FCL-Nachwuchschef Colatrella: «Ein Schub mit Talenten ist wieder möglich»

Für den FC Luzern ist es wichtig, dass er mit seinen Partnern SC Kriens und dem Team Zugerland erfolgreich zusammenarbeitet. Nachwuchschef Genesio Colatrella erklärt die Philosophie und den langen Weg zum Profi.

Interview Daniel Wyrsch
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Genesio Colatrella in der Swisspor-Arena vor einem Bild, das einst die heutigen FCL-Profis Ruben Vargas und Filip Ugrinic als Projektarbeit für die Schule malten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 15. April 2019))

Genesio Colatrella in der Swisspor-Arena vor einem Bild, das einst die heutigen FCL-Profis Ruben Vargas und Filip Ugrinic als Projektarbeit für die Schule malten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 15. April 2019))

Die FCL-Teams der U15 bis zur U18, das Team Zugerland U15 sowie die U16 des SC Kriens sind alle in den Top 3 der Tabelle. Im Nachwuchs dieser drei Partnervereine wird also gute Arbeit geleistet.

Genesio Colatrella: Die erwähnten Nachwuchsmannschaften sind alle erfolgreich. In der Innerschweiz wird gut gearbeitet, die Partnervereine ziehen mit. Zuletzt hat mich besonders gefreut, dass die U15 des FCL zum dritten Mal in Folge im Cupfinal stand und diesen zum zweiten Mal hintereinander gewonnen hat.

Wie wichtig ist der vertraglich neu ausgearbeitete Zusammenschluss des FC Luzern mit dem SC Kriens und dem Team Zugerland?

Es ist für den FCL von grosser Bedeutung, die Talente der Region zusammen mit den Partnern aufbauen zu können. Wir haben einen neuen und erstmals einheitlichen und transparenten Vertrag. Nun weiss jeder, was er zu leisten hat und was er von den Partnern erwarten darf. Ausbildungsspezifisch leben wir die gleichen Grundsätze, wir können die Teams auf dem gleichen Niveau einstufen und ausbilden. Am Schluss ist es das Ziel, die besten Spieler aus der Zentralschweiz in die erste Mannschaft des FCL zu bringen. In diesem Ausbildungskonzept sind aber nicht nur der SCK und das Team Zugerland wichtig, sondern alle Innerschweizer Vereine, die uns ihre grössten Talente melden.

Was haben die anderen Klubs davon, wenn Sie dem FCL die besten Fussballer geben?

Sie bekommen bei uns eine gute fussballerische Ausbildung. Wenn sie bei den Profis nicht ­reüssieren, können sie zurück zu ihren Stammklubs, wo sie dank ihrer Erfahrung und dem Können das Niveau heben. Natürlich schaffen nur die wenigsten den Sprung zum Profi, sie setzen dann auf die Berufsausbildung und spielen in tieferen Ligen. Ich freue mich immer, wenn ich ehemalige Junioren auf den Fussballplätzen sehe, sie in verschiedenen Positionen in der Berufswelt begrüsse oder in den Spieltelegrammen ihre Namen lese.

Woran erkennen Sie, wer das Zeug zum Profi hat?

Das ist nicht immer leicht vorauszusehen. Darum ist es extrem wichtig, Leute zu haben, die das Potenzial der Nachwuchsspieler erkennen. Wer den Schritt nach oben wirklich schafft, sieht man erst in vielen Jahren. In dieser Zeit gibt es neue Ausgangslagen, je nach Alter und persönlicher Entwicklung. Das ist ein enormer Prozess, während dem man immer wieder an verschiedenen Punkten ansetzen muss.

Wie muss das Verhältnis von Talent und Wille in Prozenten sein, um Profi zu werden?

Das ist in Prozenten nicht auszudrücken. Qualität kombiniert mit Mentalität setzt sich durch. Wille und Fleiss ist eine Grundvoraussetzung. Nur Talent oder nur Wille reicht nicht. In der Schweiz haben wir ein Ausbildungssystem, das zahlreiche andere Länder beneiden. Bekanntlich schaffen viele unserer Fussballer den Schritt in eine Topliga.

