FC ST.GALLEN: «Da dachte ich: Jetzt wird es schwierig»

Sportchef Christian Stübi hat ein halbes Jahr mit Augsburg verhandelt, um den talentierten Albian Ajeti definitiv verpflichten zu können. Der 46-Jährige über Argumente, Geld und Trainer Joe Zinnbauer, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Merken
Drucken
Teilen
Christian Stübi ist Sportchef des FC St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Christian Stübi ist Sportchef des FC St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Christian Stübi, ist die Verpflichtung von Albian Ajeti ein Zeichen, dass St. Gallen ambitionierter wird? Ajeti dürfte eher nicht um Platz sechs spielen wollen.

Als Ajeti kam, belegten wir den zweitletzten Rang. Er wusste sehr wohl, worauf er sich einliess. Wir müssen nun stabiler werden, mit der nächsten Saison beschäftige ich mich noch nicht.

Wir glauben, dass mit dieser Mannschaft in der nächsten Saison Rang drei möglich ist.

Das glauben Sie. Entscheidend wird sein, ob dieses Team zusammenbleibt. Aber es sieht gut aus, mit Ausnahme von Andreas Wittwer verfügen alle Spieler der aktuellen Startformation über weiterlaufende Verträge. Es gibt immer wieder lose Anfragen für unsere Akteure. Im Moment haben wir jedoch kein konkretes Angebot auf dem Tisch. Trotzdem ist es zu früh, um über Ziele der nächsten Saison zu reden.

Kaum jemand hat es für möglich gehalten, dass es gelingen könnte, Ajeti an den FC St. Gallen zu binden. Haben Sie einmal gezweifelt?

Mit Ajetis Agenten und dem Spieler selber waren wir seit Herbst immer im Gespräch und wir versuchten früh, einen Transfer aufzugleisen. Dann gab es einmal einen Moment während der Verhandlungen in Augsburg, als wir keinen Schritt weiterkamen. Da dachte ich: Jetzt wird es schwierig. Danach nahm ich jedoch nochmals einen Anlauf. Ich brachte alle meine Argumente noch einmal auf den Tisch, und Augsburg willigte schliesslich ein.

Was waren die Argumente? Wohl kaum das Geld.

Über die Ablösemodalitäten sage ich nichts. Es wurde Stillschweigen vereinbart. Nur soviel: Wir mussten keine Reserven anzapfen. Ich erklärte den Verantwortlichen in Deutschland einfach, dass Ajeti innerhalb der Mannschaft bereits einen hohen Stellenwert besitze und dieser gut sei für seine Entwicklung. Ich sagte, Ajeti fühle sich sehr wohl und sei wieder näher bei der Familie. ­Zudem kann er es sehr gut mit Trainer Joe Zinnbauer. Ajeti kam ohne Spielpraxis und ohne Selbstvertrauen nach St. Gallen. Joe aber hat Ajeti innert kurzer Zeit auf ein gutes Level gebracht. Ein weiteres Argument war: Bei uns erhält Ajeti die Möglichkeit zu spielen.

Hat Ajeti also eine Stammplatzgarantie?

Nein. Auch bei ihm muss die Leistung stimmen.

Ein Köder war es auch, Zwillingsbruder Adonis gleich auch noch zu verpflichten.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir sind an Adonis wegen seiner sportlichen Qualitäten interessiert. Ein linksfüssiger Innenverteidiger in seinem Alter und mit seinen Voraussetzungen ist in der Schweiz nicht so einfach zu finden.

Verspüren Sie Genugtuung, es mit dem Ajeti-Transfer allen gezeigt zu haben?

In schlechten Phasen gibt es Kritik. Das gehört zu diesem Geschäft. Ich bin meinen Weg aber immer weitergegangen. Wir haben junge und auch Ostschweizer Spieler eingebaut. Wir verfügen nun über eine Achse mit viel Erfahrung, die für die gesamte Entwicklung wichtig ist. Das Kader wurde verkleinert. Beim Transfer von Ajeti geht es nicht um mich. Sondern um den Verein. (pl)