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Das Final-Tagebuch von Reto Suri: So erlebt ein Eishockey-Profi die Playoffs

Wie erlebt ein Profi die Playoffs, die schönste, aber auch anstrengendste Zeit seines Sportlerjahres? Der Zuger Stürmer Reto Suri gewährt in seinem Tagebuch einen Einblick in seinen Alltag.
Sven Aregger
Für den EV Zug am Puck: Reto Suri. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 4. April 2019)

Für den EV Zug am Puck: Reto Suri. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 4. April 2019)


Sonntag, 7. April

Da wir uns gegen Lausanne mit einem 4:1 in der Serie frühzeitig für den Final qualifiziert hatten, genossen wir einen freien Tag. Ich habe bis 10 Uhr geschlafen, eine Stunde später bin ich mit der bald sieben Monate alter Tochter Alessia an die frische Luft gegangen. Ich versuche generell, möglichst viel Zeit mit dem Mädchen zu verbringen. Nach dem Mittagessen besuchten meine Frau Daria, Alessia und ich in Kloten meine Schwester, die das Gotti von Alessia ist. Auch meine Eltern und die Grosseltern waren dort. Bei einem gemeinsamen Nachtessen erlebten wir einen gemütlichen Abend. Was die Ernährung betrifft, bin ich unkompliziert. Auswärts esse ich, was auf den Tisch kommt. Ausserdem weiss ich, dass meine Familie immer etwas Gutes und Gesundes kocht. Vieles drehte sich an diesem Tag um Alessia. Klar war auch Eishockey ein Thema, aber für mich war es wichtig, etwas Abstand zu gewinnen. Meine Grosseltern verfolgen meine Karriere und das Hockey immer noch rege, vor allem über die Zeitungen und den Teletext. Und jetzt in den Playoffs können sie die Spiele auch im öffentlichen Fernsehen schauen, aber aufgrund ihres Alters liegt eine ganze Partie meist nicht mehr drin.


Montag, 8. April

Kurz vor 8 Uhr war Tagwache. Nach dem ersten Schoppen am frühen Morgen schlief Alessia noch, als ich aufstand. Ich frühstückte und traf um 9 Uhr in der Bossard-Arena ein. Vor der Einheit der ganzen Mannschaft können wir das Eis jeweils für individuelles Training nutzen. Ich startete mit Kraftübungen, die auf Speed ausgerichtet waren. Danach absolvierte ich eine halbe Stunde lang Schiessübungen auf dem Eis: Direktabnahmen, Schüsse aus dem Handgelenk, aus dem Lauf, mit Täuschungen, aus speziellen Positionen. Assistenztrainer Josh Holden und Special-Coach Paul DiPietro haben für uns Stürmer immer gute Ideen bereit. Bevor es mit dem Team nochmals eine gute Stunde auf Eis ging, hatten wir um 10.45 Uhr ein Meeting mit den Coaches. Es ging darum, was wir an unserem System noch verbessern können und wie wir im Final auftreten wollen. Wir konzentrierten uns ausschliesslich auf unser Spiel, weil wir noch nicht wussten, wer unser Gegner sein wird. Später stand noch ein intensives Intervall-Training auf dem Programm, um das Herz richtig in Schwung zu bringen. Als ich nach Hause kam, war Alessia gerade vom Mittagschlaf aufgewacht. Meine Frau machte sich auf den Weg zur Arbeit, sie ist in einem Treuhand-Unternehmen tätig. Ich habe Alessia Brei gegeben, dann machten wir einen Spaziergang und kauften Lebensmittel fürs Nachtessen. Meine Frau kochte für uns, als sie nach Hause kam. Um 20 Uhr schläft Alessia meist, um 22.30 Uhr gibt es einen letzten Schoppen. Kurz darauf gehen wir auch ins Bett. Unser Glück ist, dass das Mädchen ziemlich gut durchschläft. So sind die Nächte geruhsam.


Dienstag, 9. April

Ich stand um die gleiche Zeit auf wie am Montag, war wiederum um 9 Uhr in der Halle. Dort absolvierte ich einen Off-Ice-Kraftblock und erneut ein freiwilliges Eistraining mit Schussübungen, bevor die Einheit mit der Mannschaft folgte. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und noch einmal ins Schiessen investieren, denn während der Final-Serie wird das individuelle Training kein grosses Thema mehr sein. Nach dem Mittagessen zu Hause übernahm ich wieder die Tochter. Ich spazierte mit Alessia in die Stadt, um Einkäufe für unsere Gäste am Abend zu erledigen. Die Teamkollegen Sandro Aeschlimann und Dominic Lammer mit seiner zukünftigen Frau kamen zu Besuch. Wir grillierten und schauten uns danach das siebte Halbfinalspiel zwischen Bern und Biel an. Dominic Lammer kenne ich bereits aus gemeinsamen Zeiten bei Kloten. Jetzt spielen wir in Zug die siebte Saison zusammen, im Bus zu den Auswärtsspielen sitzen wir nebeneinander. Speziell ist, dass wir beide auf die nächste Saison zum HC Lugano wechseln. Ich habe mich früher für diesen Schritt entschieden als Dominic und wusste, dass er noch andere Optionen hatte. Ich wollte keinen Einfluss nehmen auf seinen Entscheid – Freundschaft hin oder her. Letztlich muss jeder das machen, was er für seine Karriere als sinnvoll erachtet. Aber natürlich freue ich mich, dass Dominic auch nach Lugano kommen wird.


