Europacup
Die Young Boys geben einen 3:0-Vorsprung preis, siegen aber doch noch 4:3

Die Berner reisen dank einem Tor von Jordan Siebatcheu in der 89. Minute mit einem hauchdünnem Vorsprung zum Rückspiel im Sechzehntelfinal der Europa League nach Leverkusen. Sie kämpfen bei der siebten Teilnahme um den erstmaligen Einzug in die Achtelfinals.

Markus Brütsch
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Jordan Siebatcheu erzielt den vielbejubelten Siegtreffer für YB. Leverkusens Goalie Niklas Lomb streckt sich vergeblich.

Jordan Siebatcheu erzielt den vielbejubelten Siegtreffer für YB. Leverkusens Goalie Niklas Lomb streckt sich vergeblich.

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In einem atemberaubenden Spiel besiegen die Young Boys den deutschen Bundesligaklub Bayer Leverkusen 4:3. Sie führen bei Halbzeit 3:0, lassen dann aber drei Tore zum 3:3 zu und behalten schliesslich durch Jordan Siebatcheus Treffer zum 4:3 eine Minute vor Schluss doch noch das glückliche Ende für sich. Die Chancen, dass sich der Schweizer Meister bei seiner siebten Teilnahme an der Europa League am nächsten Donnerstag erstmals für die Achtelfinals qualifiziert, sind damit intakt.

Allerdings reisen sie mit einem nur hauchdünnen Vorsprung nach Nordrhein-Westfalen und müssen schon sehr gut spielen und vor allem verteidigen, wollen sie ihn in der BayArena zum Weiterkommen nützen. Es wäre im fünften Anlauf das erste Mal, dass sie gegen einen Bundesligisten ein Duell mit Hin- und Rückspiel für sich entscheiden. «Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Leverkusen, obwohl wir ein 3:0 verspielten», sagte YB-Captain Fabian Lustenberger. «Vielleicht haben wir nach dem 3:0 im Unterbewusstsein etwas zu wenig gemacht, ein paar Prozent weniger gegeben», sagte Aufbauer Christian Fassnacht, «aber ich bin froh, dass wir den Tritt wieder gefunden haben.»

Weil die Young Boys in der Super League – sie führen mit 16 Punkten Vorsprung auf Basel die Tabelle an – oft nicht so richtig gefordert werden, war mit grosser Spannung erwartet worden, wie sie sich gegen einen Spitzenklub aus der Bundesliga schlagen würden. Einen, der jedoch von den letzten neun Meisterschaftsspielen fünf verloren hatte.

YB bestand die Prüfung - allerdings mit happigen Abzügen. Anders als im mit 0:3 verlorenen Playoff-Spiel zur Champions League gegen Midtjylland waren die Berner parat, ja mehr als das. Sie zeigten bis zur Pause eine Klasseleistung. Natürlich hatten sie den Vorteil, sich im Gegensatz zu den Deutschen mit dem Spiel auf Kunstrasen auszukennen. Doch die Tore zum 1:0 und 2:0 hatten nichts damit zu tun, denn sie wurden jeweils nach Cornerflanken von Michel Aebischer durch einen Volley von Fassnacht und einen Kopfball von Siebatcheu erzielt. Beim 3:0 profitierte Meschack Elia dann von einem Fehler des früheren Basler Verteidigers Aleksandar Dragovic.

Die Partie erinnerte an das Qualifikationsspiel zur Champions League 2010 gegen Tottenham, als YB nach 28 Minuten 3:0 führte. Kamen die Engländer damals nur noch auf 2:3 heran, so schafften die Deutschen nun zwischenzeitlich gar ein 3:3.

Taktische Umstellung mit grossem Effekt

Was eine taktische Umstellung bewirken kann, wurde im Wankdorf nach der Pause klar. Leverkusens Trainer Peter Bosz stellte auf ein System mit einer Dreierkette um – und danach stand eine andere Bayer-Mannschaft auf dem Platz. Plötzlich war Leben in ihrem Spiel, die Berner wurden früh gepresst und der Tscheche Patrik Schick sorgte mit einem Doppelschlag dafür, dass die Gäste wieder im Spiel waren. Nachdem Joker Moussa Diaby dann auch noch den Ausgleich erzielte, schienen den Gelb-Schwarzen die Felle davon zu schwimmen. Bayer war nun dem 4:3 näher als YB, doch es war halt eben Siebatcheu, dem nach einem Abpraller der Siegtreffer gelang. «Vor der Pause war bei uns alles schlecht», sagte Bosz, der so angefressen war, dass ihn auch die Leistungssteigerung nicht mehr versöhnlich stimmte.

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