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Eine Prise Bösartigkeit: Der EV Zug kann besser Playoff als der SC Bern

Der EV Zug schafft das Break und gewinnt das erste Spiel in Bern mit 4:1. Nun dürfte dieser Playoff-Final für die Zuger zu einem Intelligenztest werden.
Klaus Zaugg, Bern

Eine Szene erklärt uns die ganze heraufziehende Dramatik dieser Finalserie und die Problematik der Berner. Die nominell vierte Linie der Zuger kombiniert sich an den taumelnden Gegenspielern vorbei zum 2:1 (36. Minute) durch Yannick-Lennart Albrecht. Dieser Treffer ist eine Frage der Energie. Wer während der Saison klug die Belastung auf vier Linien verteilt und wer in den Playoffs vier Partien weniger in den Armen und Beinen hat, der ist frischer. Der SCB ist in seinem Tempel dominiert worden wie noch nie zuvor in einem Finale. Nach einem gerade noch überstandenen ersten Drittel mit 9:10 Torschüssen folgte die Demütigung mit 5:11 im zweiten und 4:11 Schüssen aufs Tor im dritten Drittel.

Die Zuger hatten das ganze erste Drittel gebraucht, um in die Gänge zu kommen und ihr Spiel zu justieren. In dieser intensiven Startphase wird noch über weiter Strecken konservatives SCB-Hockey gearbeitet und noch nicht nach moderner Zuger Art Hockey gespielt. Mit übervölkerter neutraler Zone, und ruckartigem Rhythmus wie Videos bei schlechter Internet-Verbindung. Daraus resultiert eine Führung für den SCB (1:0), die eine Option auf den Sieg hätte sein können. Die Berner haben im Halbfinale gegen Biel immer gewonnen, wenn sie den ersten Treffer erzielten.

Aber Zug ist nicht Biel. Nun zeigt sich: Biel war wohl doch nur eine Operetten-Version der Zuger. Leichtfüssig und schnell waren die Bieler und so brachten sie den SCB in Not. Die Zuger sind nicht nur schnell, sie sind vor allem auch robust. Ja, zum ersten Mal seit Menschengedenken ist der SCB im eigenen Stadion im Finale am Donnerstag auf einen Gegner getroffen, der härter, kräftiger, böser und zeitweise auch im Hockeysinne «hinterlistiger» war. Playoff ist ja im klassischen Sinne die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln. Darin war der SCB ein Meister. Und auch deshalb in den letzten Jahren so erfolgreich.

Nur ein Wunder hätte den SCB retten können

Aber am Donnerstag sind die Berner ab dem zweiten Drittel richtiggehend vorgeführt worden. Dass sie kein Mittel mehr gegen das Tempospiel gefunden haben, ist angesichts des unterschiedlichen Energiehaushaltes der beiden Teams logisch. Dass sie sich aber Unsportlichkeiten bieten liessen, die sie früher nie hingenommen haben, ist schon erstaunlich. Garrett Roe gibt kurz nach dem 2:1 nach einem von den sehr guten Schiedsrichtern auch geahndeten Beinstellen von Beat Gerber den «Neymar on Ice». Der grosse, böse, wahre, echte SCB hätte sich das nicht bieten lassen und man wäre handgreiflich geworden. Kaum zu glauben aber wahr: Zug kann besser Playoff als der SCB.

Nach dieser Szene war klar: nur noch ein Wunder kann diesen braven, gewöhnlichen SCB noch retten. Das Wunder geschah nicht. Denn für ein Wunder hätte es einen grossen, magischen Leonardo Genoni gebraucht. Und damit sind wir bei einem weiteren Punkt, der in dieser Serie noch eine zentrale Rolle spielen wird: Leonardo Genoni war bloss ein gewöhnlicher Torhüter mit einer ungenügenden Abwehrquote (90,32 Prozent). Der grosse Respekt vor den grandiosen Leistungen, die der WM-Silberheld schon vollbracht hat, gebietet uns, die drei ersten Treffer als «unhaltbar» zu bezeichnen. Wäre aber die Nummer 2 Pascal Caminada im Kasten gestanden, dann würde wir jetzt die Stirn runzeln und mit wichtiger Miene erklären, sowohl der ersten als auch der zweite Treffer hätte Leonardo Genoni möglicherweise mit einer «Hexenparade» verhindert. Zugs Tobias Stephan (Fangquote 94,44 Prozent) war nicht nur statistisch besser. Er war auch ruhiger, dominanter als der letzte Mann beim SCB.

Womit wir zu einer simplen Wahrheit kommen: der SCB hat nur noch eine Chance, wenn Leonardo Genoni beschliesst, ein Meistergoalie zu sein. Mit einem gewöhnlichen Genoni sind die Berner machtlos. Und für die Zuger wird dieses Finale nun zu einem Intelligenz-Test: sie haben das Tempo, die Energie, den Torhüter und die Prise Bösartigkeit, die es für einen Titel braucht. Sind sie nun auch clever (intelligent) genug, diese Vorteile zu nützen oder lassen sie sich zu Disziplinlosigkeiten hinreissen?


Playoff-Final

1. Runde (best of 7): Bern – Zug 1:4; Stand 0:1. – Zweites Spiel am Samstag in Zug.


Bern – Zug 1:4 (1:0, 0:2, 0:2)

16 557 Zuschauer. – SR Lemelin/Stricker, Kaderli/Wüst.

Tore: 12. Mursak (Moser, Arcobello/Ausschluss Alatalo) 1:0. 24. Flynn (Alatalo, Martschini) 1:1. 36. Albrecht (Zehnder) 1:2. 47. Roe (Martschini/Ausschluss Mursak) 1:3. 59. Everberg 1:4 (ins leere Tor).

Strafen: 7-mal 2 plus 5 Minuten (Almquist) plus Spieldauer (Almquist) gegen Bern, 7-mal 2 plus 10 Minuten (Everberg) gegen Zug.

Bern: Genoni; Krueger, Blum; Burren, Almquist; Untersander, Beat Gerber; Marti, Colin Gerber; Grassi, Mursak, Ebbett; Bieber, Arcobello, Moser; Sciaroni, Heim, Scherwey; Berger, Brügger, Kämpf.

Zug: Stephan; Diaz, Morant; Schlumpf, Zgraggen; Thiry, Alatalo; Zryd; Klingberg, Roe, Everberg; Martschini, Flynn, Suri; Lammer, Senteler, Simion; Leuenberger, Albrecht, Zehnder; Schnyder.

Bemerkungen: Bern ohne Rüfenacht (abwesend/private Gründe), Haas, Kamerzin, Andersson (alle verletzt) und Boychuk, Zug ohne McIntyre (beide überzählige Ausländer). Lattenschuss Mursak (45.). Suri verletzt ausgeschieden (48.). Time-out Bern (58:02), Bern von 58:10 bis 58:35 ohne Torhüter.

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