FC St.Gallen: Angeschlagene Spieler vor dem Spitzenspiel – Ajeti womöglich schwerer verletzt

Eine Formation des FC St.Gallen verliert einen Test in Schaffhausen 3:5. Mehr zu reden geben Boris Babic, Adonis Ajeti und das 0:1 in Luzern.

Christian Brägger aus Schaffhausen
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Axel Bakayoko trifft einmal per Foulpenalty und scheitert später auch einmal vom Elfmeterpunkt.

Axel Bakayoko trifft einmal per Foulpenalty und scheitert später auch einmal vom Elfmeterpunkt.

Bild: Manuel Nagel

Man mag sie nicht besonders, das haben Montage so an sich. Vor allem dann nicht, wenn das Wochenende wenig erquickend war. Niedergeschlagen wirkte Peter Zeidler aber keineswegs, der Coach des FC St.Gallen zeigte sich am Montag angriffig wie eh und je. Es gab ja nichts mehr zu ändern an der Niederlage, der ersten nach der Winterpause und drei Siegen. Und: Die Ostschweizer führen die Super League ja immer noch an, notabene nach 22 Runden und damit nach fast zwei Dritteln der Spielzeit.

Da gerät nach einem 0:1 in Luzern nur ins Hadern, wer Trainer des unterlegenen Teams ist. Also sagte Zeidler:

«Dass wir auf diese Weise und trotz zeitweise grosser Dominanz verloren, war schlicht unverhältnismässig. Die Geschichte des Spiels war der Foulelfmeter. Zudem hätte in der Aktion davor ein Foul an Yannis Letard gepfiffen werden müssen.»

Womit es dann erst gar nicht zur Penaltyaktion gekommen wäre. Überdies zu reden gab die gelbrote Karte für Simon Storm in der Schlussphase der Partie. Der Athletiktrainer mit Sinn für Gerechtigkeit darf ihr zufolge am Sonntag nicht auf der Bank des FC St.Gallen sitzen, der Vorarlberger wird hier von der Liga wie ein Spieler behandelt. In dieser Causa hätte es gemäss Zeidler durchaus mehr Fingerspitzengefühl von Sandro Schärer geben können.

Schiedsrichter Schärer soll sich später einsichtig gegeben haben

Zumal der Schiedsrichter später offenbar ein gewisses Mass an Einsicht gehabt haben soll. Auch hatte der Unparteiische im Gegensatz zu Storm die Provokation nicht mitbekommen, als der Luzerner Ersatzspieler Shkelqim Demhasaj einen zweiten Ball aufs Spielfeld schlug, so einen Unterbruch provozierte und damit Zeit für sein Team schindete.

Am Montagnachmittag machte die zweite oder gar dritte Garnitur St.Gallens ebenfalls nicht den Eindruck, als handle es sich beim Test gegen ein B-Team Schaffhausens auf dem Kunstrasen des Lipo Park um eine Strafaufgabe. Solche Partien sind als Abwechslung willkommen und gut für Spielpraxis wie Rhythmus. Selbst wenn Zeidler mit Recht in dieser Saison einen Stamm von 13 bis 14 Spielern forciert und darob für Aussenstehende der eine oder andere Reservist vergessen gehen mag.

Nun könnte am Sonntag im absoluten Spitzenkampf der Super League, wenn der Tabellenerste die Zweitplatzierten Young Boys empfängt, genau dieser Fall eintreffen: Dass der eine oder andere Reservist gebraucht wird. Victor Ruiz dürfte nach seiner roten Karte weiterhin gesperrt sein, und Lukas Görtler beispielsweise ist angeschlagen mit einer Oberschenkelprellung. Zeidler sagt, es sei wohl nicht so schlimm, und Görtler hielt in der Zentralschweiz auch fast eine Stunde lang durch. Hätte der deutsche «Vorarbeiter» aber früher kapitulieren müssen, wäre Tim Staubli zum Zug gekommen – genau für einen wie Staubli sind solche Testspiele.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.
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Silvan Hefti: Note 4. Kommt immer wieder stark über die rechte Seite, aber überraschen kann er Luzerns Abwehr damit nicht.
Yannis Letard: Note 5. Der Franzose bewahrt in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf und ist dank des guten Stellungsspiels einer der besseren St. Galler.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. So wie Letard macht auch der 17-Jährige einen mehrheitlich guten Job. Muss sich aber ein-, zweimal überlaufen lassen.
Miro Muheim: Note 4. Der Unglücksrabe. Verschuldet den am Ende entscheidenden Penalty. Unternimmt danach viele Vorstösse, die Flanken bleiben für einmal aber wirkungslos.
Lukas Görtler: Note 4. Er kämpft wie immer – auch, nachdem er früh einen Schlag auf den Oberschenkel kassiert hat. Kann so kaum Einfluss nehmen und muss dann ausgewechselt werden.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Dem Romand unterlaufen viele unerzwungene Fehler. Verpasst mit einem Kopfball das 1:1.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Luzern tritt der Spielstärke des Spaniers mit körperlicher Härte entgegen. Starker Freistoss in der 65. Minute.
Boris Babic: Note 3,5. Er spielt hinter den Spitzen. Nach einer nicht überzeugenden ersten Halbzeit steigert er sich.
Cedric Itten: Note 4. Der Basler wirkt oft etwas verloren, weil mit wenig Bindung zum Spiel. Fällt aber mit der einen oder anderen Balleroberung auf.
Axel Bakayoko: Note 4,5. Kommt für Görtler. Bringt viel Schwung – und scheitert in der 62. Minute am starken Goalie Marius Müller.
Ermedin Demirovic: Note 3,5. Luzern meldet den gefährlichen Stürmer fast 90 Minuten ab. Als er trotzdem zu einer guten Chance kommt, verwertet er diese atypischerweise nicht.
André Ribeiro: Note -. Kommt in der 86. Minute für Guillemenot. Die Zeit ist zu kurz für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.

