Im Staate ZSC Lions ist eine neue Verfassung verankert

Der schwedische Trainer Rikard Grönborg hat die Mentalität der ZSC Lions erfolgreich verändert.

Klaus Zaugg
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Der schwedische ZSC-Trainer Rikard Grönborg hat den Zürchern eine andere Mentalität eingeimpft.

Der schwedische ZSC-Trainer Rikard Grönborg hat den Zürchern eine andere Mentalität eingeimpft.

Bild: Daniela Frutiger/freshfocus (Zürich, 5. Januar 2020)

Vor einem Jahr haben die ZSC Lions Trainer Serge Aubin gefeuert und durch Arno Del Curto ersetzt. Im letzten Spiel verpasste der Titelverteidiger die Playoffs. Was uns zur Schlussfolgerung verleitet: Es liegt nicht am Trainer. Oder vielleicht doch? Inzwischen führen die Zürcher die Tabelle an. Die Mannschaft ist nicht talentierter geworden. Mag sein, dass die Ausländerpositionen besser besetzt sind. Aber bei den zwei Siegen (zweimal 6:1) gegen die SCL Tigers fehlten soeben mit Garrett Roe und Marcus Krüger die zwei neuen Ausländer.

Die ZSC Lions, die jetzt wieder ein Spitzenteam geworden sind, unterscheiden sich kaum zu den ZSC Lions, die im letzten Frühjahr eine der grössten Misserfolge seit der Gründung zu verarbeiten hatten. Aber sie haben einen neuen Trainer: Rikard Grönborg (51). Es liegt eben doch am Trainer.

Seine DNA ist amerikanisch geprägt

Tatsächlich ist Rikard Grönborg der Architekt der ZSC-Renaissance. Der Schwede ist eigentlich kein Schwede. Seine Hockey-DNA ist durch eine langjährige Tätigkeit als Trainer und Teammanager im amerikanischen Universitäts- und Junioren-Hockey mitgeprägt worden. 2006 kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete als Verbandstrainer auf allen Stufen. Zuletzt hat er als Nationaltrainer zweimal den WM-Titel geholt. Also nicht ein schwedischer Trainer. Eher ein Welttrainer. Ihm fehlt die Arroganz seiner bei den ZSC Lions gescheiterten Landsleute Hans Wallson und Lars Johansson, die beide zuvor nie im Ausland gearbeitet hatten und weder fähig noch willens waren, auf die Besonderheiten unserer Hockeykultur einzugehen.

Rikard Grönborg hat in den USA einen Master in «Leadership» gemacht. Er kennt also auch die theoretischen Grundlagen der Führungskunst. Aber eigentlich ist er ein Naturtalent und erinnert in seinem Auftreten an Ralph Krueger. Auch er ist ein charismatischer Typ. Er lehrt das moderne, gut strukturierte Lauf- und Tempohockey – wie etwa Zugs Trainer Dan Tangnes. Der 51-Jährige unterscheidet sich von seinen Vorgängern in einem der schwierigsten Trainerjobs Europas nicht in erster Linie durch seine taktisch-spielerischen Lehren. Eher durch die Art, wie er mit dem Personal umgeht. Wie er klassisch amerikanisches Autoritätsdenken mit dem skandinavischen und schweizerischen Verständnis des Mitdenkens und der Mitverantwortung kombiniert. Mit den Spielern hat er einen Verhaltenskodex erarbeitet. Die so genannte «Foundation of Succes» (Grundlage des Erfolges). So etwas wie die neue Verfassung im Staate ZSC Lions. Sie ist von jedem einzelnen Spieler unterschrieben worden. So fällt es dem Trainer leichter, «verfassungsgerechtes» Verhalten anzumahnen. Und selbst beim System und der Taktik durften die Spieler mitreden.

Zürcher «beissen» mehr als früher

Der neue Trainer hat also im Hallenstadion nicht so sehr das Hockey neu erfunden. Aber er ist drauf und dran, eine neue Leistungskultur aufzubauen und die Mentalität zu verändern. Es gibt keinen fundamentalen taktischen Unterschied zum Spiel im Januar 2019. Die ZSC Lions neigten aber in der Qualifikation oft dazu, sich auf ihre spielerische Überlegenheit zu verlassen. So wirkten die Auftritte der Zürcher pomadig. Davon kann keine Rede mehr sein: Die Art und Weise, wie die ZSC Lions zuletzt zweimal auswärts einen Gegner nach Rückstand in der Verlängerung «niedergerungen» haben (in Ambri und Davos), ist beeindruckend. Und die beiden letzten Siege gegen die SCL Tigers (zweimal 6:1) waren mehr dem «Biss» als der spielerischen Überlegenheit geschuldet. Das sind doch schon mal gute Aussichten für die Playoffs.