«Etappensiege sind nicht mein Job»

Reto Hollenstein fährt seit diesem Jahr mit dem Schweizer Rennstall IAM Cycling auf der World Tour. Bis dato zieht der Sirnacher eine etwas zwiespältige Bilanz. Besonders eine hartnäckige Grippe machte ihm im Frühjahr zu schaffen. «Jetzt geht es endlich aufwärts», sagt der 29-Jährige.

Christian Brägger
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RAD. Für Reto Hollenstein folgt diese Saison ein Höhepunkt dem anderen. So wie es für einen Profi sein soll, wenn er für den Schweizer World-Tour-Rennstall IAM Cycling in der Rad-Elite fahren darf. Die Tour de Romandie ist seit Sonntag abgehakt, nun ist eine kurze Verschnaufpause bei der Freundin in Niederösterreich an der Reihe. In der nächsten Woche absolviert Hollenstein mit IAM ein Höhentrainingslager auf dem Bernina-Pass. Ab dem 7. Juni soll er dann die Dauphiné-Rundfahrt als Hauptprobe für seine zweite Teilnahme an der Tour de France im Juli fahren. So lautet zumindest der Plan der Teamverantwortlichen, falls nicht doch wieder Unvorhergesehenes dazwischenkommt.

Der Saisonstart hatte Hollenstein zuversichtlich gestimmt. Die Februar-Rundfahrten in Qatar und in Oman waren solide. Doch dann passierte genau das, was Hollenstein nicht auf der Rechnung hatte. Just in der Vorbereitung auf die Frühjahrs-Klassiker wurde der Thurgauer Anfang März vor dem Tirreno–Adriatico krank: «Die Grippe hat mich zwei Wochen lang voll erwischt. Mir fehlten 18 Tage auf dem Rennrad.»

Beinahe ohne Training zurück

Da es bereits Mitte März bei IAM Cycling mehrere Verletzte gab, musste Hollenstein früher in den Wettkampfmodus zurückkehren. Früher jedenfalls, als es dem geschwächten Körper gutgetan hätte. «Sicherlich wäre es besser gewesen, wenn ich zuerst trainiert hätte. Alleine schon wegen der Substanz und Nachhaltigkeit willen. Aber ich musste möglichst rasch auf ein anständiges Niveau für die Frühjahrsrennen kommen.»

Kurzerhand wurde Hollenstein von IAM nach Belgien zum Halbklassiker E3 Harelbeke beordert und zwei Tage später auch für Gent–Wevelgem nominiert. Beide Male beendete der 29-Jährige die Rennen nicht. Beim E3 überliess er seinem Leader Heinrich Haussler nach einem Defekt das Vorderrad. Und bei Gent–Wevelgem büsste der Sirnacher für den enormen Trainingsrückstand: «Das war ein Rennen für die Geschichtsbücher. Einen Sturm, der dich fast vom Rennvelo bläst, der Regen, die Kälte, so etwas hatte ich bisher noch nie erlebt.»

Schliesslich folgte am 5. April die Flandern-Rundfahrt, und endlich begann der Ostschweizer sich besser zu fühlen. Über 200 Kilometer lang opferte sich Hollenstein für die drei IAM-Captains auf, der gute zehnte Schlussrang von Martin Elmiger war auch auf seine Hilfe zurückzuführen. Darauf liess sich bauen, für Hollenstein sowie für die gesamte Mannschaft.

In die Saison gefunden

Die World Tour sei sein Traum, sagt Hollenstein. Im Vergleich zum Vorjahr, als er mit IAM auf der Pro Tour fuhr, hat sich für den 197 Zentimeter grossen und 80 Kilogramm schweren Radprofi renntechnisch nicht viel verändert. Dafür wurde in der Equipe alles aufwendiger, der Personalaufwand grösser, die Struktur professioneller.

Für die kommenden Aufgaben hat Hollenstein wieder ein gutes Gefühl. Mit der Tour de Romandie ist er zufrieden. Es lief ihm von Tag zu Tag besser. Auch wenn er nicht für Furore sorgte. «Mit so wenig Trainings kannst du auf der World Tour nichts reissen. Zudem sind Etappensiege und gute Klassierungen nicht mein Job.» Hollenstein sagt, wenn man den Helferdienst gut erledige, könne man in einem schwierigen Final gar nicht mehr dabei sein. Dafür aber vielleicht in Frankreich als Adjutant des IAM-Captain Mathias Frank.

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