FC ST.GALLEN: Nach FCSG-Sieg: Contini sieht noch "Luft nach oben"

Der 2:1-Sieg des FC St.Gallen in Thun erzählt viele Geschichten. Jene des gegnerischen Torhüters, der mithilft. Oder jene von Alain Wiss, dessen Rückkehr als Verteidiger nur 45 Minuten dauert.

Ralf Streule, Thun
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Der ehemalige Thuner Roman Buess im Zweikampf mit Nicolas Bürgy. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Der ehemalige Thuner Roman Buess im Zweikampf mit Nicolas Bürgy. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Ralf Streule, Thun

Man wolle den Tritt wieder finden nach zwei Niederlagen, hatte Trainer Giorgio Contini vor dem Spiel in Thun gesagt. Beim 2:1 im Berner Oberland gelang dies, zumindest was das Resultat betrifft. Nicht, dass die St. Galler spielerisch überzeugt hätten – doch sie traten aggressiver und organisierter auf als zuletzt. Fünf Episoden zu einem knappen Sieg:

Goalies halten zusammen

Die St. Galler hatten das Glück auf ihrer Seite: Dem Thuner Goalie Francesco Ruberto unterliefen im Regen zwei entscheidende Fehler: Zunächst glitt der Ball nach einem Corner aus seinen Händen, später nach einem weiten Ball von Nicolas Lüchinger. Alain Wiss und Roman Buess profitierten. Daniel Lopar, der mit den Bedingungen keine Probleme hatte, nahm Ruberto in Schutz. «Es tut mir leid für ihn – das sind bittere Momente für einen Goalie.» Ruberto habe aber eine gute Reaktion gezeigt, sei bei Flanken weiterhin selbst­bewusst rausgekommen. Goalies helfen sich – auf dass man beim nächsten Fauxpas ebenso schonend beurteilt wird.

Wiss: Glück und Pech

Das Amt des Innenverteidigers hatte Alain Wiss letztmals Anfang September inne. Am Samstag kehrte er auf jene Position zurück und erhielt damit den Vorzug gegenüber Karim Haggui. Wiss überzeugte an der Seite von Silvan Hefti – die beiden wirkten wie ein lange eingespieltes Duo. Dazu gelang dem Zentralschweizer das 1:0 reaktionsschnell. Dennoch musste er in der Pause schon wieder ausgewechselt werden: Eine Oberschenkelzerrung dürfte ihn für die nächste Zeit ausser Gefecht setzen.

Beidseits alte Bekannte

Die beiden Teams waren am Samstag gespickt mit Spielern mit einer Vergangenheit beim Gegner. Da waren die Ex-Thuner Andreas Wittwer und Stjepan Kukuruzovic. Und Roman Buess, der für Thun während der Saison 2015/16 neun Tore erzielt hatte – und gestern zum 2:1 gegen die Thuner traf. Auf der anderen Seite konnte der ehemalige St. Galler Moreno Costanzo mithelfen: Seine sehenswerte Vorbereitung führte vor der Pause zum 1:1. Da war zudem Roy Gelmi, in St. Gallen zuletzt nicht mehr erwünscht. Auch zwei ehemalige Wiler waren dabei: Aussenverteidiger Silvano Schäppi und Offensivspieler Marvin Spielmann. Er traf zum 1:1. Und verletzte Wiss vor der Pause in einem Zweikampf.

