu können, statt nur immer eigene Talente in die grossen Ligen zu verkaufen.

Studhalter kritisiert, dass via Hintertür die Barrage wiedereingeführt worden ist. Der Neuntplatzierte der Super League muss gegen den Zweiten der Challenge League um den Auf- oder Abstieg in einem Hin- und Rückspiel antreten. «Für die Zuschauer bringt diese Entscheidung Spannung, wir wollen ja einen Modus, bei dem es um etwas geht. Doch ein Abstieg kostet einen Super-Ligisten mehrere Millionen Franken, für Clubs und deren Mitarbeiter ist er existenzgefährdend.» Zudem dürften die zahlreichen Nachwuchsspieler nicht vergessen werden, die von einem Profivertrag in der höchsten Liga träumen.

Der Luzerner Klubchef findet die Einführung der Barrage gefährlich, umso mehr derzeit nur vier von zehn Challenge-League-Vereinen die Lizenzanforderungen für die Super League erfüllen. «Die beiden höchsten Ligen sind wirtschaftlich zwei komplett verschiedene Dinge», stellt Studhalter fest.

Ungerechte Zustände in der Barrage ohne Video-Ref

Gegen die Einführung des Video Assistant Referee (VAR) hat Studhalter nicht gestimmt. Als FCL-Vertreter hat er sich im Herbst bei der Abstimmung der Stimme enthalten, weil er als SFL-Komiteemitglied das Projekt unterstützt, aber gegen die Einführung bereits auf die Saison 2019/20 war. Studhalters Vorschlag wäre gewesen, den VAR erst später «nach einer sauberen Vorbereitung auf die Spielzeit 2021/22 fix einzuführen, damit die Liga den neuen TV-Vertrag verhandeln kann mit dem Argument, dass der VAR getestet und bereit ist.» Der VAR kostet pro Saison 1,5 Millionen Franken. Dieser Betrag wäre nach Ansicht von Studhalter für die nächsten zwei Jahre besser den Clubs der Liga zur Verfügung gestellt worden als für die Videotechnik.

Als eine grosse Ungerechtigkeit erachtet er es, dass nächste Saison in der Barrage beim Spiel im Stadion des Challenge-League-Clubs keine Videotechnik installiert sei. «Aus diesem Grund kann ausgerechnet bei beiden existenziell wichtigsten Spielen der Saison des betroffenen Super-League-Teams kein VAR eingesetzt werden.»

Er sei grundsätzlich nicht gegen den Videobeweis, «aber dann sollte er auch für die Barragespiele zur Verfügung stehen».

VAR-Test im letzten FCL-Heimspiel gegen St. Gallen

Übrigens: Beim letzten Vorrundenspiel Mitte Dezember zwischen Luzern und St. Gallen (2:1) wurden Testläufe für die Video-Schiedsrichter gemacht, die vor der Swisspor-Arena in einem Wagen mit TV-Bildschirmen sassen. Sprechverbindung zu den Schiedsrichtern auf dem Platz bestanden gemäss aktuellem Regelwerk noch keine. Studhalter ist trotz allem überzeugt, «dass der VAR in der nächsten Saison seriös eingeführt werden kann».

FCL mit Ticketpreisen auf Platz 18 in Europa - warum?

Die Uefa hat im «Club Licensing Benchmarking Report» diese Woche unter anderem die durchschnittlichen Ticketpreise von europäischen Vereinen bekanntgegeben. Der FC Luzern belegt mit durchschnittlich 41.20 Euro Platz 18 – unter anderem vor Schalke 04, Atlético Madrid oder der AS Roma. In der Schweiz sind nur die Ticketpreise des FC Basel (Rang 16, 43.60 Euro) teurer.

Was führt zu diesen hohen Eintrittspreisen beim FCL? Präsident Philipp Studhalter: «Wir haben eine verhältnismässig hohe Abgabelast zu tragen. Deshalb sind die Ticketpreise in einzelnen Sektoren recht hoch, das ist uns bewusst.» Und: «Wir sind mit der Politik im Diskurs und analysieren die Situation natürlich auch intern, um allenfalls schrittweise Preissenkungen vornehmen zu können.»

Mit Abgabelasten meint Studhalter die Sicherheitskosten pro Saison von 600 000 bis 700 000 Franken plus die Billettsteuern, die in Luzern immer noch erhoben werden. Studhalter stellt fest: «Wir sind abhängig vom Billettverkauf, der bei uns 50 Prozent der Einnahmen ausmacht.» Dies im Vergleich zu England in der Premier League und Spanien in der Primera Division, wo die Zuschauereinnahmen fast irrelevant sind. Dort füllen die exorbitanten TV-Gelder die Kassen der Proficlubs. (dw)

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