EXPLOIT: Ersatzpferd springt in die Bresche

Mit dem zweiten Rang am Weltcupfinal in Omaha im US-Gliedstaat Nebraska springt nicht in erster Linie der Reiter Romain Duguet ins Rampenlicht – sondern die Franzosenstute Twentytwo des Biches.

Hans Leuenberger (sda)
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Romain Duguet: mit der Stute Twentytwo des Biches in Nebraska auf einem Höhenflug. (Bild: Nati Harnik/AP)

Romain Duguet: mit der Stute Twentytwo des Biches in Nebraska auf einem Höhenflug. (Bild: Nati Harnik/AP)

Hans Leuenberger (SDA)

Seit Romain Duguet für die Schweiz startet, ist der gebürtige Franzose ein fester Bestandteil der Schweizer Equipe. Seine Topleistungen waren allerdings stets mit dem Namen Quorida de Treho verbunden, so auch der Sieg im Grand Prix des CSIO St. Gallen 2015, die beiden Blankoritte auf dem Weg zu Teambronze an der EM in Aachen oder die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

«Ursprünglich war nicht geplant, dass ich mit Twentytwo an den Final fahre», sagt der 36-jährige Duguet. «Und bis kurz vor dem Final war ich nicht sicher, ob sie diesem strengen Programm gewachsen ist.» Doch die Tochter von Mylord Carthago verblüffte Tag für Tag mit ihrer ruhigen Art und meisterte alle ihr gestellten Aufgaben. Fünfmal ritt sie beim Höhepunkt der Winter­saison in Omaha durch den Parcours, fünfmal blieben alle Stangen oben. Die vier Punkte Handicap vor der Hauptprüfung am Sonntagabend resultierten nicht durch Fehler, sondern aus den Rängen der ersten zwei Wertungen vom Donnerstag und Freitag.

Eine Ausgangslage wie der Olympiasieger

Duguet hatte, als er dem Schweizer Equipenchef Andy Kistler die Jahresplanung 2017 abgab, noch ein anderes Szenario im Kopf gehabt. Er wollte den Weltcupfinal mit Quorida bestreiten und für das zweite grosse Championat in diesem Jahr, die EM in Göteborg, allenfalls auf Twentytwo setzen, sofern sich die zehnjährige Stute gut entwickelt. Seinen Plan änderte Duguet erst Ende Januar, als Quorida schwächelte. Twentytwo kam beim CSI Zürich und anschliessend in Abu Dhabi zum Einsatz und lieferte seinem Reiter Schritt für Schritt die Bestätigung, dass sie der mehrtägigen Prüfung in Omaha gewachsen sein würde.

Nun verfügt Duguet, wie Steve Guerdat, über mehrere Pfeile im Köcher, um sich für grosse Meisterschaften aufzudrängen. Seit Twentytwo des Biches fünf Jahre alt ist, steht sie auf der Anlage in Gümligen. Duguet führte sie behutsam an den ganz grossen Sport heran und feierte nun den bislang grössten Triumph der Zehnjährigen. «Am Weltcupfinal Zweiter zu werden ist genial», sagt der Reiter. «Das Gefühl ist grossartig. Das hätte ich nie erwartet. Ich wollte einfach den Tag geniessen. Ich hatte mir eine Klassierung unter den ersten zehn zum Ziel gesetzt, alles darüber hinaus betrachte ich als Bonus», sagte der 36-Jährige, der allein am Sonntag ein Preisgeld von rund 180 000 Franken einstrich.

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