Danijel Aleksic: Note 3.5. Einige Glanzpunkte mit Einzelleistungen, zum Beispiel sein Schlenzer an die Latte. Aber im Spielaufbau oft ungenügend. (Bild: pd)
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Marco Aratore: Note 3.5. Er spielt im Sturm, später wieder als Flügel – kommt auf beiden Positionen nicht auf Touren. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 4. Kommt nach einer Stunde für Taipi. Einige gute Spielauslösungen. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4.5. Hat mehr Platz als gegen Lugano, er nutzt diesen. Läuferisch stark – und mit einem Torerfolg. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 3.5. Kommt nach der Pause für Wiss, Wie gehabt: In der Luft stark, am Ball nicht immer sattelfest. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4. Bringt mit selbstbewusster Ausstrahlung Sicherheit, für einmal nach vorne wenig auffällig. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 4.5. Er lenkt im Mittelfeld, behält meist die Übersicht und ist physisch sehr präsent. (Bild: pd)
Daniel Lopar: Note 4. Wehrt nach einer Stunde den Weitschuss von Da Silva stark ab. Sonst kaum geprüft. (Bild: pd)
Nicolas Lüchinger: Note 4.5. Defensiv sehr solid, mit einigen vielversprechenden Vorstössen. Sein weiter Ball führt zum 2:1. (Bild: pd)
Yannis Tafer: Kommt fünf Minuten vor Schluss. Keine Bewertung möglich. (Bild: pd)
Gjelbrim Taipi: Note 4. Ein sehenswerter Weitschuss und ein kämpferischer Auftritt – sieht beim Gegentor aber schlecht aus. (Bild: pd)
Peter Tschernegg: Note 3.5. Viel Kampf, wenig Ertrag beim Österreicher. Nur selten läuft die Angriffsauslösung über ihn. (Bild: pd)
Alain Wiss: Note 4.5. Mit Hefti in der Innenverteidigung sicher. Erzielt das 1:0 technisch stark. Muss in der Pause mit Oberschenkelproblemen raus. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 4. Defensiv sehr solid, es fehlen aber Vorstösse, wie sie Lüchinger auf der anderen Seite zeigt. (Bild: pd)

Danijel Aleksic: Note 3.5. Einige Glanzpunkte mit Einzelleistungen, zum Beispiel sein Schlenzer an die Latte. Aber im Spielaufbau oft ungenügend. (Bild: pd)

Spontaner Rheintaler

Im Sieg alles rosig sehen? Am Samstag waren die St. Galler ­ weit davon entfernt. «Spielerisch nichts Schönes», sagte Lopar. Nicolas Lüchinger setzte noch einen drauf: Es sei ein Spiel von «Not gegen Elend» gewesen. Wenn auch mit einem Lachen gesagt und etwas gar schwarz gemalt: Die Aussage des Rheintalers war erfrischend – in einer Zeit, in der viele Spieler PR-geschult nur ­etwas von «gute Teamleistung» und «analysieren» erzählen.

Hoffen auf Penaltys

Auch Contini sah im Spiel «Luft nach oben». Besonders kritisierte er die letzten Minuten, als ­seine Spieler zu ängstlich agiert hätten. Er hatte zunächst mit zwei Angreifern – Marco Aratore neben Buess – spielen lassen. Mit welcher Spielidee geht man am Donnerstag in den Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys? «120 Minuten spielen und dann im Penaltyschiessen gewinnen – dass wir das können, haben wir ja gegen Linth gezeigt.» Auch Contini war nach dem Spiel zum Scherzen aufgelegt.

Die Spieler vom FC St. Gallen vor dem Spiel. (Bild: EQ)
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Thuns Roy Gelmi und Goalie Francesco Ruberto im Duell mit dem St. Galler Roman Buess. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Der Thuner Roy Gelmi in Aktion.
Die St. Galler Spieler feiern ihren Treffer zum 0:1. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Torhüter Francesco Ruberto verteidigt einen Angriff der St.Galler. (Bild: Freshfocus)
Dennis Hediger im Zweikampf gegen Danijel Aleksic. (Bild: EQ)
Thuns Goalie Francesco Ruberto lässt in dieser Szene neben seinen Kollegen Sandro Lauper und Dennis Hediger den Ball fallen. Der St. Galler Alain Wiss, links, wird anschliessend zum 0:1 treffen. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Nicolas Lüchinger im Zweikampf mit Nuno Da Silva. (Bild: Freshfocus)
Roman Buess jubelt nach dem Tor zum 1:2 mit Assistenztrainer Markus Hoffmann. (Bild: Freshfocus)
Sandro Lauper (Thun) gegen Roman Buess (St.Gallen). (Bild: Freshcocus)
Peter Tschernegg im Zweikampf mit Dejan Sorgic. (Bild: Freshfocus)
Danijel Aleksic und Amar Avdukic im Einsatz. (Bild: Freshfocus)

Die Spieler vom FC St. Gallen vor dem Spiel. (Bild: EQ)