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Europas NBA-Altmeister Dirk Nowitzki sagt Ade

Mit dem Rücktritt Dirk Nowitzkis verliert die NBA eine ihrer wichtigsten internationalen Attraktionen. Dem «German Wunderkind» wird in Dallas ein emotionaler Abschied bereitet.
Nicola Berger
Winkt «Goodbye»: Basketballstar Dirk Nowitzki. (Bild: Larry W. Smith/EPA, Dallas, 9. April 2019)

Winkt «Goodbye»: Basketballstar Dirk Nowitzki. (Bild: Larry W. Smith/EPA, Dallas, 9. April 2019)

«One! More! Year!», so hallt es Dienstagnacht durch die American Airlines Arena. Es ist ein letzter, fast rührender Versuch des Anhangs der Dallas Mavericks, Dirk Nowitzki zum Weitermachen zu bewegen. Doch die Entscheidung des «German Wunderkind» ist gefallen, Nowitzki tritt mit 40 Jahren zurück, sein lädierter Fuss hält den Belastungen einer NBA-Saison nicht mehr stand. Per Stadionmikrofon sagt er: «Ihr habt es ja wahrscheinlich schon geahnt, aber das ist mein letztes Heimspiel.»

Der Teambesitzer Mark Cuban, ein extrovertierter Milliardär, hatte prophylaktisch den Ratschlag erteilt, die Besucher sollten «ganz viele Taschentücher mitbringen». Er sollte recht behalten. Nowitzki kämpfte mit den Tränen, viele Zuschauer ebenfalls, das Publikum huldigte ihm minutenlang. Über hundert Mitarbeiter der Mave­ricks standen Spalier, um ein letztes Mal mit Nowitzki abklatschen zu können.

Ins Rampenlicht zu drängen, ist nicht sein Stil

Mit Nowitzki tritt ein ganz ­Grosser ab. Körperlich sowieso, 213 cm, aber vor allem natürlich sportlich: Er ist der vermutlich beste und wichtigste europäische Basketballer der NBA-Geschichte, gewürdigt mit Schiffsladungen an Auszeichnungen. 2007 wurde er als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet, er stand 14-mal im All-Star-Game, 2011 führte er die Mavericks zum Titel. Seinem Klub blieb er immer treu, 21 Jahre lang, er verzichtete auf eine Menge Geld, um das Team um sich herum kompetitiv zu halten. Im modernen Profisport ist eine solche Einstellung ein so rares Gut, dass es ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Deutschen ist. Am Dienstag waren seine Schuhe mit dem Wort «Loyalty» bestickt. Die Organisation wird ihn mit einer Statue vor den Toren des Stadions ehren, «die grösste aller Zeiten», wie Cuban sagte, der offenbar in die Zukunft sehen kann.

Sein Adieu gestaltete Nowitzki so unprätentiös wie möglich. Er verzichtete auf eine Abschiedstour, wie sie zum Beispiel Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers im Jahr 2016 absolviert hatte, der bei jedem Spiel im Fokus stand, monatelang. Inmitten einer, rein sportlich gesehen, weiteren verlorenen Saison, der dritten in Folge ohne Playoff-Teilnahme, wollte Nowitzki sich nicht ins Rampenlicht drängen, es wäre nicht sein Stil gewesen.

Der Deutsche war zuletzt vor allem ein Ergänzungsspieler gewesen, sein Körper liess nicht mehr zu. Doch er kümmerte sich als Mentor um jenen Mann, dem in Dallas die Zukunft gehört: Luka Doncic, ein hoch veranlagter 20-jähriger Serbe, bis im Vorjahr noch bei Real Madrid engagiert. Zusammen mit dem derzeit verletzten Letten Kristaps Porzingis soll Doncic die Mavericks zurück in jene Sphären führen, die das Team nur dann erreichte, als Nowitzki in der Blüte seines Schaffens stand.

Glace und Pizza zum Frühstück

Es ist nicht ganz klar, was die Zukunft für Nowitzki bereithalten wird. Er sagte, er freue sich auf ein neues Leben und werde «gleich am Donnerstag Glace und Pizza zum Frühstück zu essen». Es ist einer der Gründe für Nowitzkis fast universelle Popularität: Bei allem Starkult, all dem Ruhm und Geld, ist er nie abgehoben. Wer alleine in der NBA mehr als 250 Millionen Dollar verdient hat und sich nichts mehr als eine Pizza herbeisehnt, hat die Fähigkeit, sich an den kleinen Vergnügungen des Lebens zu erfreuen, nicht verloren.

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