FAMILIENSACHE: Wie der Vater, so der Sohn

Überraschend triumphiert Dominik Oertig am Ricken-Schwinget. Der Uznacher tritt damit in die Fussstapfen seines Vaters Hans Oertig, der denselben Anlass im Jahr 1989 gewinnen konnte.

Pascal Schönenberger
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Dominik Oertig lässt im Schlussgang seinem Teamkollegen Pirmin Gmür keine Chance. (Bild: Ralph Ribi)

Dominik Oertig lässt im Schlussgang seinem Teamkollegen Pirmin Gmür keine Chance. (Bild: Ralph Ribi)

Pascal Schönenberger

Ein Schwingfest mit vielen Überraschungen fand auf dem Ricken statt. Nachdem sich die Favoriten selber bremsten, konnte sich Dominik Oertig vor den 3100 Zuschauern als Ricken-Sieger 2017 feiern lassen; sein Vater Hans hatte Selbiges vor 28 Jahren getan. Dominik Oertig gewann das Kräftemessen auf der Passhöhe gegen seinen Clubkollegen Pirmin Gmür im Schlussgang bereits nach 23 Sekunden mit einem Hüfter. Der gelernte Landwirt aus Uznach zeigte im Verlauf der Saison 2017, dass seine Form im Schwingen nach oben zeigt. Bis zum Ricken-Schwinget erkämpfte er sich in dieser Saison bereits sechs Kränze und legte unter anderen schon den Eidgenossen Philipp Laimbacher auf den Rücken. Er sagte, dass seine Saison bis jetzt gut verlaufen sei und der Fahrplan stimme. Dies sah man auf dem Ricken eindrücklich.

Klare Steigerung während des Festes

Obwohl Oertig mit einer Niederlage gegen den Thurgauer Eidgenossen Beni Notz in das Fest starten musste, drehte er in den nachfolgenden Gängen auf. Thomas Riedi, Ueli Hegner, Beda Arztmann und Florian Pfister hatten keine Chance gegen den 21-Jährigen. Nach den vier Siegen in Serie stand er nach fünf Gängen ganz vorne auf der Rangliste. Da im zweiten Rang gleich drei Rapperswiler Schwinger für den Schlussgang in Frage kamen, entschied sich das Einteilungskampfgericht für Gmür. Kurze Zeit später beförderte Oertig diesen mit einem Hüfter ins Sägemehl. Er ist damit der erste «Nichteidgenosse» nach langer Zeit, der auf dem Pass triumphieren konnte und sich nach den ausgewiesenen Grössen wie Jörg Abderhalden, Arnold Forrer, Martin Grab oder Daniel Bösch auf der Siegerliste eintragen lassen durfte.

Noch vor dem Start ins Schwingfest auf dem Ricken waren Forrer, Stefan Burkhalter oder Beni Notz die klaren Favoriten für den Tagessieg gewesen. Forrer seinerseits hatte die Chance, das Ricken-Schwinget zum insgesamt neunten Mal zu gewinnen und somit zum alleinigen Rekordhalter zu werden. Dieser Traum platzte beim Schwingerkönig aus dem Toggenburg bereits nach dem zweiten Gang. Gegen die beiden Innerschweizer Philipp Schuler und Florian Hasler fand Forrer kein Rezept und musste jeweils stellen. Nach den beiden Punkteverlusten konnte er zwar noch zwei Siege feiern. Doch er kam im fünften und sechsten Gang erneut nicht auf Touren und musste sich nochmals zwei Gestellte schreiben lassen. Auch Notz und Burkhalter verabschiedeten sich bereits nach drei Gängen aus dem Kampf um den Tagessieg. Beide Thurgauer Eidgenossen mussten sich nach drei Gängen zwei Punkteverluste mit jeweils zwei gestellten Gängen notieren lassen. Somit war das Favoritensterben perfekt – und die jungen, aufstrebenden Teilverbandskranzer wie Dominik Oertig konnten sich nach vorne arbeiten.

Zwei Oertigs schreiben Geschichte

Vor dem Schlussgang hatte ein anderer Schwinger vom organisierenden Rapperswiler Schwingerverband seinen grossen Auftritt. Der 37-jährige Adrian Oertig verabschiedete sich nach 28-jähriger Schwingerkarriere – mit 40 gewonnenen Kränzen – vom Publikum auf dem Ricken. Der «Pöstler» aus Goldingen qualifizierte sich fünfmal für das Eidgenössische Schwingfest und gewann mit dem Rapperswiler Verbandsschwingfest und dem Gonzenschwinget zwei Klassiker im St. Galler Verbandsgebiet. Unter tosendem Applaus der 3100 Zuschauer hängte der Sennenschwinger seine Hosen an den berühmten Nagel und liess sich feiern. Mit dem Festsieger Dominik Oertig und dem zurücktretenden Adrian Oertig schrieben also gleich zwei Oertigs am gleichen Tag Geschichte.