Urs Bucher

Babic gibt Entwarnung – Pechvogel Ajeti

Ein noch grösseres Fragezeichen scheint in fünf Tagen auch hinter dem Einsatz von Boris Babic zu stehen, der sich gegen die mit allen Mitteln kämpfenden Luzerner früh das Knie verdrehte, auf die Zähne Biss, durchspielte und nun nach einem MRI auf eine nähere Diagnose wartet. «Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl», sagte der Stürmer, und Zeidler seinerseits hofft selbstredend auf nichts Schlimmes: «Aber die Knie sind einfach immer heikel.»

Ziemlich schlimm scheint es indes erneut Adonis Ajeti erwischt zu haben, den Innenverteidiger Nummer vier, der mit Unterbrüchen in St.Gallen seit Sommer 2017 ist. Der 22-Jährige musste gegen Schaffhausen nach einem Zweikampf in der zweiten Halbzeit verletzt ausgewechselt werden, ein erstes Bulletin lautete: Dick geschwollener Knöchel, Bänderverletzung im linken Sprunggelenk. Ausgerechnet Ajeti, der noch nie ein Pflichtspiel für die Ostschweizer absolviert, sich zuletzt aber in Zeidlers Aufgebote gekämpft hat.

Daneben gab das Freundschaftsspiel Raum für zwei weitere Aufreger: Den verschossenen Elfmeter von Axel Bakayoko und den missglückten Auswurf von Jonathan Klinsmann direkt in die Füsse eines Schaffhausers, der prompt traf. In der Folge zeigte der St.Galler Goalie vor den Augen der mitgereisten, zum Stamm gehörenden Teamgefährten Cedric Itten, Letard und Jordi Quintillà (eine schöne Geste) gefällige Paraden. Ach ja, Tore gab es auch noch, und nicht wenige: Die Gäste unterlagen dem für einmal von Hakan Yakin gecoachten Verein der Challenge League 3:5, Zeidler blieb trotz der fünf Gegentore positiv:

«Egal. Es gibt kein besseres Training als ein Spiel.»

Er weiss sehr wohl: Es gibt Schlimmeres.

Testspiel, Telegramm:
Schaffhausen – St.Gallen 5:3 (1:1)

Lipo Park – 20 Zuschauer – Sr. von Mandach.
Tore: 17. Bakayoko (Foulpenalty) 0:1. 40. Missi Mezu 1:1. 58. Breitenmoser 2:1. 64. Ribeiro 2:2. 65. Missi Mezu 3:2. 71. Campos 3:3. 82. Coulibaly 4:3. 90. Bajrami (Foulpenalty) 5:3.
St.Gallen: Klinsmann; Kräuchi, Ajeti (52. Keller), Fabiano (75. Pfyl), Rüfli; Staubli, Fazliji, Solimando (75. Heule); Campos (75. Özcelik), Ribeiro, Bakayoko (46. Gonzalez).
Bemerkungen: FC-St.Gallen-Trainer Peter Zeidler verzichtet auf sämtliche Stammspieler. Zudem ohne Costanzo (Grippe) und Vilotic (angeschlagen). 35. Bakayoko verschiesst Foulpenalty. 52. Ajeti verletzt ausgeschieden. – Verwarnung: 84. Fazliji (Foul).