FC WIL: Lehmann – und eine zweite Anzeige

Ein weiterer turbulenter Tag beim angeschlagenen Ostschweizer Challenge-League-Club: Während der einstige Schweizer Nationalgoalie Stephan Lehmann zurückkehrt, wird eine weitere Anzeige gegen den Verein erstattet. Es geht um die Sozialversicherungen.

Simon Dudle
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Zurück an alter Wirkungsstätte: Goalietrainer Stephan Lehmann will beim FC Wil positive Emotionen verbreiten. (Bild: Simon Dudle)

Zurück an alter Wirkungsstätte: Goalietrainer Stephan Lehmann will beim FC Wil positive Emotionen verbreiten. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

Dem FC Wil droht neues Ungemach seitens der Swiss Football League: Die Lizenzkommission reichte gestern eine Anzeige ein, und zwar wegen mutmasslichen Verstosses gegen die Informationspflicht. Es wird nun geprüft, ob die Bestätigungen zu den Lohn- und Sozialversicherungszahlungen für den Januar reglementkonform erfolgt sind. Da sowohl der Verein als auch die Liga unlängst kommuniziert hatten, dass die Löhne – wenn auch auf den letzten Drücker – rechtzeitig überwiesen worden seien, ist ­davon auszugehen, dass mit den Sozialversicherungen etwas nicht in Ordnung ist. «Wir haben Anhaltspunkte, dass die Unterlagen unvollständig sind. Es kann aber auch sein, dass nur die Bestätigungen fehlen», sagt Philippe Guggisberg, Sprecher der Swiss Football League.

Die Disziplinarkommission wird sich nun des Falls annehmen und aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen ein Verfahren eröffnen. Im schlimmsten Fall werden den Wilern drei Punkte abgezogen. Auch ein milderes Strafmass ist aber möglich.

Es ist bereits die zweite ­Anzeige, welche innerhalb eines Monats gegen die FC Wil 1900 AG eingereicht wird. Ein anderes Verfahren ist hängig, weil es der Verein verpasst hatte, den bevorstehenden Eigentümerwechsel des Aktienpakets der Liga zu ­melden, was gemäss Reglement zwingend ist. Hierbei ist mit einer Busse von rund 10000 Franken zu rechnen – nicht mit einem Punktabzug. Ein solcher würde zusätzlich drohen, wenn es dem Club bis Ende März nicht gelingt, die überfälligen Februarlöhne zu begleichen.

Vom Trainer zum Kellner und wieder zum Trainer

Es gab gestern aber auch gute Neuigkeiten vom FC Wil. Nachdem seit Jahresbeginn acht Akteure den Verein verlassen hatten, wurde ein erster Zuzug des Jahres vermeldet. Mit Stephan Lehmann kommt eine schillernde Figur aufs Bergholz zurück. Für den 14-fachen Schweizer Nationalgoalie ist es eine Rückehr zu jenem Verein, mit dem er vor knapp 13 Jahren den Cupsieg geholt hatte. Auch damals herrschte Chaos, und der Club war dabei, einen von einem ausländischen Investor hinterlassenen Scherbenhaufen zusammenzukehren. «Es ist eine emotionale Geschichte zwischen mir und dem FC Wil. Als mich Präsident Roger Bigger angerufen hat, konnte ich fast nicht Nein sagen» so Lehmann. Zu seiner abermaligen Rolle als Feuerwehrmann sagt er: «Grosse Herausforderungen ­reizen mich. Ich bin vom Typ her gemacht dafür.»

Seine Aufgabe dürfte über die offizielle Funktion als Goalietrainer hinausgehen. Mit seiner emotionalen Art soll die verunsicherte und teils lethargisch auftretende Mannschaft wachgerüttelt werden. «Für die Spieler ist es eine schwierige Situation. Sie müssen jetzt aber den Schalter umlegen und ihre Qualitäten zeigen. Wir wollen Kopf und Herz frei bekommen. Wenn jeder seine Leistung abrufen kann, haben wir in dieser Liga keine Probleme», sagt Lehmann.

Nach seiner Entlassung als Goalietrainer bei Sion 2014, wo er den jetzigen Wil-Torhüter Steven Deana trainierte, nahm sich Lehmann eine Auszeit und arbeitete als Kellner in einem Restaurant in Sempach. Wie lange Lehmann nun in Wil bleibt, ist offen. «Das werde ich mit Roger Bigger noch anschauen. Ich bin in erster Linie gekommen, um zu helfen.»

Völlig unterschiedliche Formkurven

Im Spiel eins seit der Rückkehr Lehmanns ist die Aufgabe fast gleich anspruchsvoll wie im Cupfinal 2004, als die Grasshoppers überraschend mit 3:2 besiegt worden waren. Morgen um 15 Uhr gastiert Wil im Stade de Genève bei Servette, das in diesem Jahr unter dem neuen Trainer Meho Kodro noch keinen Punkt abgegeben hat – auch nicht gegen Leader Zürich. Die Wiler sind seit dem 23. Oktober sieglos.