FC Basel: Endlich wieder ein Pokal

Der FC Basel besiegt den FC Thun im Cupfinal nach hartem Kampf mit 2:1 (1:0) – es ist der erste Basler Titel der Post-Heusler-Ära.

Sébastien Lavoyer, Bern
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Party in Rotblau: Basels Valentin Stocker streckt den Cup in die Höhe. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Bern, 19. Mai 2019))

Party in Rotblau: Basels Valentin Stocker streckt den Cup in die Höhe. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Bern, 19. Mai 2019))

Und dann rennt Valentin Stocker, er sprintet, ohne Umwege direkt in die Arme von FCB-Goalie Jonas Omlin. Der auf diese Saison zu den Baslern gestossene Innerschweizer hebt ihn hoch, sie packen sich beim Kopf, schreien sich an, lachen. In diesem Augenblick kurz nach dem Schlusspfiff wird klar, wie gross die Erleichterung ist bei den Baslern. 2:1 haben sie ein ersatzgeschwächtes Thun besiegt. Nach 2:0-Führung mussten sie in den letzten zehn Minuten doch noch zittern, weil Thuns Topskorer Dejan Sorgic in der 81. Minute der Anschlusstreffer gelang. Aber jetzt ist es geschafft, der erste Titel der Post-Heusler-Ära ist Tatsache. Man ist zwar nicht Meister, aber wenigstens Cupsieger.

«Thun wäre kein unverdienter Sieger gewesen. Aber wir haben uns diesen Titel mit den Auftritten in Sitten und in Zürich im Viertel- und Halbfinal verdient», sagte der Krienser Stocker nach der Partie. Eine treffende Analyse eines hart umkämpften Spiels.

Der Beginn ist irritierend: Kaum hat Schiedsrichter Fedayi San angepfiffen, muss er schon ein erstes Mal unterbrechen. Ein paar jugendliche Klimaprotestierende haben sich unter die Fans geschlichen und sind auf den Platz gerannt. Thun findet danach besser ins Spiel, aber es ist der FCB, der durch ein Kopftor von Albian Ajeti in Führung geht. Thun verpasst den Ausgleich danach zweimal knapp – zuerst bei einem Distanzschuss von Fatkic (36.), dann nach einem Kopfball von Gelmi (41.). Man spürt, hier liegt etwas in der Luft, Basel ist verwundbar. Aber so wirklich in die Gänge finden die Thuner erst nach dem 0:2 (77., Fabian Frei). Dejan Sorgic schiesst nur vier Minuten später den Anschlusstreffer. Das grosse Zittern beginnt. Der FCB stellt sich hinten rein, setzt jetzt auf Konter, Thun gibt den Takt vor. Es ist ein zu spätes Aufbäumen, Basel schaukelt das Ding heim, holt sich den 13. Cupsieg der Vereinsgeschichte, den ersten Titel unter Präsident Bernhard Burgener.

Gerber: «Ein Cupsieg wäre wie ein doppelter Sechser im Lotto»

Als die Basler den unterlegenen Berner Oberländern danach Spalier stehen, hält sich FCB-Präsident Burgener im Hintergrund. Er wirkt fast ein bisschen verloren in dieser freudetrunkenen Szenerie. Ricky van Wolfswinkel und Fabian Frei drehen sich nach ihm um, umarmen den Präsidenten. Wenig später stemmt Captain Marek Suchy den Pokal in den Berner Himmel. Rotblauer Konfettiregen, Champagner, «We are the champions» aus den Musikboxen. Darunter trotten die letzten Thuner hängenden Kopfes Richtung Katakomben.

Kommentar

Ein tückischer Titel für den FC Basel

Mit dem hart erkämpften Cupsieg über Thun konnte der FCB doch noch einen Titel nach  Basel holen. Doch der Erfolg darf nicht über die Probleme der Mannschaft von Marcel Koller und des Trainers selbst hinwegtäuschen.

