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Fast wie eine Siegerin

Wie bei der WM 2017 holt Wendy Holdener die Silbermedaille im Slalom. Befreit will sie nun die beiden nächsten Rennen angehen.
Claudio Zanini, Pyeongchang
Wendy Holdener feiert ihre Silbermedaille. «Ich bin mehr als glücklich darüber», sagt sie. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Wendy Holdener feiert ihre Silbermedaille. «Ich bin mehr als glücklich darüber», sagt sie. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Claudio Zanini, Pyeongchang

Ist ein zweiter Platz bei Olympia ein verpasster Sieg oder eine ­gewonnene Silbermedaille? Die Frage ist banal, aber sie stand nach dem Frauenslalom einmal mehr im Raum. Für Schlagzeilen ist sie nicht unerheblich. «Silber gewonnen» und «Gold verpasst» sind zwei Paar Schuhe. Der Blickwinkel ist dabei entscheidend. Aus Zuschaueroptik sehen wir auf der Anzeigetafel im Ziel fünf Hundertstelsekunden Rückstand auf Gold. Das ist ein kleines bisschen mehr als null, von blossem Auge nicht erkennbar. Der erste Platz wurde um Haaresbreite verfehlt – so gesehen müsste man von einer verpassten Goldmedaille sprechen.

Aus der Sicht einer Athletin, die im Gegensatz zu uns auf der Piste war, die zwischen den beiden Läufen die Nervosität im Zaun halten, sich vom Druck distanzieren und mit dem Wind kämpfen musste – aus ihrer Sicht tönt das Résumé so: «Ich fühle mich heute auch als Siegerin.» Der Satz kam von Wendy Holdener. Es ist schon Nachmittag, als sie ihn von sich gibt. Ihre Gedanken schweifen an den Morgen ­zurück. Gut geschlafen habe sie. Das sei nicht immer der Fall vor solch wichtigen Rennen. Noch im Bett liegend, spürte sie die Nervosität aufkommen. «Das hat sich eigentlich erst wieder beruhigt, als der zweite Lauf beendet war», sagt die Schwyzerin.

«Ich habe noch nie zwei gute Slalomläufe gezeigt»

Holdener versuchte sich auf das Skifahren zu konzentrieren. Dafür wendete sie Tipps ihrer Mentaltrainerin an, um angespannte Situationen besser zu bewältigen. Ein Trick sei, an schöne Dinge zu denken, erklärt Holdener. Woran sie genau denkt, sagt sie nicht. «Das ist ein Insider zwischen mir und meiner Mentaltrainerin.» Als Zuschauer sah man letztlich nur, dass es Holdener schaffte, sich auf den ersten Durchgang zu fokussieren. Sie startete als Erste und stellte eine Zeit auf, die keine Athletin unterbieten konnte. Auch die mit Startnummer vier eingreifende Mikaela Shiffrin nicht. Die Amerikanerin verlor 48 Hundertstel auf Holdener. Von verschiedenen Seiten war zu hören, Shiffrin habe sich vor dem Start übergeben. Ob wegen Nervosität oder einer Erkrankung, ist nicht bekannt. Gegenüber NBC meinte der US-Star, es habe sich «wie ein Virus» angefühlt.

Den guten ersten Lauf hatte Holdener in der Tasche. Und fand sich somit in einer ungewohnten Situation wieder. Als Führende ging sie in dieser Saison noch nie in eine Reprise. Im letzten Winter gelang ihr das einmal in Squaw Valley, doch dann schied sie aus. «In meiner Karriere habe ich noch nie zwei gute Slalomläufe gezeigt», sagt sie. Holdener fing in der Halbzeit an zu grübeln. «Im ersten Lauf habe ich mich extrem wohlgefühlt. Danach war ich mir nicht sicher, ob es mir gelingen würde, nochmals in diesen Fluss zu kommen.» Es war die nächste Nervenprobe an diesem Tag. Nach der Nervosität vor dem ersten, folgte der Stress vor dem zweiten Durchgang. Shiffrin stand bereits im Ziel, als sich Holdener in den Hang warf. Und die grösste Überraschung war, dass die 22-jährige Amerikanerin die Führung nicht übernahm. Denn seit 2013 hatte sie bei jedem Grossanlass Slalom-Gold gewonnen: WM 2013, Olympia 2014, WM 2015, WM 2017.

Holdeners Fahrt wurde vor allem im oberen Streckenteil von einer Windböe gestört. «Bei den ersten Toren war ich überhaupt nicht locker», sagt sie. Im Ziel hatte sie diese fünf Hundertstel Rückstand. Shiffrin verdrängte sie damit auf Platz vier. Die Schwedin Frida Hansdotter siegte, die Österreicherin Katharina Gallhuber sicherte sich die Bronzemedaille. Denise Feierabend (14.) und Michelle Gisin (16.) verpassten den Sprung unter die ­ersten zehn.

In der Kombination ist sie Topfavoritin

Ihr Medaillenziel hat Holdener erreicht. Weil der zweite Lauf nicht über alle Zweifel erhaben war, sei sie «mehr als glücklich» über Silber. «Das gibt mir Selbstvertrauen für die nächsten Rennen, dort wird der Druck nicht mehr so gross sein.» Holdener tritt noch in der Kombination und im Teamwettbewerb an. In der Kombi ist sie die Topfavoritin. Was eine erste Medaille für Energien freisetzen kann, sah man bereits bei Beat Feuz im Super G.

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