Familienangelegenheit

Gleich zum Auftakt der Gruppenphase treffen heute in der Champions League Titelverteidiger FC Barcelona und die AC Milan aufeinander. Polemik entfacht in Mailand die Nichtnominierung von Stürmer Filippo Inzaghi.

Lukas Plaschy/Rom
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Der brasilianische Stürmer Pato (Bild) will bei Milan Filippo Inzaghi vergessen machen. (Bild: epa/Venezia Filippo)

Der brasilianische Stürmer Pato (Bild) will bei Milan Filippo Inzaghi vergessen machen. (Bild: epa/Venezia Filippo)

Fussball. Silvio Berlusconi liebt alles Schöne. Dieser Umstand hat den italienischen Premierminister schon mehrmals in Schwierigkeiten gebracht. Als Besitzer der AC Milan hingegen hat es ihm viele aussergewöhnliche Momente beschert. Nach seinem Gusto soll Milan nicht nur erfolgreich, sondern auch spektakulär spielen. Fussball als Sinnbild der Ästhetik, sozusagen. Der Fussballclub diente dem Geschäftsmann, vor allem aber dem Politiker Berlusconi, lange Zeit als Propagandamaschine. Gerade die Erfolge im Europacup sollten sein persönliches Ansehen steigern und mithelfen, sich international einen Namen zu machen. Es ging sogar so weit, dass die internationalen Titel für Berlusconi wichtiger wurden als nationale Meriten.

Raúl im Visier

Kein Wunder also, wenn einer wie Filippo Inzaghi in der Gunst Berlusconis ganz oben steht. Dank Inzaghis Tordoublette gewann Milan 2007 in der «Revanche für Istanbul» den Champions-League-Final gegen Liverpool. Der aus Piacenza stammende Angreifer hat das Toreerzielen im Blut. Fast 200 Treffer sind es inzwischen in der Serie A.

Dabei entspricht Inzaghi nicht dem Prototyp eines modernen Mittelstürmers, welchen überdurchschnittliche Technik und eine robuste Physis auszeichnen. Inzaghis Qualitäten liegen vielmehr im Antizipieren des gegnerischen Verteidigers und dem aussergewöhnlichen Gespür, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Dank dieser Merkmale wurde Inzaghi zu einem der meist gefürchteten europäischen Angreifer des vergangenen Jahrzehnts. Insgesamt 70 Tore hat der Stürmer im Europacup erzielt, davon alleine 50 in der Champions League. Nur der bei Schalke 04 unter Vertrag stehende Spanier Raúl hat noch einen Treffer mehr auf dem Konto. Alleine das Ziel, Europacup-Rekordtorschütze zu werden, treibt den 38jährigen Inzaghi an, noch nicht aufzuhören. Auch durch einen im vergangenen November erlittenen Kreuzbandriss liess er sich nicht entmutigen.

«…wie ohne Madonnenstatue»

Dazu bedurfte es vielmehr eines heiss diskutierten Entscheids von Milan-Trainer Massimiliano Allegri. Dieser ist nicht mehr von Inzaghis Goalgetter-Qualitäten überzeugt und strich ihn von der Meldeliste für die Champions League. Die Anhänger revoltierten in den Internet-Foren und auch die «Gazzetta dello Sport» schrieb, Champions League ohne Inzaghi sei «wie der Mailänder Dom ohne Madonnenstatue».

Als eines der wenigen Teams in der Champions League nominierte der italienische Meister mit Zlatan Ibrahimovic, Robinho, Pato und Antonio Cassano nur vier Angreifer. Keiner von ihnen ist gelernter Mittelstürmer. Während beim 2:2 gegen Lazio Rom zum Saisonauftakt in der Serie A am Freitag Ibrahimovic mit Cassano stürmte, dürfte heute im Camp Nou neben dem Schweden wohl Pato auflaufen. Der Brasilianer ist mit Berlusconis jüngster Tochter Barbara liiert. Sollte sich Pato auch mit Toren im Europacup in das Herz von Vater Berlusconi spielen, brechen für Altmeister Inzaghi harte Zeiten an.

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