FC St. Gallen: Eine «Generalversammlung im stillen Kämmerlein», ein blaues Auge und ein neuer Verwaltungsrat

An der Generalversammlung der FC St. Gallen AG ohne Aktionäre wird der St. Galler Ständerat Benedikt Würth als neuer Verwaltungsrat bestätigt, er ersetzt den abtretenden Stefan Wolf. Der FC St. Gallen präsentierte nach der GV auf der Klubwebsite in einer Gesprächsrunde die Ergebnisse aus der Sitzung - und schaute emotional auf die erfolgreiche Saison zurück.

Ralf Streule
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Die Traktanden wurden in diesem Jahr ohne Zuschauer verhandelt, abgestimmt wurde im Vorfeld online oder brieflich.

Die Traktanden wurden in diesem Jahr ohne Zuschauer verhandelt, abgestimmt wurde im Vorfeld online oder brieflich.

Samuel Schalch

In anderen Jahren ging das so: Eine volle Olma-Halle, Hunderte Publikumsaktionäre, dekorierte Rednerpulte, emotionale Videos auf Grossleinwand, hübsch aufgereihte Verwaltungsräte auf der Bühne. Und natürlich Bier und Wurst zum Ausklang. Doch es ist alles anders in diesem Herbst - natürlich auch die Generalversammlung der FC St. Gallen AG.

Die Corona-GV 2020 wurde am Freitag im kleinen Kreis abgehalten: Ab 17 Uhr redeten sich die Verwaltungsräte und Revisoren im Kybunpark ohne Zuschauer durch die Traktanden. Die Publikumsaktionäre hatten zuvor online oder per Briefzuschrift ihre Ja-, Nein- oder Enthaltungs-Häkchen abgeliefert. 64 Prozent der Aktionärsstimmen waren abgegeben worden. Weit mehr als in anderen Jahren mit Publikum vor Ort - immerhin ein Vorteil von Online-Wahlen.

Wobei: Viele Nein-Stimmen waren bei keinem der Traktanden zu erwarten gewesen. Seit die neue Führung am Ruder ist, ist der Rückhalt für den Klub in der Öffentlichkeit gross - die sportlich erfolgreichste Saison seit 19 Jahren tat seines dazu.

Finanzchef Christoph Hammer: «Wir sind bisher mit einem sehr blauen Auge davongekommen»

Ein bisschen Gänsehautstimmung wollte der FC St. Gallen an diesem Abend dennoch aufkommen lassen. In der «Espenrunde» auf der Klubwebseite blickte Moderator James Wehrli nach der GV mit den Verantwortlichen mit emotionalen Bildern auf die Saison zurück und sprach daraufhin über die Ergebnisse aus der «GV im stillen Kämmerlein». Präsident Matthias Hüppi sprach von einer Saison, die auch in den kommenden Monaten Kraft geben werde - trotz schwierigen Zeiten.

Die Espenrunde im Kybunpark im Anschluss an die GV mit Matthias Hüppi, Moderator James Wehrli und Christoph Hammer (von links).

Die Espenrunde im Kybunpark im Anschluss an die GV mit Matthias Hüppi, Moderator James Wehrli und Christoph Hammer (von links).

pd

Finanzchef Christoph Hammer erzählte darauf von den monetären Herausforderungen in Corona-Zeiten. «Mit einem sehr blauen Auge» sei man bisher davon gekommen im Geschäftsjahr 2019/20, sagte er. Die FC St. Gallen AG schreibt einen Jahresgewinn von 1,17 Mio. Franken. Dies dank guten Vorarbeiten, die das strukturelle Defizit bereits vor der Krise beseitigt hätten, wie Hammer sagte. Dank Fans und Sponsoren, die sich solidarisch zeigten. Und nicht zuletzt dank Transfereinnahmen von 1,75 Millionen Franken. Darin sind die Transfers von Dereck Kutesa und Goalie Dejan Stojanovic enthalten, noch nicht aber jene von Silvan Hefti und Cedric Itten. Künftig wolle man 0,5 Millionen Franken an Transfereinnahmen budgetieren, so Hammer.

Demgegenüber stehen Mindereinnahmen beim Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz, eine tiefere Entschädigung durch die FC St.Gallen Event AG und zusätzliche Wertberichtigungen auf Forderungen.

Das übergeordnete Ziel in Coronazeiten bleibe aber, sagte Hammer:

«Der FC St. Gallen muss überleben.»

Helfen werde dabei, dass das Aktienkapital aufgestockt werden kann. Die Publikumsaktionäre stimmten diesem Traktandum zu. Damit sollen in absehbarer Zeit weitere Aktien zum Kauf angeboten werden. Interessenten wurden auf die Seite fcsg.ch/interesse verwiesen.

Benedikt Würth: «Ich habe schnell gespürt, dass ich in dieses Team passe.»

Der Verwaltungsrat wurde von den Aktionären in globo mit einem wuchtigen Resultat bestätigt. Neu gehört damit offiziell auch Benedikt Würth dem Gremium an. Er freue sich, Verantwortung für den FC St. Gallen zu übernehmen, sagte der St. Galler Ständerat in der Live-Übertragung. Er habe schnell gespürt, dass er in dieses Team passe. Er wolle mithelfen, dass der Klub noch stärker wirtschaftlich und gesellschaftlich in der Region verankert werde. Würths Wahl hatte zwar nur symbolischen Charakter, bereits nach der Wahl an der Generalversammlung der Event AG von Anfang November war Würth faktisch als neuer Verwaltungsrat festgestanden. Er ergänzt das Gremium mit Hüppi, Hammer, Patrick Gründler und Peter Germann.

Würth ersetzt Stefan Wolf, den ehemaligen Spieler des FC St.Gallen. Er verlässt den Verwaltungsrat aus privaten und beruflichen Gründen. Wolf bedankte sich in der «Espenrunde» beim Verwaltungsrat und den Fans für eine «Wahnsinnszeit im FC St. Gallen». Und schenkte seinen Kollegen ein Seil - an dem gemeinsam zu ziehen stets eine grosse Freude gewesen sei.

Es fehlte in jenem Moment nur eines: Umarmungen, Applaus, Standing Ovations.

Ein Bild aus Vor-Coronazeiten: Generalversammlung 2018 in der Olmahalle 2.1.

Ein Bild aus Vor-Coronazeiten: Generalversammlung 2018 in der Olmahalle 2.1.

Michel Canonica

FC St. Gallen AG, die Wahlergebnisse in der Übersicht

(64 Prozent der Aktionärsstimmen wurden abgegeben)


Wahl des Verwaltungsrats (in globo):
200'587 Ja, 279 Nein, 215 Enthaltungen
Wahl des Präsidenten: 
200'941 Ja, 128 Nein, 12 Enthaltungen
Statutenänderung Kapitalerhöhung:
186'783 Ja, 151 Nein, 14147 Enthaltungen
Jahresrechnung
201'060 Ja, 9 Nein, 12 Enthaltungen