Mittwoch, 10. April

Die Trainings- und Spieltage sind mit gewissen Routinen verbunden. Einmal mehr nutzte ich die Zeit für individuelle Übungen auf dem Eis. Im anschliessenden Mannschaftstraining haben wir uns mit Gegner Bern befasst. Wir werden im Final auf den grossen Bruder von Lausanne treffen. Die beiden Teams spielen ein ähnliches System, sie versuchen, die neutrale Zone möglichst eng zu machen – mit dem Unterschied, dass Bern über mehr individuelle Klasse verfügt als Lausanne. Inklusive Cup haben wir in dieser Saison schon fünfmal gegeneinander gespielt. Wir wissen, was uns erwartet, grosse Geheimnisse gibt es nicht. Als Bern als Gegner feststand, spürte ich ein Kribbeln. Die Körperspannung baute sich sofort wieder auf, was auch wichtig ist. Nach dem Training gab ich ein TV-Interview. Ich reisse mich nicht um solche Medientermine, aber sie fallen mir relativ leicht. Den Kontakt zwischen Medien und Sportlern sehe ich als Partnerschaft. Wenn man sich gegenseitig respektiert, können alle davon profitieren. Bei einem Spaziergang am Nachmittag traf ich zufällig einen Kollegen aus dem privaten Umfeld. Wir beschlossen spontan, zusammen einen Kaffee zu trinken. Am Vorabend erledigten meine Frau und ich noch ein paar Einkäufe für Alessia, dann gab es das Nachtessen. Das Kochen muss ich mehrheitlich Daria überlassen – sie macht das viel besser als ich. Vor dem ersten Final-Spiel ging ich nicht früher ins Bett, ich will meinen Rhythmus beibehalten. Aber ich schlafe vor Partien etwas länger, es sind jeweils neun bis neuneinhalb Stunden. So fühle ich mich gut erholt und bereit für den Kampf.


Donnerstag, 11. April

Ich stand kurz vor 9 Uhr auf und war um 9.30 Uhr in der Garderobe. Ich stellte das Material für das Spiel bereit und isolierte meine Stöcke. Wie immer an Spieltagen gab es ein Fussball-Tennis mit Lino Martschini, Santeri Alatalo und Fabian Schnyder – entweder Best of 5 oder Best of 7. Alles ist improvisiert, mit Fabians Velo spannen wir eine Schnur, die als Netz dient. Das Verliererteam muss ein Warm-up machen, ich gehörte dieses Mal zu den Unterlegenen. Jeweils um 10.30 Uhr ist die Mannschaftsbesprechung, anschliessend verzichtete ich aufs freiwillige Eistraining, weil ich mir die Energie für den Abend sparen wollte. Am Mittag gab es – wie gewöhnlich an Spieltagen – in der Stadionbar ein Buffet. Danach legte ich mich daheim nochmals eineinhalb Stunden hin. Bevor kurz vor 16 Uhr die Abfahrt erfolgte, hatten wir noch ein Powerplay-Meeting. Im Bus schaute ich mir einige NHL-Highlights an. Dann endlich ging es los mit dem Final. Am Anfang fehlte uns der Rhythmus, aber je länger die Partie dauerte, desto besser konnten wir das Tempo diktieren. Das Spiel kippte verdient zu unseren Gunsten. Zur Aktion in der 49. Minute will ich nicht viel sagen, die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Ich habe meine Meinung dazu, aber die gehört nicht an die Öffentlichkeit. Als wir nach dem Sieg zurück in Zug waren, musste ich um 1.15 Uhr notfallmässig zum Zahnarzt, damit ich danach einigermassen ruhig schlafen konnte.


Freitag, 12. April

Um 9 Uhr folgte schon der nächste Zahnarzttermin. Drei bis vier Zähne mussten fixiert werden, eine Schaufel war kaputt. Schon vor den Playoffs, als ich gegen Ambri-Piotta eine Scheibe ins Gesicht bekommen hatte, wurde eine Schaufel beschädigt. Die Zähne sind nun geflickt. Nach dem Besuch beim Zahnarzt schaute ich in der Halle bei den Jungs vorbei und begab mich noch in die Physiotherapie. Am Nachmittag wurde ich von den Klubärzten untersucht. Mit meiner Frau und der Tochter ging ich dann noch an die frische Luft. Es geht mir den Umständen entsprechend gut, die Schmerzen halten sich in Grenzen. Ich bin dankbar, dass es mich nicht schlimmer erwischt hat. Nun muss ich abwarten, wie sich meine Genesung entwickelt. Aber ich hoffe, dass ich im Final noch das eine oder andere Spiel bestreiten kann.

Hinweis

Der Zürcher Reto Suri (30) spielte als Flügel auf höchstem Niveau für die Kloten Flyers (2007 bis 2008), Genève-Servette (2008 bis 2010), die Rapperswil-Jona Lakers (2010 bis 2012) und den EV Zug (seit 2012). Im Sommer wechselt er nach Lugano, wo der 87-fache Nationalspieler einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat.

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