FC Zürich im Unterhaus – reizvoll

Bisher fristet die Challenge League in der breiten Öffentlichkeit ein Nischendasein. Nur im Privatfernsehen oder allenfalls dank rumänischer Streamingdienste, die instabiler nicht sein können, kommt der interessierte TV-Zuschauer zu Live-Bildern.

Christian Brägger
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Bisher fristet die Challenge League in der breiten Öffentlichkeit ein Nischendasein. Nur im Privatfernsehen oder allenfalls dank rumänischer Streamingdienste, die instabiler nicht sein können, kommt der interessierte TV-Zuschauer zu Live-Bildern. Das gesunde Wirtschaften fällt den Vereinen schwer, die Vermarktung des «Liga-Produkts» ohnehin. Auch das Schweizer Fernsehen bringt die Resultate längst nicht mehr – Service public lässt grüssen. Die Berichterstattung in den national relevanten Printmedien wird jeweils dann kurzzeitig relevant, wenn es darum geht, finanzielle Kapriolen der Clubs zu ergründen. Oder um dem Leser wieder einmal einen Überblick über das Unterhaus zu verschaffen, etwa im Sinne von: Was alles passiert eigentlich da unten?

Die selbst erklärte Ausbildungsliga erzeugt sportlich einen eher marginalen Reiz. Und dennoch fällt den wenigen Ambitionierten der Aufstieg nicht einfach in den Schoss – das wissen beim FC Wil nun auch die Türken. Von Spannung im Challenge-League-Abstiegskampf ganz zu schweigen, zumal im Frühling meist ein Club kollabiert und sich verabschiedet, siehe Biel, Bellinzona oder Servette.

Ein allfälliger Abstieg Zürichs würde nun alles auf einen Schlag ändern. Die reichen Wiler und der FC Zürich Canepas, die Traditionsvereine Aarau (und dazu noch das altehrwürdige Brügglifeld), Servette und Xamax, ein Quintett für einen Platz an der Sonne. Anstatt des langweiligen Basler Solos im Oberhaus also Spannung pur in der gefühlten «Super League II», lauter Partien für die Nostalgiker, für die bekanntlich ja früher alles immer besser war. Zudem ein richtiges Zürcher Derby im einzig echten Fussballstadion des Kantons, der Schützenwiese, was für ein Leckerbissen. Und wetten, das Schweizer Fernsehen würde die Resultate wieder einblenden?

christian.braegger@tagblatt.ch