FC Wil – die Freude hat eine Kehrseite

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«Die wohl letzte Reise des FC Aarau zum finanziell angeschlagenen FC Wil.»So titelte die «Aargauer Zeitung» vor ziemlich genau zwei Monaten. Dies unterstreicht, wie aussichtslos der Wiler Kampf um den Ligaerhalt nach dem Ausstieg der türkischen Investoren zwischenzeitlich war. Nun scheint es, als würde Wil mit einem dunkelblauen Auge davonkommen und weiterhin in der Challenge League spielen dürfen. Wenn Le Mont den negativen Lizenzentscheid tatsächlich nicht anficht, hat der FC Wil den Ligaerhalt vorzeitig auf sicher – als Tabellenletzter.

So gross die Freude in Wil darüber ist, so sehr hat die Geschichte eine Kehrseite. Einmal mehr gibt es in der Challenge League keinen sportlichen Absteiger. Seit der Einführung der 10er-Liga vor fünf Jahren ist der FC Locarno nach wie vor der einzige Club, der aus sportlichen Gründen das fussballerische Unterhaus gegen unten verlassen musste. Und sonst? Bellinzona ging 2013 pleite, der FC Biel vergangenes Jahr. Dazwischen wurde Servette im Frühjahr 2015 die Lizenz verweigert und in die Promotion League zwangsrelegiert. Dieses Jahr müssen womöglich drei Teams absteigen, weil sie die Vorgaben der Liga nicht erfüllen.

Das zeigt: Die Schere in der Challenge League ist zu weit auseinandergegangen. In der laufenden Saison ist die Liga mit Teams wie Zürich, Xamax, Servette und Aarau prominent besetzt wie nie. Sie streben nach oben. Vereine wie Le Mont, Wohlen und Chiasso kommen kaum mehr mit, auch betreffend Infrastruktur. Es braucht eine Aufstockung der höchsten Liga, womit der Druck in der zweithöchsten Klasse weniger gross wäre. Seite 14