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Interview

FC-Wil-Captain Philipp Muntwiler lobt seine jungen Mitspieler und mahnt: «Schätzt, was ihr in Wil habt!»

Der FC Wil tritt am Sonntag gegen den FC Vaduz an - und will mit einem Sieg den zweiten Platz verteidigen. Captain Philipp Muntwiler spricht vor dem Spiel über Wils Erfolge, über falsche Karriereentscheide – und über den Fussballer als Cervelat.
Ralf Streule
Philipp Muntwiler: «In einem gewissen Fussballeralter weiss man einen familiären Club zu schätzen.»Bild: Ralph Ribi (Wil, 31. Oktober 2019)

Philipp Muntwiler: «In einem gewissen Fussballeralter weiss man einen familiären Club zu schätzen.»Bild: Ralph Ribi (Wil, 31. Oktober 2019)

Dritttiefstes Budget der Challenge League, dennoch zweiter Platz: Der FC Wil überrascht die Schweiz. Philipp Muntwiler trägt seinen Teil als Captain bei. Der 32-Jährige Wiler ist im Sommer zum Jugendclub zurückgekehrt. Er geniesst den Moment.

Der FC Wil auf dem zweiten Platz, vor den Grasshoppers – damit hätten auch Sie nicht gerechnet, als Sie zum Club stiessen. Oder?

Philipp Muntwiler: Überrascht bin ich nicht. Schon als ich im Sommer mit den Verantwortlichen Gespräche führte, war ich überzeugt, dass die Philosophie stimmt. Natürlich kann man Erfolg nicht voraussehen. Aber wenn die Grundidee stimmt, ist vieles möglich. Stark finde ich, dass sich das junge Team von Rückschlägen nicht beeindrucken lässt. Immer nach Niederlagen machten wir dort weiter, wo wir zuvor standen. Da lobe ich die Jungen, aber auch Ciriaco Sforza und sein Trainerteam, das auch auf mentaler Ebene gute Arbeit leistet.

Es liegt wohl auch am erfahrenen Captain Muntwiler?

Das will ich nicht sagen. Wenn ein Talent nicht lernen will, kannst du 100 Tipps geben, es bringt nichts. Aber die jungen Wiler sind extrem aufnahmefähig, sie wollen etwas lernen.

Philipp Muntwiler bedrängt im Spiel gegen Aarau den Ostschweizer Elsad Zverotic. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Philipp Muntwiler bedrängt im Spiel gegen Aarau den Ostschweizer Elsad Zverotic. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Ist das bei jungen Spielern nicht die Regel?

Überhaupt nicht. Ich habe viele erlebt, die dachten: «Ich weiss es eh besser.» In Wil kommen die Jungen zu mir und fragen: Wie könnten wir dies oder jenes besser machen? So haben wir es geschafft, attraktiv und erfolgreich zu spielen. Natürlich ist es meine Aufgabe, die Jungen zu führen. Ich bin auf dem Feld sehr emotional und sage auch einmal die Meinung. Aber ich weiss: Es bringt nichts, einem Spieler nach einem Fehler nur auf den Deckel zu geben. Das mochte ich als junger Spieler auch nicht. Es geht um die positive Rückmeldung.

Und wenn diese auch nach drei Fehlern nicht fruchtet?

Dann werde ich auch einmal laut. Man muss spüren, welcher Spieler was verträgt. Nicht jeder Spieler geht gleich damit um, wenn er zurechtgewiesen wird. Hier muss ich merken, welche Reaktion angebracht ist.

Sie wechselten von Vaduz nach Wil, weil sie diese Leaderrolle suchten.

Auch, ja. Aber der Club kommt mir auch insofern entgegen, dass ich nebenher 30 Prozent in einer Personalfirma arbeiten kann und mein Trainer-B-Diplom abschliessen konnte. Dazu kommt, dass ich wieder in meiner alten Heimat bin. Ich fuhr von Wil täglich eine Stunde nach Vaduz und zurück, da ich hier wohnen bleiben wollte. Nun fahre ich mit dem Velo ins Training. Das ist für mich Lebensqualität.

Ist es ihr erklärtes Ziel, einmal eine Traineraufgabe zu übernehmen?

Nicht das primäre Ziel. Aber wer weiss? Doch ich muss mir bewusst sein, dass es nur wenige Trainerjobs gibt in der Schweiz. Deshalb baue ich mir auch ein zweites berufliches Standbein auf.

Wil setzt seit Sommer auf einen Athletiktrainer. Die Jungen dürften die Einheiten besser vertragen als Sie mit Ihren 32 Jahren...

Dass Pascal Kaiser uns athletisch trimmt, ist sehr wertvoll. Ich fühle mich trotz eher höherem Fussballeralter sehr fit. Das ist die Voraussetzung für unser intensives Spiel. Natürlich stehe ich am Morgen nach einem harten Training nicht mehr gleich leicht auf wie früher.

Sie waren Super-League-Spieler. In St.Gallen, in Luzern. Später, nach dem Aufstieg 2014 auch mit dem FC Vaduz. Können Sie da persönlich mit der jetzigen Situation in der Challenge League zufrieden sein?

Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Und da muss ich sagen:

«Ich hätte St.Gallen 2012 wohl nicht in Richtung Luzern verlassen dürfen.»

Aber ich machte es, weil sich Trainer Murat Yakin um mich bemüht hatte. Nach fünf Spielen wurde er entlassen. Ich spielte zwar auch unter Ryszard Komornicki. Dann kam Carlos Bernegger – und da war «aus die Maus», vom ersten Training weg. Ich habe ihm nicht gepasst – und dann hat er mir natürlich auch nicht mehr gepasst. Es war schlicht Antipathie. Dann hätte ich sagen können: Ich habe noch zwei Jahre Vertrag und ich bleibe.

Das wollten Sie aber nicht.

Nein. Ich sah mich um. Ich wollte meinen Beruf ausüben. Ich wollte Fussball spielen und nicht auf der Tribüne sitzen. Und das hätte mir in Luzern unter Bernegger wohl geblüht. Giorgio Contini, den ich von der U21 in St.Gallen kannte und der unter Murat Yakin Co-Trainer in Luzern gewesen war, holte mich nach Vaduz, zunächst leihweise.

Mit Vaduz stiegen Sie auf – und nach zwei Jahren wieder ab. Machten Sie sich danach auf die Suche nach einem Super-League-Club?

Ich war 29-jährig, da wurde es schwierig.

Weshalb nahm Sie Contini nicht mit nach St.Gallen?

Ich hatte es sehr gut mit Giorgio, vielleicht wollte er mich ja auch dabei haben. Welche Kräfte im Hintergrund es am Ende waren, die es verhinderten, weiss ich nicht. Es war für mich aber kein Problem, ich war gerne in Vaduz, wo es wie in Wil familiär zugeht. In einem gewissen Fussballeralter weiss man das zu schätzen. Genau das will ich den Spielern hier auch mitgeben: «Schätzt, was ihr in Wil habt!»

Nehmen die jungen, wilden Wiler diese Tipps an?

Ich glaube schon. Aber ich habe in meiner Karriere andere Junge gesehen, die immer schon einen Schritt weiter sein wollten, anstatt einen ruhigen Club zu schätzen. Und kaum sind sie gegangen, denken sie, gopfertelli, warum ging ich nur weg?

In Wil geht man extrem korrekt um mit den Spielern – das ist nicht selbstverständlich im Fussball. Da bist du oft eher ein Produkt, wie ein Cervelat im Supermarkt-Regal.

Ich habe auch erst in Luzern gemerkt, was ich in St.Gallen gehabt hatte. Natürlich: Man muss auch mal riskieren. Aber auch schätzen, was man hat.

Wären Sie noch Super-Leauge-tauglich?

Ich denke, ja. Aber ich muss ehrlich sein: Ein Transfer in ein Super-League-Team ist unrealistisch. Clubs wollen Transfergelder verdienen, ein 32-Jähriger passt da nicht ins Konzept. Doch mir geht es gut in Wil, habe einen Vertrag bis 2021, kann den Jungen helfen. Was will ich mehr?

Und jetzt hoffen Sie auf die Super League mit Wil?

(lacht)

Ach nein, da sind noch zu viele Spiele zu absolvieren.

Vaduz ist der Gegner am Sonntag. Weckt der Club bei Ihnen Emotionen?

Ja. Ich war immer einer, der nach den Spielen im Clubhaus verkehrte. Im Fussball gibt es viele Zweckgemeinschaften – du hast es zwar gut mit den Leuten, hörst aber nach dem Weggang nichts mehr von ihnen. In Vaduz ist das anders, ich habe gute Freunde dort. Ich freue mich sehr auf das Spiel in Vaduz.

Beim Heimspiel gegen Vaduz kamen nur knapp 800 Zuschauer. Weshalb braucht es in Wil so viel, bis die Leute ins Stadion kommen?

Das frage ich mich auch. Dank grossem PR-Aufwand der Geschäftsstelle kamen gegen Aarau über 2000. Eine solche Kulisse ist für uns extrem motivierend. Die Sache mit dem zwölften Mann ist kein Märchen. Vielleicht haben die Leute im Hinterkopf, was in den vergangenen Jahren im Club schief gelaufen ist. Das sollte man aber schnell vergessen, denn es wurde so viel auf die Beine gestellt. Der Club hat eine neue Chance verdient. Gegen Aarau beim 3:0 haben wir auch fussballerisch gute Werbung gemacht.

Wil möchte den Spitzenplatz verteidigen

Der FC Wil tritt am Sonntag um 16 Uhr beim FC Vaduz an, dem ehemaligen Club von Wil-Captain Phi­lipp Muntwiler. Mit einem Sieg könnten die Wiler den zweiten Platz verteidigen und die Zürcher Clubs Winterthur und die Grasshoppers weiter in Schach halten. Vaduz, das auf dem achten Platz steht, war in der ersten Begegnung gegen Wil in dieser Saison chancenlos. Beim 4:1 in der IGP-Arena stand es schon nach 25 Minuten 2:0 für das Team von Ciriaco Sforza. (rst)

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