Ein gutes St.Gallen verliert Test gegen Leverkusen 2:3 – das Goalieproblem bleibt

Im Freundschaftsspiel gegen Bayer Leverkusen zeigt sich der FC St.Gallen verbessert. Mit dem englischen Testtorhüter Shamal George, der über die gesamte Spielzeit zum Einsatz kommt, verlieren die Ostschweizer gegen den Bundesliga-Sechsten nach Führung noch 2:3.

Christian Brägger aus La Manga
Hören
Drucken
Teilen
Testgoalie Shamal George im Tor der St.Galler.

Testgoalie Shamal George im Tor der St.Galler.

Bild: Manuel Nagel

Nein, Verteidiger Yannis Letard stand im Test gegen Leverkusen nicht im St.Galler Tor. Aber man musste schon zweimal hinsehen. Im Fussball geht es bekanntlich schnell. Und weil die Ostschweizer in der Goaliefrage gerade die erste Welle eines vielleicht insgesamt heissen Transferwinters erreicht hat, spielte mit Shamal George eine Art visueller Letard-Klon gegen die «Werkself». Auf diesen 22-jährigen Testkandidaten aus England richtet sich gerade der Fokus, weil dem angeschlagenen Stammgoalie Dejan Stojanovic ein Angebot von Middlesbrough vorliegt, das ihn offenbar ins Grübeln bringt. Aber auch, weil Nummer 2 und 3 verletzt sind.

Also wurde George noch am Donnerstagabend nach La Manga eingeflogen, trainierte am Freitagmorgen mit dem Team – und erhielt beim 2:3 am späteren Nachmittag 90 Probeminuten. Sportchef Alain Sutter sagte: «Das war nicht einfach, er kennt unsere Sprache und Mitspieler nicht, sass noch im Flieger. Er hat das ganz gut gemacht.»

Über zehn Jahre im Besitz des FC Liverpool

George gehört seit über zehn Jahren dem FC Liverpool und war in jüngerer Zeit oft an Clubs tieferer englischer Ligen ausgeliehen. Auch wenn es ihm noch an einer gewissen Ausstrahlung und Präsenz mangelt, zeigte er durchaus gefällige Aktionen gegen die zweite Formation Leverkusens. Die erste Garnitur, die in acht Tagen bei Wiederaufnahme der Bundesligasaison gegen Paderborn auflaufen dürfte, hatte davor mit 3:4 den ersten Test des Tages gegen den FC Utrecht verloren. Und es wäre wohl zu einer doppelten Niederlage für Trainer Peter Bosz und damit zu keinem schönen Trainingslagerende in Spanien gekommen, wenn die St.Galler ihre gute Leistung durchgezogen hätten.

Mit Ermedin Demirovics Treffern und aufsässigem Spiel lagen sie verdient zur Pause 2:1 in Front. Zwischenzeitlich hatte Leon Bailey ausgeglichen für den Sechsten der Bundesliga, der noch immer auf Könner wie Demirbay, Dragovic, Wendell oder Palacios zurückgreifen konnte.

Doch nach vielen Wechseln zur Pause sah St.Gallens Trainer Peter Zeidler eine zweite Halbzeit, die nicht mehr ganz an die erste herankam. Weil zudem die Chancenverwertung zu wünschen übrig liess, sich Unachtsamkeiten einschlichen und Leverkusen zulegte, war die Niederlage nach Toren von Joel Pohjanpalo und Lucas Alario besiegelt.

«Wenn wir in der Meisterschaft so verlieren, würde ich mich ärgern.»

Das sagte Zeidler, der nach diesem Test positiver und aufgestellter wirkte als jüngst nach dem 3:6 gegen Ingolstadt. Von diesem Spiel bleibt also ein gefälliger Eindruck haften, «wir haben mit einem starken Bundesligaclub gut mitgehalten», sagte Captain Silvan Hefti.

Das Goalieproblem bleibt

Seine Goalieproblematik wird der FC St.Gallen nicht so schnell los. Zeidler sagte, es sei wohl der Fall, dass noch ein weiterer Goalie geprüft werde, und verwies darauf, dass man handlungsschnell bleiben werde. «Wir müssen vorbereitet sein, falls Dejan geht. Die Hardware bei George stimmt jedenfalls, die Referenzen sind gut.»

George wird in La Manga am Montag auch den letzten Test gegen Ostende bestreiten. Die St.Galler Führung dürfte in ihm aber kaum eine künftige Nummer eins sehen, dem Vernehmen nach sind auch weitere Goalies aus der Schweiz im Gespräch, die Sutter nahezu am Laufmeter angeboten werden sollen. Stojanovic jedenfalls wechselt nur dann nach Middlesbrough, wenn Darren Randolph dort den Club Richtung West Ham verlässt. Am Montag wollen die «Hammers» offenbar Klarheit, der Transfer zieht sich auch wegen einer Verletzung Randolphs hin.

Wie immer diese Causa ausgehen wird, will Präsident Matthias Hüppi nun bei Leihspieler Demirovic alle Hebel in Bewegung setzen. Dem Bosnier gefällt es sehr gut in St.Gallen, laut Hüppi würde der Stürmer sehr gerne bleiben. «Doch wir werden uns nicht auf finanzielle Wagnisse einlassen.»

St.Gallen – Leverkusen 2:3 (2:1) 
La Manga – 100 Zuschauer.
Tore: 12. Demirovic (Quintillà) 1:0. 29. Bailey 1:1. 32. Demirovic (Guillemenot) 2:1. 58. Pohjanpalo 2:2. 69. Alario 2:3.
FC St.Gallen 1. Halbzeit: George; Kräuchi, Stergiou, Fazliji, Muheim; Staubli, Quintillà, Ruiz; Demirovic, Guillemenot, Babic.
FC St.Gallen 2.Halbzeit: George; Hefti, Fabiano, Ajeti, Rüfli; Görtler, Quintillà (72. Campos), Solimando; Ribeiro, Itten, Bakayoko.
Bemerkungen: Stojanovic leicht angeschlagen geschont. Shamal George als Testgoalie über 90 Minuten eingesetzt.