EXPLOIT: Vogel düpiert die Favoriten

Florian Vogel hat zum Abschluss der Mountainbike-EM überraschend das Cross-Country-Rennen für sich entschieden. Auch bei den Frauen gab es eine Medaille – trotz Jolanda Neffs Aufgabe.

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Florian Vogel an der Spitze des EM-Rennens in der Lombardei. (Bild: Bartolomiej J. Zborowski/EPA)

Florian Vogel an der Spitze des EM-Rennens in der Lombardei. (Bild: Bartolomiej J. Zborowski/EPA)

Ihn hatten in der Lombardei die wenigsten auf der Rechnung. Florian Vogel, Europameister von 2008, 35-jährig, düpierte die Konkurrenz im norditalienischen Glutofen von Darfo Boario Terme und gewann auf dem erstmals befahrenen, technisch anspruchsvollen Parcours ziemlich unverhofft. In Abwesenheit von Nino Schurter setzte sich der Aargauer zehn Sekunden vor dem eben-falls verblüffenden 36-jährigen französischen Rekordmann und Vorjahressieger Julien Absalon durch, der nach einem Schlüsselbeinbruch sein erstes Rennen nach zweimonatiger Verletzungspause bestritt. Der Deutsche Manuel Fumic, der mit seinen 35 Jahren ebenfalls bereits zu den «Oldies» gehört, komplettierte das Podest in Norditalien.

Vogel, der letztmals vor zwei Jahren im Weltcup auf dem Podest stand und 2010 in Champéry ein Weltcuprennen gewann, zeigte ein taktisch cleveres Rennen und profitierte auch von einem Defekt seines wohl härtesten Widersachers, dem Spanier David Valero, nachdem er zunächst noch Helferdienste für den später zurückgefallenen Teamkollegen Mathias Flückiger geleistet hatte.

Natürlich waren die Chancen der Aussenseiter vor den Titelkämpfen auch durch Schurters Absage und die Absenz des zuletzt erstarkten, tschechischen Ex-Weltmeisters Jaroslav Kulhavy markant gestiegen.

Auch mit Silber zufrieden

«Es wäre für mich auch ein gutes Rennen gewesen, wenn Absalon mich noch überholt hätte. Ich hatte keinen Druck», befand Vogel. Die vergangenen Rennen hätten ihm das nötige Selbstvertrauen gegeben und ein Stilwechsel den Effort in der Schlussphase ermöglicht. «Meine Saison ist damit ziemlich gerettet», resümierte Vogel, der seine bisher beste Saisonplatzierung mit einem fünften Rang Anfang Juli in Vallnord in Andorra erzielt hatte.

Mit vier Goldmedaillen und vier Silbernen – dies ohne Zutun von Schurter und Jolanda Neff – unterstrich die Schweiz ihre Vormachtstellung im Mountainbike-Sport an den kontinentalen Titelkämpfen eindrücklich. «Ich bin überwältigt. So viele Medaillen hätte ich nie erwartet», zog der Schweizer Delegationsleiter Pascal Seydoux die Bilanz hinter die diesjährigen Europameisterschaften.

Bereits am kommenden Wochenende starten die weltbesten Mountainbiker in die nächste Prüfung. Im kanadischen Mont-Saint-Anne steht das zweitletzte Weltcup-Rennen im Cross-Country an. Mit dabei ist dann auch wieder der grosse Abwesende dieser EM, Nino Schurter. (sda)