Interview

EVZ-Stürmer Lino Martschini: «Wir machten Bern das Leben einfach»

Der EV Zug liegt in der Playoff-Finalserie gegen den SC Bern mit 1:2 zurück. Vor dem heutigen Heimspiel (20 Uhr, SRF 2) sagt Stürmer Lino Martschini, was zuletzt schiefgelaufen ist und warum er an die Wende glaubt.

Sven Aregger
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EVZ-Stürmer Lino Martschini will am Donnerstag die richtige Antwort geben. Bild: Melanie Duchène/Keystone (Bern, 11 April 2019)

EVZ-Stürmer Lino Martschini will am Donnerstag die richtige Antwort geben. Bild: Melanie Duchène/Keystone (Bern, 11 April 2019)

Der EV Zug wirkte bei der 1:4-Niederlage in Bern ratlos und gehemmt. Täuscht der Eindruck?

Lino Martschini: Nein, er täuscht nicht. Wir haben an diesem Abend nicht unser wahres Gesicht gezeigt. Warum das so war, kann ich mir nicht erklären. Nach dem missratenen Startdrittel versuchten wir, das Spiel zu unseren Gunsten zu drehen. Aber es war nicht möglich, wir haben zu wenige Duelle gewonnen, wir kamen zu selten vor das gegnerische Tor, wir hatten kaum gefährliche Aktionen. Kurzum: Wir machten den Bernern das Leben ziemlich einfach. Jetzt liegt es an uns, das zu korrigieren.

Es war eine verkehrte Welt: Eigentlich ist der EV Zug bekannt für sein Tempohockey. Doch am Dienstag drückte vor allem eine Mannschaft aufs Gas: der SC Bern. Wie konnte das passieren?

Wir haben viele Konter zugelassen, was untypisch für uns ist. Kommt hinzu, dass wir die Laufduelle verloren und uns ungenügend aus der defensiven Zone lösten. Wir mussten der Scheibe hinterherlaufen, eine schlechte Entscheidung führte zur nächsten. Deshalb konnten wir dem SCB nie unser Spiel aufzwingen.

Haben die unnötigen Strafen in der offensiven Zone damit zu tun, dass Zug immer einen Schritt zu spät war?

Das ist eine gute Erklärung. Allein im ersten Drittel liessen wir vier Kontersituationen zu, in denen es ein Verteidiger mit zwei Angreifern aufnehmen musste. Zum Vergleich: In der ganzen Viertel­finalserie gegen Lugano sind wir nur einmal in eine solche Lage geraten. Die defensiven Pflichten beginnen beim Forechecking. Wenn die Stürmer nicht richtig zurückarbeiten, entsteht ein Domino­effekt. Dann kann es zu einem Stockeinsatz kommen, der in einer Strafe mündet.

Auch beim Erarbeiten von Chancen bekundete Zug grosse Mühe. Was macht es gegen Bern so schwierig?

Um den SCB besiegen zu können, müssen wir dorthin gehen, wo es gefährlich wird: vor das Tor. Das haben wir nicht geschafft, allerdings versuchten wir es auch nicht konsequent. Im letzten Drittel waren wir zwar oft in Scheibenbesitz, aber wir spielten nur der Bande entlang.

Dazu passt die Aussage von Ihrem Teamkollegen Dennis Everberg. Er sagte, Zug habe zu weich gespielt.

Stimmt. Härte ist ja nicht immer mit knackigen Checks gleichzusetzen. Es geht auch darum, die Duelle zu gewinnen und sich vor dem Tor zu etablieren.

Der EVZ liegt in den laufenden Playoffs nun erstmals in einer Serie im Rückstand. Wenn er das nächste Spiel nicht gewinnt, ist Bern nahe am Titel. Spüren Sie Druck?

Nein, unsere Mannschaft denkt nicht so. Wenn uns jemand vor ein paar Wochen gesagt hätte, dass wir im Final im vierten Spiel zu Hause ausgleichen können, hätten wir das unterschrieben.

Ist es nun vor allem eine Kopfsache?

Ja, es ist eine mentale Geschichte.

Und auch eine Reifeprüfung?

Definitiv. Entscheidend wird sein, welche Reaktion wir zeigen, mit welcher Körpersprache wir auftreten.

Wie hakt man ein schlechtes Spiel möglichst schnell ab?

Da hat jeder seine eigenen Methoden. Vor dem Training am Mittwoch haben wir mit den Coaches noch einmal über die Partie gesprochen und uns einzelne Szenen auf Video angeschaut. Aber dann sagten wir uns, dass wir uns komplett auf die nächsten Aufgaben konzentrieren wollen. Was passiert ist, ist passiert. Es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Wie will der EV Zug die Wende bewerkstelligen?

Wir haben auf Rückschläge immer die richtige Antwort gegeben und wissen, dass wir in dieser Saison schon viel Gutes geleistet haben. Wieso sollte es nun nicht auch wieder funktionieren? Wir haben nach wie vor grosses Vertrauen in unsere Fähigkeiten und wollen im Heimspiel am Donnerstag selbstbewusst auftreten.