FC St. Gallen setzt Massstäbe

Erstmals seit Einführung der Zehner-Liga führt ein Aufsteiger nach einem Viertel der Meisterschaft der Super League die Tabelle an. Der FC St. Gallen steht nach neun Spielen noch ohne Niederlage da, auch das ist Rekord für einen Aufsteiger.

Thomas Werner
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Jubelnde St. Galler: Das Gefühl einer Niederlage haben die Spieler von Trainer Jeff Saibene in dieser Saison noch nicht kennengelernt. (Bild: Luca Linder)

Jubelnde St. Galler: Das Gefühl einer Niederlage haben die Spieler von Trainer Jeff Saibene in dieser Saison noch nicht kennengelernt. (Bild: Luca Linder)

FUSSBALL. Die Fussball-Schweiz staunt: Rückkehrer St. Gallen setzt neue Massstäbe in der Super League. Erstmals seit Einführung der Zehner-Liga auf die Saison 2003/04 hin führt ein Aufsteiger die Tabelle nach einem Viertel der Meisterschaft an. Die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene hat als einzige noch keine Niederlage kassiert, hat am meisten Tore erzielt und zusammen mit dem ebenfalls überraschenden Tabellenzweiten Grasshoppers am wenigsten Gegentore zugelassen.

Bereits stellt der «Blick» auf seiner Homepage die Frage: «Kann St. Gallen sogar Schweizer Meister werden?» Und die Antwort: 55 Prozent der Abstimmenden sagen Ja. Bisher ist allerdings erst eine Mannschaft, die nach neun Spielen Leader war, auch Meister geworden. In der Premierensaison startete der FC Basel mit neun Siegen bei einem Torverhältnis von 33:9. Am Ende hatten die Basler als Meister 85 Punkte auf ihrem Konto, 13 mehr als die zweitplazierten Young Boys. Viermal belegte der «Viertel-Meister» am Ende Rang zwei, zweimal Rang drei und zweimal Rang sechs.

Sion als Rekordhalter abgelöst

St. Gallen löst den FC Sion als besten Aufsteiger nach dem Startviertel ab. Die Walliser belegten in der Saison 2006/07 mit 20 Punkten Rang zwei. Vor Saibenes Team ist es noch keinem Aufsteiger gelungen, nach neun Runden ohne Niederlage zu sein. Dies gelang zuvor überhaupt erst zwei Mannschaften: 2003/04 dem FC Basel und im Vorjahr dem FC Luzern.

Nebst dem Punkterekord stellt auch die Defensivleistung der St. Galler eine Bestleistung für einen Aufsteiger im ersten Meisterschaftsviertel dar. Diesen hielten die Ostschweizer seit der Saison 2009/10 gleich selbst, als sie auf Rang sechs liegend nur neun Gegentore zugelassen hatten. Mit elf Treffern und 13 Punkten belegten die St. Galler damals zum selben Zeitpunkt Rang fünf.

Die Offensivleistung der St. Galler, die in der zehnten Saison der Zehner-Liga zum achtenmal dabei sind, war schon einmal besser. In der Saison 2005/06 erzielten sie in den ersten neun Runden 18 Tore. Diese reichten damals aber nur zu 14 Punkten und Rang sechs.

Deutlich weniger Tore

Während die St. Galler aus nationaler Sicht bereits in den Kreis der Meisteranwärter rücken, warnen Trainer Saibene und seine Spieler vor allzu grossen Erwartungen. Sie wollen weiter Spiel für Spiel nehmen. Mit 19 Punkten Vorsprung auf den Tabellenletzten – nur Basel hatte in den Spielzeiten 2003/04 und 2008/09 mit jeweils 22 Punkten eine grössere Reserve – dürfte St. Gallen mit dem direkten Abstieg aber nichts mehr zu tun haben. So wartet ein weiterer Rekord auf eine Verbesserung: Sion belegte in der Saison 2006/07 am Meisterschaftsende Rang drei, besser war in der Zehner-Liga noch kein Aufsteiger. Die beste Klassierung des FC St. Gallen ist Rang fünf, diesen erreichten die Ostschweizer zweimal: 2003/04 und 2006/07.

15 Tore reichten vor St. Gallen erst einer Mannschaft für die Tabellenführung nach neun Runden: Luzern kam damit im Vorjahr wie jetzt die Ostschweizer zu sechs Siegen und drei Unentschieden. Der einzige Unterschied zur aktuellen St. Galler Bilanz war: Die Zentralschweizer liessen einen Gegentreffer weniger zu. Auffallend ist, wie schwer es allen Mannschaften fällt, zu Torerfolgen zu kommen. Lediglich 98 Tore sahen die Zuschauer bisher, vor einem Jahr waren es nach 45 Partien noch 137 Treffer. Der Schnitt pro Spiel sank damit von 3,04 auf 2,18.