«Hätten wir heute gewonnen, es wäre wie ein doppelter Sechser im Lotto gewesen», sagte Thuns Sportchef Andres Gerber. Zum einen, weil es für Thun der erste Titel der Vereinsgeschichte gewesen wäre. Zum anderen, weil man sich so die direkte Qualifikation für die Europa League gesichert hätte. Um das noch zu schaffen, müssten die Berner Oberländer nun in den verbleibenden zwei Spielen gegen Basel und Sion den Sprung auf Platz 3 schaffen. Eine schwierige Mission – und eine historische Gelegenheit, die der FC Thun verpasst hat. «Es hat nicht viel gefehlt. Genau das macht diese Niederlage so schmerzhaft», bilanzierte Thuns Flügelstürmer Marvin Spielmann. Letztlich hat den Berner Oberländern die Substanz gefehlt. Zum einen fehlten Stammspieler: Captain Dennis Hediger musste verletzt (Kreuzbandriss) passen, Verteidiger Stefan Glarner war gesperrt. Flügelstürmer Matteo Tosetti ist nach einer Verletzung noch nicht wirklich in Form, Gregory Karlen war angeschlagen, und kaum hatte der Cupfinal begonnen, verletzte sich auch noch Innenverteidiger Nicola Sutter.

Derweil sassen beim FCB Spieler wie Zdravko Kuzmanovic, Kevin Bua oder Van Wolfswinkel anfänglich nur auf der Bank. Das zeigt, wie gross die Unterschiede zwischen den beiden Klubs sind. Davon merkte man auf dem Platz reichlich wenig – und es macht die Thuner, die nach 1955 erst zum zweiten Mal in einem Cupfinal standen, zu den Siegern der Herzen. «Wir haben Moral gezeigt, aber Basel war letztlich einfach effizienter», bilanzierte der Thuner Trainer Marc Schneider.

Frei: «Ich lasse mir diesen Titel nicht kleinreden»

Am Ende, da zählt nur der Sieg, dieses 2:1 für den FCB, dieser erste Titel nach einjähriger Durststrecke. «Es ist nicht ein versöhnliches Ende, es ist ein schönes. Ich lasse mir diesen Titel nicht klein- reden. Das war ein Wettbewerb, bei dem alle Schweizer Klubs mitspielten – auch YB – und wir waren die Besten», sagte Siegtorschütze Fabian Frei. Natürlich weiss er, dass der Titel über vieles hinwegtäuschen kann, was während der vergangenen Monate schieflief. Aber an diesem Sonntagabend will er einfach nur geniessen. Oder mit den Worten des anderen Basler Torschützen Albian Ajeti: «Jetzt gehen wir mit den Fans feiern und saufen.» Im Hintergrund hört man Basels Spieler unter der Dusche johlen. Für einige ist es der erste Titel. Für alle ist es ein guter Grund zur Freude, eine grosse Erleichterung nach sehr schwierigen Monaten. Was der Titel wirklich wert ist, wird sich in der nächsten Saison zeigen. «Ich hoffe, dass es ein Wendepunkt ist», sagte Fabian Frei.

Basel – Thun 2:1 (1:0)
Stade de Suisse, Bern. – 20500 Zuschauer. – SR San
Tore: 23. Ajeti (Stocker) 1:0. 77. Frei (Riveros) 2:0. 81. Sorgic (Kablan) 2:1.
Basel: Omlin; Xhaka, Suchy, Zambrano, Riveros; Balanta, Frei (91. Van Wolfswinkel); Stocker (67. Bua), Zuffi (72. Kuzmanovic), Okafor; Ajeti.
Thun: Faivre; Joss, Gelmi, Sutter (26. Karlen), Kablan; Fatkic; Tosetti (79. Salanovic), Costanzo, Stillhart, Spielmann (94. Schwizer); Sorgic.
Bemerkungen: Basel ohne Petretta (gesperrt) und Widmer (verletzt), Thun ohne Glarner (gesperrt), Hediger, Rodrigues und Ziswiler (alle verletzt). Verwarnung: 13. Okafor (Foul). 23. Stillhart (Foul). 26. Balanta (Foul). 65. Riveros (Foul). 94. Ajeti (Reklamieren). 94. Costanzo (Foul).