Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

EURO 2016: Polens Stehaufmännchen

Als die EM in Polen und der Ukraine stattfand, waren die Häuserwände in Warschau mit Jakub-Blaszczykowski- Werbeplakaten tapeziert, dann begann der Abstieg des Polen. An der EM in Frankreich blüht der 30-Jährige wieder auf.
Daniel Theweleit
Bild: DANIEL THEWELEIT

Bild: DANIEL THEWELEIT

FUSSBALL. Island ist mit der Viertelfinalqualifikation eine Sensation gelungen. Ansonsten aber blieben Überraschungen an dieser EM in Frankreich weitgehend aus. Um eine weitere, unerwartete Facette ausfindig zu machen, muss man etwas genauer hinsehen, zum Beispiel auf die Liste der besten Torschützen. Dort taucht auf den ersten Plätzen kein einziger Spieler aus der Bundesliga auf. Der treffsicherste Akteur, der bei einem deutschen Club unter Vertrag steht, ist Jakub Blaszczykowski von Dortmund, den alle nur «Kuba» nennen. Und der war in der vergangenen Saison auch noch an die AC Fiorentina ausgeliehen.

Das ist, nebst den Isländern, eine der Sensationen des bisherigen Turniers, denn in Blaszczykowskis Team spielt auch Robert Lewandowski, der vielleicht beste Stürmer Europas, der aber noch an keinem Treffer beteiligt war. Blaszczykowski hingegen hat zwei der drei polnischen EM-Tore selbst erzielt, das dritte hat er vorbereitet und im Penaltyschiessen gegen die Schweiz traf er auch.

Viele wunde Punkte

Seine EM-Wochen fühlen sich einerseits süss und erfolgreich an, andererseits gibt es auch viele wunde Punkte in seinem Fussballerleben. Man muss nur die verbissene Vehemenz seines Jubels betrachten, um zu erahnen, was für Spannungen sich da entladen. Denn der 30-Jährige hat einen stetigen Abstieg hinter sich, vom Gesicht der EM 2012 zu einem Mitläufer, der fürchten musste, gar nicht dabei zu sein beim laufenden Turnier. Als die EM vor vier Jahren in Polen und der Ukraine stattfand, waren die Häuserwände in Warschau mit grossen Blaszczykowski-Werbeplakaten tapeziert. Er war Captain des Gastgebers, die strahlende Figur im Mittelpunkt einer Mannschaft, die dann allerdings am Druck der Gastgeberrolle zerbrach. Polen blieb ohne Sieg, schied in der Vorrunde aus und der Absturz von Blaszczykowski begann. Im ersten Jahr erreichte er mit Dortmund noch den Champions-League-Final, im zweiten Riss ihm gleich zum Start der Rückrunde das vordere Kreuzband im rechten Knie, im dritten Jahr funktionierte Dortmund nicht mehr. Dann kam Trainer Thomas Tuchel und Blaszczykowski wurde nach Florenz ausgeliehen, wo er nur fünf Partien über 90 Minuten absolvieren durfte.

Zugleich, und das machte diesen langsamen Niedergang umso schmerzhafter, ist sein grosser Rivale Lewandowski zu einem der besten Stürmer der Welt gereift. Das Verhältnis der beiden war schon immer schwierig, «es ist kein Geheimnis, dass wir nicht auf einer Wellenlänge sind. Wir haben keinen Kontakt, jeder geht seinen eigenen Weg», schrieb Blaszczykowski in seiner 2015 erschienenen Autobiographie «Kuba». Dieses Buch ist nicht nur wegen solcher Details interessant, es geht tiefer, als die üblichen mit Anekdötchen und Problemchen des Profialltags angereicherten Fussballerbiographien. Blaszczykowski hat wirklich etwas zu erzählen.

Das Trauma aus der Kindheit

Als er zehnjährig war, ist ihm das grausamste Unglück widerfahren, das ein Kind treffen kann. Er musste mit ansehen, wie sein Vater seine Mutter erstach. Lange konnte er nicht darüber sprechen, erst als die Geschichte vor der EM vor vier Jahren immer häufiger in den Medien auftauchte, beschloss er, in einem TV-Interview von seiner traumatischen Kindheit zu erzählen. «Es hat gedauert, bis ich akzeptiert habe, dass dieses Ereignis zu meinem Leben gehört», sagte er. In seinem Buch schildert Blaszczykowski, wie er mit seinen Geschwistern bei der Grossmutter aufwuchs, wie er alles in sich hineinfrass und von Selbstzweifeln gequält wurde. «Es ist schwer, wenn du solche Erinnerungen im Kopf hast, aber es bleibt dir keine Wahl», hat er einmal gesagt. «Ich glaube, dass mir der Fussball geholfen hat, meine Emotionen zu zeigen. Der Fussball war meine erste Liebe.»

Wohl keine Rückkehr

Eine Liebe, die nun in Frankreich aufblüht und die ihn – wenn es nach Blaszczykowski ginge – wieder zurück nach Dortmund führen würde, wo er noch einen Vertrag bis 2018 hat. Dass sein Leihvertrag in Florenz nicht verlängert wird, sei klar, hat sein Berater Wolfgang Vöge kürzlich bestätigt. Bislang habe es keinen Kontakt mit den Dortmundern gegeben. Diese haben allerdings die beiden Talente Emre Mor und Ousmane Dembele für Blaszczykowskis Position auf dem rechten Flügel verpflichtet, eine Rückkehr ist daher unwahrscheinlich. Aber nach dieser EM wird es dem Polen nicht an Angeboten mangeln.

Alle EM-Infos auf unserem Special www.tagblatt.ch/euro2016

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.