Die U15 des FCL ist Cupsieger. (Bild: Peter McCarthy)

Die U15 des FCL ist Cupsieger. (Bild: Peter McCarthy)

Zur Person

Der Luzerner Genesio Colatrella (47) ist seit vier Jahren FCL-Nachwuchschef. Zuvor war er Leiter des Krienser Nachwuchs. 

Zurück zum FCL: War die Durchlässigkeit, vom Nachwuchs ins Super-League-Team zu kommen, in der Zeit von René Weiler nicht mehr gleich gross wie unter Markus Babbel oder Gerardo Seoane?

René Weiler ist aus dem Ausland gekommen, musste sich an die anderen Gegebenheiten im Vergleich zu Anderlecht und Nürnberg gewöhnen. Lange konnten wir nicht zusammenarbeiten.

In den drei Jahren unter Markus Babbel haben zehn FCL-Nachwuchsspieler das Debüt in der Super League gegeben. Ist das Reservoir an eigenen Talenten für die Profis vorerst aufgebraucht?

Mit Cleric Njau, Marco Burch und Darian Males konnten wieder ein paar Nachwuchshoffnungen in dieser Saison Luft in den Trainings der ersten Mannschaft schnuppern. Ansonsten haben wir bis zum Jahrgang 1999 quasi alles rausgeholt. Wenn wir sauber arbeiten, dann wird es aus den aktuellen Kadern der U15 bis U18 bald wieder einen Schub geben.

Die U21 ist derzeit nur im Mittelfeld der 1. Liga. Warum ist nicht mehr möglich?

Ruben Vargas und Silvan Sidler spielen bereits seit längerer Zeit in der ersten Mannschaft, andere Leistungsträger wie Goalie Simon Enzler und Mittelfeldspieler Marco Rüedi haben wir an Kriens ausgeliehen. Das war ein bewusst eingegangenes Risiko. Für mich macht es aber Sinn, wenn sie Erfahrungen in der Challenge League sammeln können, statt drei, vier Jahre in der 1. Liga zu spielen. Unser Ziel muss es sein, dass die U21 mittelfristig in der Promotion League spielen kann.

Das sogenannte «Jahrzehnt-Talent» Filip Ugrinic stagniert. Sie begleiten den 20-jährigen Mittelfeldspieler seit vielen Jahren. Warum kommt er nicht voran?

Zuerst muss ich festhalten, dass Filip ein guter Typ ist. Er hatte einen herausragenden Start, alles ist ihm sehr leicht gefallen. Doch, um sich als Profi wirklich zu behaupten, braucht es mehr.

GC im Bechstechungssumpf - beim FCL sollen klare Regeln gelten

Bei den Grasshoppers ist kürzlich ein aufsehenerregender Fall bekannt geworden, in welchem Bestechung in der Nachwuchsabteilung eine Rolle gespielt hat. Die Zürcher trennten sich in der Folge von fünf Juniorentrainern. Von einem Coach der U16, weil er Eltern von hoffnungsvollen Talenten mit bis zu fünfstelligen Beträgen zu erpressen versuchte. Von vier anderen, weil sie Spielervermittlern zu nahe standen oder den Junioren ­private Trainings gaben.

Unsere Zeitung wollte vom Luzerner Nachwuchschef Genesio Colatrella wissen, ob es beim FCL schon ähnliche Fälle gegeben hat. Offensichtlich fühlen sich die Vereine derzeit bei diesem heiklen Thema unter genaues­ter Beobachtung zu stehen. Colatrella durfte auf Anordnung des Klubs keine Auskunft geben. Der FCL soll aber klare Regeln haben, wenn Eltern den Versuch machen würden, dem Sohn einen Platz in einer U-Mannschaft mit Geld oder wertvollen Geschenken zu kaufen: Solche Bestechungsversuche müssten der Klubführung sofort gemeldet werden. (dw)