FC ST.GALLEN: Bissiger Joker

Gallen Gjelbrim Taipi hat sich in der Challenge League einen guten Namen gemacht, seit Sommer spielt er in St.Gallen. Trainer Giorgio Contini sagt: «Er bringt einen Tick Strassenfussball in unser Team.»

Patricia Loher
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Der Vertrag von Gjelbrim Taipi beim FC St. Gallen läuft im nächsten Sommer aus. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Der Vertrag von Gjelbrim Taipi beim FC St. Gallen läuft im nächsten Sommer aus. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Patricia Loher

Es war eine Banalität, die das Leben von Gjelbrim Taipi veränderte. Wenige Stunden nachdem der Mittelfeldspieler einen Penalty vergeben hatte, war seine Zeit beim FC Wil nach drei Jahren und 103 Pflichtspielen zu Ende. Die türkischen Investoren kannten keine Gnade: Sie teilten dem Spieler mit, dass er sich einen neuen Verein suchen müsse und per sofort nicht mehr dem Kader der ersten Mannschaft angehöre. Taipi hatte sich in der Challenge League einen guten Namen gemacht, es floss ein schöner Lohn auf sein Konto, denn mit den Türken war auch das grosse Geld nach Wil gekommen. Aber nach dem vergebenen Elfmeter gegen Xamax durfte der Albaner nur mehr mit der zweiten Mannschaft trainieren, während eines halben Jahres kam Taipi zu keinem einzigen Einsatz. Als «Nicht-EU-Bürger» war er in der 2. Liga interregional nicht spielberechtigt. «Geld ist unwichtig, wenn man seinen Beruf nicht ausüben darf», sagt der 24-jährige Spieler und fügt an: «Es waren sechs verlorene Monate.»

Über den FC Schaffhausen kam Taipi im Sommer zum FC St. Gallen. Obwohl der Fussballer seither erst einmal der Startformation der Ostschweizer angehört hat, sind bereits zwei Torvorlagen auf seinem Konto. Zuletzt gegen die Grasshoppers lieferte Taipi den Assist zum zwischenzeitlichen 2:1 durch Roman Buess. Der Mittelfeldakteur hat St. Gallens Spiel nach seinen Einwechslungen immer wieder belebt. Taipi ist ein hartnäckiger, bissiger Zweikämpfer, wendig und stark mit dem Ball am Fuss. Taipi sei ein lästiger Gegenspieler, sagt sein Trainer Giorgio Contini und fügt an: «Er bringt einen Tick Strassenfussball in unser Team.» Der in Serbien aufgewachsene Albaner war nach der Verletzung von Peter Tschernegg auf gutem Weg, sich in St. Gallen in die Startformation zu kämpfen. In Zürich, wo er zum ersten Mal von Beginn weg eingesetzt wurde, hatte er das 1:1 durch Danijel Aleksic vorbereitet, ehe er nach einer verbalen Entgleisung des Feldes verwiesen wurde. Drei Partien musste Taipi aussetzen, andere übernahmen seinen Part. «Die rote Karte hat Taipi gebremst», sagt Contini.

Die Mutter wollte, dass ihr Sohn Arzt wird

Doch sein Spieler hat gelernt zu kämpfen. Als Siebenjähriger hat er im Krieg 1999 miterlebt, wie die serbische Polizei 12000 Menschen in seiner Heimat mit dem Tod drohte. Mütter, Väter und Kinder wurden getrennt, alle sollten erschossen werden. «So etwas bringt man nicht mehr aus dem Kopf», sagt der Fussballer und fügt an: «Glücklicherweise kamen bald die Amerikaner.»

Die Leidenschaft für den Fussball hat der Sohn von seinem Vater mit auf den Weg bekommen. «Meine Mutter aber wollte nicht, dass ich Fussballer werde. Sie hatte Angst, dass ich mich verletze. Mütter machen sich Sorgen. Ich war ein guter Schüler. Sie wollte, dass ich Arzt werde», so Taipi. Aber irgendwann habe sie gemerkt, dass es aussichtslos sei, den Sohn von seinem grossen Traum abbringen zu wollen. Taipi begann die Karriere in seiner Heimat, ehe er es in die höchste mazedonische Liga schaffte und albanischer U21-Nationalspieler wurde. In einem Spiel mit der Nachwuchsauswahl entdeckte ihn Erdin Shaqiri. Der Bruder von Xherdan Shaqiri arbeitet als Spielerberater, er vermittelte Taipi an den FC Wil. «Ich möchte meine Karriere behutsam aufbauen», sagt Taipi. «Und vielleicht gelingt mir irgendwann der Sprung in eine grosse Liga.» St. Gallen würde seinen Mittelfeldspieler, dessen Vertrag im nächsten Sommer ausläuft, gerne behalten. Erste Signale habe man gesendet, sagt Contini. «Taipi hat sich gut entwickelt.»