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FACHMANN: Der Eisgott aus Schottland

Mark Callan ist der Eismeister der Curling-EM in St. Gallen. Dank seiner Erfahrung weiss er genau, was es braucht, damit die Unterlage «komplett flach» ist. Der Brite verrät, wer bei der Arbeit sein grösster Feind ist.
Ives Bruggmann
Mark Callan besprenkelt das Curlingfeld. Ein Arbeitsschritt, den er laufend wiederholt. (Bild: Urs Bucher)

Mark Callan besprenkelt das Curlingfeld. Ein Arbeitsschritt, den er laufend wiederholt. (Bild: Urs Bucher)

Ives Bruggmann

Das Eis ist den Curlingspielern heilig. Nur auf einer perfekten Unterlage gleiten die Steine wie gewünscht, drehen sie sich exakt im erhofften Radius. «Ein gutes Eis ist die Grundvoraussetzung im Curling. Das geniesst auch an der EM in St. Gallen höchste Priorität», sagt OK-Präsident Marco Battilana. Mit dem Eis haben die St. Galler Organisatoren hingegen wenig zu tun. Der Welt-Curling-Verband (WCF) entsendet jeweils seine eigenen Eismeister an die internationalen Grossanlässe. An der EM in St. Gallen ist Mark Callan der verantwortliche Eistechniker.

Der 53-jährige Schotte aus Glasgow ist vor einer Woche in der Gallusstadt eingetroffen. Er umschreibt seine Aufgabe wie folgt: «Ich musste das Eishockeyfeld in fünf Curlingfelder umwandeln.» Was relativ simpel tönt, ist jedoch eine Wissenschaft für sich. Zuerst malt Callan, dem eine Assistentin stets zur Seite steht, den Untergrund weiss. Darauf werden dann die für das Curlingspiel benötigten Felder und Linien eingezeichnet. Auch die Logos der Sponsoren dürfen nicht fehlen. Erst dann folgt die eigentliche Eisproduktion. «In jedes Feld giessen wir pro Schicht jeweils 500 bis 600 Liter Wasser», sagt Callan. Ein Curlingfeld bestehe aus vier bis fünf Schichten. Sobald diese Grundarbeit erledigt ist, geht es um die Details. Der Feinschliff steht an. Und da gilt für Callan nur eine Devise: «Das Eis muss das beste sein, damit die Spieler die besten sein können.» Immer wieder besprenkelt er mit Wasser die Spielfläche und ebnet das frische Eis danach mit einer Maschine mit dem passenden Namen «Ice Boss» ein. Das Ziel, das er bei all seinen Ar­beitsschritten verfolgt, ist, dass das Eis «komplett flach» ist.

Dass nicht nur Gefühl hinter der ­Arbeit des Eistechnikers steckt, zeigt die Überwachungsanlage «Eye on the Ice». Wie es der Name verrät, zeigt sie dem Eismeister wichtige Werte an. Sei es die Eis- und Raumtemperatur oder die Luftfeuchtigkeit. Nichts muss Callan dem Zufall überlassen. Sogar zuverlässige Vorhersagen kann er mit dem «Eis-­Auge» berechnen.

Zuschauer bringen Wärme in die Halle

Vor allem geht es bei den Überwachungen darum, Frost zu vermeiden. «Frost auf dem Eis ist des Curlers grösster Feind», sagt Callan. Durch die Wärme, die vor allem Zuschauer und Curlingspieler in die Halle mitbringen, besteht diese Gefahr jedoch stetig. Die Kühlung in der Eishalle läuft deshalb immer auf Hochtouren.

Vom Welt-Curling-Verband gibt es exakte Vorschriften, wie schnell das Eis sein muss und wie stark der Stein curlen darf. «Praktisch, dass ich selber auch curle, dann kann ich das Eis jeweils selber testen.» Eine Karriere als Spitzencurler kam für Callan jedoch nie in Frage. Weil er sich schon früh entschieden hatte, Eismeister zu werden, durfte er an den Anlässen, für die er jeweils das Eis präparierte, nicht teilnehmen. Mittlerweile blickt Callan auf rund 25 Jahre Erfahrung zurück. Seit 1999 ist er als Eistechniker für den Weltverband tätig. «Drei Dinge», sagt er, müsse ein guter Eismeister mitbringen: «Erfahrung, Wissen und die Fähigkeit, mit Wissenschaft zu arbeiten.»

Inhaber der weltweit führenden Curlingsteinfirma

Nach jeder EM-Partie behandelt er das Curlingfeld. «Ziel ist es, das Eis so gleichmässig wie möglich zu halten», sagt der Schotte. Mittlerweile kennt er viele Spieler aus dem Curling-Zirkus. «Wenn sie nicht zufrieden sind, dann bekomme ich das sofort zu hören. Wenn ich nichts höre, dann sind sie zufrieden.»

Hauptberuflich ist Callan Inhaber der Firma Kays, die Curlingsteine herstellt. Sein Unternehmen ist das einzige weltweit, welches den fürs Curling am besten geeigneten Ailsite-Granit abbauen darf. Deswegen werden auch an der EM in St. Gallen seine Steine verwendet. «Ohne ihn geht nichts», sagt deshalb auch OK-Chef Battilana über den wohl wichtigsten Mann der EM.

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