EXPANSIONSKURS: Zwei Clubs, ein Eigentümer

Mehrfachbeteiligungen von Kapitalgesellschaften oder Privatpersonen an Fussball-Vereinen nehmen zu. Das erhöht die Gefahr von Interessenkonflikten. Prominentes Beispiel: Leipzig und Salzburg.

Adrian Lobe
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Red Bull Leipzig (oben, mit Emil Forsberg) und Red Bull Salzburg (mit Paulo Miranda) zählen beide auf den- selben Investor. Trotzdem dürfen beide Teams in der Champions League spielen. (Bilder: EPA/APA)

Red Bull Leipzig (oben, mit Emil Forsberg) und Red Bull Salzburg (mit Paulo Miranda) zählen beide auf den- selben Investor. Trotzdem dürfen beide Teams in der Champions League spielen. (Bilder: EPA/APA)

Adrian Lobe

In der kommenden Champions League könnten Leipzig und Salzburg aufeinandertreffen. Die Uefa hat vor wenigen Wochen grünes Licht gegeben und beide Clubs zum Wettbewerb zugelassen. Lange Zeit herrschte Unklarheit, ob die über den gemeinsamen Sponsor Red Bull verbundenen Vereine überhaupt ein Startrecht bekommen würden. Nach den Statuten der Uefa muss eine strikte Trennung zwischen allen teilnehmenden Teams bestehen. Artikel 5 des Reglements der Uefa Champions League legt fest, dass eine juristische oder natürliche Person, die an einem teilnehmenden Verein beteiligt ist, weder die Führung oder Verwaltung eines anderen teilnehmenden Vereins noch in irgendeiner Weise Kontrolle ausüben darf. Das Kontrollgremium der Uefa sah bei der Prüfung die Integrität des Wettbewerbs jedoch nicht verletzt. Beide Clubs seien hinreichend voneinander entflochten worden, hiess es zur Begründung.

Es gibt immer wieder Überlappungen

Doch bei genauer Betrachtung gibt es noch immer institutionelle Verflechtungen zwischen der RasenBallsport Leipzig GmbH und der Red Bull GmbH, die unter dem Namen «Team Global Soccer» firmiert. So berichtete bis vor kurzem der Geschäftsführer der RB Leipzig GmbH, Oliver Mintzlaff, der zugleich Head of Global Soccer war, an Investor und Sponsor Dietrich Mateschitz. Mintzlaff trat im April überraschend zurück. Mit möglichen Hindernissen für das Europacup-Startrecht habe der Rückzug nichts zu tun, betonte der Club, doch die zeitliche Koinzidenz mit dem laufenden Verfahren bei der Uefa spricht für sich. Auch wenn die Zuständigkeiten und Abteilungen beider Gesellschaften formal voneinander abgegrenzt sind, gibt es immer noch Überlappungen. Klar ist auch, dass Mäzen Mateschitz in der kommenden Champions-League-Saison zwei Eisen im Feuer hat.

Mehrfachbeteiligungen von Unternehmen oder Privatpersonen an Fussballclubs haben sich zuletzt gehäuft. So hat die AS Monaco im Mai den belgischen 2.-Liga-Club Cercle Brügge als Ausbildungsverein gekauft. Die City Football Group, die Muttergesellschaft von Manchester City, erwarb den uruguayischen 2.-Liga-Verein Club Atlético Torque. City Football Group ist bereits am Verein New York City, Melbourne City und dem J-League-Team Yokohama F Marinos in Japan beteiligt. Im März hatte Atlético Madrid, das mit Atlético de Kolkata in der Indian Super League ein eigenes Franchise betreibt, sein Portfolio um Atlético San Luis aus Mexiko erweitert. Fussballclubs sind auf globalem Expansionskurs. Atlético de Kolkata läuft in der indischen Liga in denselben Farben wie Atlético Madrid auf.

Doch je stärker die Verwobenheit zwischen den Holdings zunimmt, desto grösser ist auch die Gefahr für potenzielle Interessenkonflikte. Die britische Investmentgruppe Enic hielt Ende der 1990er-Jahre Beteiligungen an AEK Athen, Slavia Prag, dem FC Basel und Vicenza Calcio. Obwohl sportlich qualifiziert, wurde AEK Athen in der Saison 1998/99 aus dem Uefa-Cup ausgeschlossen, weil Slavia Prag in der Uefa-Rangliste höher platziert war. Enic wollte per einstweiliger Verfügung durchsetzen, dass beide Vereine antreten durften, scheiterte aber vor dem Inter­nationalen Sportgerichtshof (CAS).

2008 standen sich in der Zwischenrunde der Europa League, damals noch Uefa-Cup, Slavia Prag und Tottenham gegenüber, deren Präsident, Daniel Levy, zugleich Anteilseigner der Enic ist. Das Spiel konnte dennoch stattfinden. Auch Roman Abramowitschs beide «Spielzeuge» FC Chelsea und ZSKA Moskau durften 2004 in der Champions League starten. Das zeigt, dass das Reglement äusserst arbiträr und dehnbar ist – und unterschiedlich ausgelegt wird. Gut möglich, dass Mateschitz bald auf der Tribüne sitzt und seine beiden Teams in der Königsklasse gegeneinander spielen sieht.