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FAUSTBALL: Die Giganten aus dem Dorf

Im heutigen Schweizer Cupfinal stehen sich mit Wigoltingen und Diepoldsau zwei Ostschweizer Provinzvereine gegenüber. Doch wie kommt es, dass Dörfer die besten Teams stellen?
Pascal Koster
Die Wigoltinger – hier gegen Widnau in der Meisterschaft – sind heute gegen Diepoldsau favorisiert. (Bild: Mario Gaccioli (Wigoltingen, 24. Juni 2017))

Die Wigoltinger – hier gegen Widnau in der Meisterschaft – sind heute gegen Diepoldsau favorisiert. (Bild: Mario Gaccioli (Wigoltingen, 24. Juni 2017))

Pascal Koster

Einmal mehr wird ein nationaler Titel in die Ostschweiz gehen. Heute um 16 Uhr spielen auf dem Grünfeld in Jona die Thurgauer aus Wigoltingen und die Rheintaler aus Diepoldsau um die Cup-Trophäe. In den vergangenen vier Jahren hiess der Cupsieger immer Diepoldsau-Schmitter, Wigoltingen oder Widnau, die andere Rheintaler Spitzenmannschaft. Noch bemerkbarer macht sich die Ostschweizer Dominanz in der Meisterschaft. Seit nunmehr sieben Jahren wird eines dieser drei Teams Schweizer Meister.

Dass im Rheintal gerade zwei Topteams beheimatet sind, ist kein Zufall, wie Diepoldsaus Präsident Gian Lipp weiss. Er nennt zwei Gründe, weshalb Faustball in seiner Region noch immer derart verbreitet ist. Zum einen werde in Widnau schon seit 20 Jahren das grösste internationale Faustballturnier veranstaltet. Zum anderen mache der Derbycharakter den Sport attraktiv. «Fast alle Dörfer im Rheintal haben irgendwo noch eine Faustballmannschaft.» Ein Rheintaler Derby bringe zudem in der Region grosses mediales Interesse und hohe Zuschauerzahlen mit sich. «Natürlich ist es spannender für die Zuschauer, wenn sie statt fünf alle zehn Spieler auf dem Platz kennen.»

Massives Stadt-Land-Gefälle

Obwohl die höchste Schweizer Faustballliga eine nationale Angelegenheit ist, fällt auf, dass die Liga beinahe nur aus Dorfvereinen besteht. Diesen Umstand einzig und allein mit dem Desinteresse der Städter zu erklären, wäre zu einfach. Wigoltingens Trainer Raphael Michel verweist in dieser Frage auf die Tatsache, dass Faustball ursprünglich nur von den Männerriegen der Turnvereine gespielt wurde. «Solche TV-Geschichten sind in Städten nun einmal weniger populär.»

Trainer Michel, der vergangenes Jahr mit Wigoltingen das nationale Double gewonnen hat, erzählt, wie er zu diesem Sport gefunden hat: «Als ich sieben Jahre alt war, ging man einfach in die ‹Jugi› und gleichzeitig fing man dann an mit Faustball.» In seinem Dorf hätte es kaum andere Möglichkeiten gegeben, um Sport zu betreiben. In den Städten hingegen kamen parallel zu den Turnvereinen modernere Sportarten wie Volleyball, Basketball oder Handball auf.

Als Michel älter wurde, musste er sich entweder fürs Turnen oder für den Faustball entscheiden. «Es war unmöglich, beides zu betreiben.» Einerseits fehlte die Zeit, andererseits hätte er sich sowohl im Turnen wie auch im Faustball einen Trainingsrückstand eingehandelt.

Auch Diepoldsaus Faustballmannschaft entstammte dem Turnverein. Die Männerriege rund um Lipps heute 95-jährigen Grossvater hatte angefangen zu fausten. Seit dieser Generation wurde der Sport aufrechterhalten. Jedoch erst vor gut zehn Jahren löste sich der mittlerweile eigenständige Verein vom Namen «Männerriege» los. «Irgendwann klang ‹Männerriege› seltsam, da unterdessen schon einige Frauen bei uns spielten.»

Thurgau oder St. Gallen?

Wigoltingens Michel macht vor dem letzten wichtigen Spiel der Feldsaison kein Geheimnis daraus, welches Team zu favorisieren ist. Den Schweizer-Meister-Titel verteidigte Wigoltingen bereits vor drei Wochen. Doch er sagt auch: «Es war im Training schwierig, die Spannung aufrechtzuerhalten.» Auch Diepoldsaus Präsident Lipp ist nicht ganz zufrieden mit der Vorbereitungszeit. «Wir hatten viele Absenzen im Training.» Trotzdem setzt er grosse Hoffnung in die Equipe.

«Unsere Mannschaft ist eine grosse Wundertüte. Ich sehe uns nicht als krassen Aussenseiter.» Die Aussage Lipps belegten die St. Galler in dieser Saison bereits im Positiven wie im Negativen. Einerseits gewannen sie ziemlich überraschend den internationalen European Cup, andererseits verpassten die Diepoldsauer in den Finalspielen der Meisterschaft eine Top-drei-Rangierung. Lipp gesteht: «Eigentlich hätte ich da mit Silber gerechnet.» Egal ob nun die Thurgauer oder die St. Galler gewinnen, die Ostschweiz bleibt vorerst eine Faustball-Hochburg.

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