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Fähndrichs Flirt mit der Weltspitze

Der Langläuferin Nadine Fähndrich gelingt an der WM in Seefeld mit Platz fünf über zehn Kilometer klassisch das wertvollste Resultat ihrer Karriere.
Rainer Sommerhalder, Seefeld
Nadine Fähndrich im klassischen Stil auf der Fahrt in die Weltklasse. (Bild: Peter Schneider/KEY

Nadine Fähndrich im klassischen Stil auf der Fahrt in die Weltklasse. (Bild: Peter Schneider/KEY

Es ist zugleich persönlicher Exploit wie kollektiver Befreiungsschlag: Nadine Fähndrich läuft über zehn Kilometer klassisch entfesselt, lässt Weltcupsiegerinnen wie die Norwegerin Heidi Weng oder die Schwedin Charlotte Kalla, sämtliche Russinnen und auch die österreichische Hoffnungsträgerin Teresa Stadl­ober hinter sich. Nach einem beeindruckenden Steigerungslauf mit Rang 23 bei der ersten Zwischenzeit fehlen Fähndrich im Ziel 27 Sekunden für eine Medaille. Im Gegensatz zum ihrem zweiten Platz vor zehn Tagen an der WM-Hauptprobe in Italien waren in Seefeld die besten zwölf der Welt geschlossen am Start. Die 23-jährige Luzernerin lief erstmals in ihrer Karriere in einem so stark besetzten Distanzrennen in die absolute Weltspitze. Ein Versprechen für die Zukunft.

Balsam für das Frauenteam

Für die in dieser Saison oft gebeutelten Schweizer Langläufer bedeutet dieses Resultat das dringend benötigte Lebenszeichen. Gerade bei den Frauen läuteten zuletzt die Alarmglocken. Kaum genügend Läuferinnen, um eine Staffel zu bilden – am Dienstag war Fähndrich gar die einzige Starterin von Swiss-Ski. Dazu der sich abzeichnende Rücktritt von Sprinterin Laurien van der Graaf und der überraschende, zumindest temporäre Abschied von Nathalie von Siebenthal. Das Team erschien noch vor wenigen Tagen als Patient für die Intensivstation. Und dann kommt Fähndrich. Noch vor wenigen Tagen liegt sie mit Magenproblemen im Bett. Doch anstatt sich im aktuell schwierigen Teamumfeld in die bequeme Opferrolle zu begeben, steht sie auf und läuft das Rennen ihres Lebens. «Sie hat mental enorme Fortschritte gemacht», attestiert ihr Barbara Flury, die OK-Chefin der Weltcuprennen in Davos. Ihr Trainer Peter von Allmen sagt:

«Der Entscheid, in diesem Rennen auf den schnellen Ski und damit auf die Karte Risiko zu setzen, zeugt von enormem Selbstvertrauen.»

«Ich habe mir vorgenommen, das Beste aus dieser Situation zu machen», sagt Fähndrich selbst. Sie sei gespannt gewesen, wie gut sie ihre Magenverstimmung überwunden habe. Die Frage, ob ohne diese gesundheitlichen Probleme gar noch mehr drin gelegen wäre, weist Fähndrich als hypothetisch zurück. Und in der Rolle der neuen Teamleaderin sieht sie sich definitiv noch nicht. «Dafür bin ich noch zu jung. Und eine Teamleaderin muss nicht zwingend die Schnellste im Wettkampf sein.» Nach einem perfekten Tag stellt sich dennoch die Frage zu ihren Perspektiven. Fähndrich wird fälschlicherweise oft als Sprintspezialistin wahrgenommen. Sie selber bezeichnet sich seit je her als Allrounderin. Sie ist eine komplette Athletin, beherrscht beide Stilrichtungen, fühlt sich bei Einzelstarts und im Feld wohl. Ihre Fortschritte entspringen einem kontinuierlichen Aufbau. Auch diese Saison bis hin zum Höhepunkt WM verlief exakt nach Plan. Das vorzeitige Verlassen der Tour de Ski, das Wettkampfprogramm im Vorfeld, alles am Reissbrett entworfen und konsequent durchgezogen.

Kein Start über 30 Kilometer

Selbst eine Hirnerschütterung Ende Oktober im Training in Davos brachte sie nicht aus dem Takt. Zur sorgsamen Karriereplanung gehört auch, dass das WM-Programm trotz Topform nun nicht angepasst wird. Den Dreissiger zum Abschluss lässt Fähnd­rich wie geplant aus. Im Kampf um den WM-Titel forderte die 19-jährige Schwedin Frida Karlsson die Dominatorin Therese Johaug mehr als der Norwegerin lieb war. Bloss zwölf Sekunden fehlten der überraschend starken Junioren-Doppelweltmeisterin im Ziel zur Sensation.

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