FCSG-Trainer Zeidler nach dem 1:3 gegen Thun: «Wir müssen cleverer sein»

St.Gallen bleibt dem Hinrunden-Muster treu: Nach zwei Spielen ohne Niederlage folgt der Dämpfer. Beim 1:3 gegen Thun zeigt es sich zu wenig gefestigt. Ein Manko, an dem man arbeite, so Trainer Peter Zeidler.

Ralf Streule
Drucken
Teilen
St.Gallens Débutant Victor Ruiz im Kampf um den Ball gegen den Thuner Captain Stefan Glarner. (Bild: Eddy Risch/KEY)

St.Gallens Débutant Victor Ruiz im Kampf um den Ball gegen den Thuner Captain Stefan Glarner. (Bild: Eddy Risch/KEY)

Am besten lässt sich das Spiel vom Samstagabend vielleicht mit einem Kampf im Sägemehl vergleichen. Auf der einen Seite der Schwinger mit der grün-weissen Zwilchhose, immer aktiv, immer angriffig. Er hüpft, reisst, tänzelt. Auf der anderen Seite der Mann mit der roten Hose, der Thuner, der geduldig wartet. Bis ihm irgendwann das Gehüpfe und Gereisse zu bunt wird. Der Berner Oberländer entscheidet sich für einen sauberen Brienzer. Der St.Galler liegt urplötzlich auf dem Rücken und denkt benommen: Hoppla. Verloren. War ich denn nicht besser?

Vincent Sierro: Note 3,5. Kein überzeugender Abend des Wallisers. Besonders in der ersten Halbzeit mit vielen Unsicherheiten.
14 Bilder
Dejan Stojanovic: Note 3,5. Bei seinem unglücklichen Eigentor zum 0:2 ist er ohne Schuld. Muss er gegen den bereits abgedrängten Dejan Sorgic beim 0:1 aber so stürmisch aus dem Tor eilen?
Musah Nuhu: Note 5. Wieder ein mutiger Auftritt, seine Physis ist im defensiven Mittelfeld  Gold wert. Wermutstropfen: Seine vergebene Chance vor dem 0:1.
Nicolas Lüchinger: Note 3,5. Rackert wie immer. Wirkt aber oft wenig stilsicher – zum Beispiel, als er vor dem 0:2 den Ball nicht von der Linie wegbringt.
Victor Ruiz: Note 4. Der Neue ist bei seinem ersten Einsatz in der Super League sehr lauffreudig. Technisch zuweilen mit feinen Einzelaktionen – die Effizienz aber fehlt.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Bei seinem Début aktiv, aber gut abgeschirmt. Wird penaltywürdig gefoult. Der Pfiff bleibt aus.
Simone Rapp: Note 4. Seine Gefährlichkeit bei Kopfbällen und seine Durchschlagskraft zeigt er – jedoch ohne Erfolg.
Yannis Tafer: Note 3,5. Kommt in der 64. Minute, kann sich aber nicht empfehlen.
Andreas Wittwer: Note 4,5. Stemmt sich gegen die Niederlage, meist gutes Defensivverhalten. Nur: Vor dem 0:3 vergisst er Sorgic in seinem Rücken.
Silvan Hefti: Note 4. Unauffällig. Was für seine defensive Arbeit spricht, aber nicht für seinen offensiven Einfluss.
Dereck Kutesa: Note 3. Ihm fehlt an diesem Abend das Gefühl für die Spielsituation. Steht oft am Anfang von Ballverlusten.
Axel Bakayoko: Note 4. Offensiv bringt er neuen Schwung und trifft zum 1:3. Er verpasst es aber wegen eines einfachen Stolperers, Tosetti vor dem 0:3 am Flanken zu hindern.
Majeed Ashimeru: Note 3,5. Am Anfang aktiv, verliert er im Verlauf des Spiels immer mehr an Einfluss.
Jordi Quintillà: Note 4. Weniger souverän, als man es von ihm gewohnt ist. Im Spielaufbau dennoch ein wichtiger Wert.

Vincent Sierro: Note 3,5. Kein überzeugender Abend des Wallisers. Besonders in der ersten Halbzeit mit vielen Unsicherheiten.


In der Fussballsprache: Dem FC St.Gallen hat es gegen Thun nichts genützt, mehr zu pressen, mehr zu laufen und den Ball öfters in den eigenen Reihen zu führen. Ihm hat es nicht einmal genützt, die besseren Chancen zu haben. Und auch wenn der eine oder andere St.Galler nach dem Spiel geneigt war, die 1:3-Niederlage dem Pech zuzuschreiben: Haften blieb letztlich der Eindruck, dass der FC Thun schlicht die reifere Mannschaft stellt und nicht zufällig acht Punkte vor den Ostschweizern liegt. St.Gallen hatte gegen ein Team verloren, das wie so oft in dieser Saison genau wusste, was es tat. Das konterstark war, pragmatisch und effizient. Und mit Dejan Sorgic den Torschützenleader in den eigenen Reihen hat. Ihm reichten zwei gute Zuspiele seiner Mitspieler für zwei Tore.

Thuner Anschauungsunterricht im Toreschiessen


Es ist eine Niederlage, die an den St.Gallern nagt, auch, weil sie zum x-ten Mal in dieser Saison eine sich anbahnende Ostschweizer Euphorie im Keim erstickten. Und weil man es wieder verpasste, den Anschluss an Thun zu schaffen. Tags darauf sagt Trainer Peter Zeidler nach der Videostudie: «Die Niederlage ist ärgerlich, wir haben teils gut gespielt.» Aber eben auch: «Bei den Gegentoren müssen wir besser verteidigen. Und vor dem gegnerischen Tor müssen wir cleverer sein.» Natürlich hätten die Berner Oberländer das geschickter gemacht, so Zeidler. «Da ist ein sehr klarer Plan, das Team arbeitet seit fast drei Jahren in ähnlicher Zusammensetzung zusammen.» An jener Konstanz und jenem Plan arbeite auch er mit dem Team, täglich im Training, sagt Zeidler. «Unser Weg stimmt.»

St.Galler Umstellungen destabilisieren das Team


Auffallend war: Während Thun den Ausfall Dennis Hedigers problemlos verkraftete, wurde das St.Galler Team von den zwei verletzungsbedingten Änderungen destabilisiert. Der junge Innenverteidiger Leonidas Stergiou war nach seinen ersten zwei intensiven Super-League-Spielen muskulär angeschlagen gewesen, Tranquillo Barnetta fehlte ebenfalls verletzt. Für Barnetta kam Débutant Victor Ruiz, der zwar nicht abfiel, aber sich im St.Galler Gefüge noch nicht ganz wohl zu fühlen schien. In der Innenverteidigung spielte Jordi Quintillà – auf dieser Position war sein Einfluss auf die Spielgestaltung kleiner als jeweils im Mittelfeld. Weshalb beorderte Zeidler nicht Musah Nuhu in die Verteidigung? Der Ghanaer machte vor der Verteidigung physisch eine gute Figur – eine Rochade mit Quintillà wäre eine Option gewesen. Letztlich wollte Zeidler die Niederlage aber nicht alleine an Taktischem festmachen, sondern auch an der Stärke der Thuner, an der Effizienz Sorgics, an den Flanken Matteo Tosettis, der das 0:3 vorbereitete und den Eckball vor dem Slapstick-Tor zum 0:2 trat, als der Ball über Nicolas Lüchinger und den Kopf von Dejan Stojanovic den Weg ins Tor fand.

Auch zwei Schiedsrichterentscheide gaben am Ende zu Reden. Majeed Ashimeru war mit einer gelben Karte vorbelastet, als er einen Gegenspieler ein weiteres mal gelbwürdig anging – die Verwarnung erhielt aber fälschlicherweise Axel Bakayoko. Zudem: St.Gallens Einwechselspieler Jérémy Guillemenot war nach gut 70 Minuten beim Stand von 0:3 penaltywürdig gefoult worden, der Pfiff ertönte nicht. Ob ein Tor St.Gallen noch einmal ins Spiel gebracht hätte? Wohl kaum. Zu schwerfällig waren die Angriffe gegen die nun tiefer verteidigenden Thuner in der Schlussphase. Ein abgefälschter Schuss von Bakayoko in der Nachspielzeit blieb das einzige Zählbare – immerhin ein kleines Pflästerli an einem schwarzen St.Galler Abend.

Alle Tore, Emotionen und Einschätzungen:

Rabenschwarzer Abend trotz starkem Beginn: St.Gallen verliert gegen Thun 1:3

Ein Sieg, ein Unentschieden und nun erneut ein Sieg gegen Thun? Mit weiteren drei Punkten hätten die St.Galler auf die Europacup-Plätze vorrücken können. Doch es kam anders. Trotz starker Leistung zu Beginn des Spiels erleben die Ostschweizer einen rabenschwarzen Abend und verlieren zu Hause 1:3.
Alexandra Pavlovic

Jetzt abonnieren: FCSG-News via Facebook Messenger erhalten

Spielberichte, Analysen, Transfers, Interviews. Das alles bieten wir Ihnen ab 7. Dezember auch via Facebook Messenger. Gleichzeitig stellt WhatsApp den bisherigen Newsletter-Service ein. Der kompetente Tagblatt-Service für alle Fans des FC St.Gallen geht aber weiter. Hier erfahren Sie, wie Sie sich anmelden können.