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«Es tut weh»: FCSG-Kommentator Jaan Schallers Blick zurück nach dem bitteren Aus bei Radio Toxic.fm

Zwölf Jahre hat Jaan Schaller für Radio Toxic.fm Spiele des FC St.Gallen kommentiert. Er spricht über Erinnerungen, Lieblingstrainer Jeff Saibene und das unschöne Ende seines Engagements für den Sender.
Daniel Walt
Vergangenheit: Jaan Schaller kommentiert keine FCSG-Spiele mehr für Radio Toxic.fm. (Bild: Michel Canonica)

Vergangenheit: Jaan Schaller kommentiert keine FCSG-Spiele mehr für Radio Toxic.fm. (Bild: Michel Canonica)

Frech, derb, polemisch: Immer, wenn der FC St.Gallen spielt, geht es auf Radio Toxic.fm politisch unkorrekt zu und her – Fluchen inklusive. «Wenn einer gopfertami aus drei Metern danebenschiesst, dann finde ich es scheinheilig zu sagen, er habe leider das Tor verfehlt. Dann hat er einfach gopfertami aus drei Metern danebengeschossen», sagt Jaan Schaller. Der 38-Jährige war während zwölf Jahren fixer Bestandteil des «Adrenalin»-Kommentatorenteams auf Radio Toxic.fm.

Die Fussballersprache sei derb, fügt Schaller an. Da sei es doch widersprüchlich, in Berichten über Partien eine überkorrekte Sprache zu pflegen, so Schaller, der mit seinem Co-Kommentator Philipp Cäsar Widmer per sofort nicht mehr für den Sender arbeitet. Die beiden konnten sich mit Toxic.fm nicht über die Entlöhnung einigen, der Sender will nun mit einer neuen Crew weitermachen.

«Eine Art Seelentherapie»

«Primär war es unser Ziel, parteiisch zu sein. Die andere Mannschaft steht eigentlich nur auf dem Platz, damit der FC St.Gallen einen Gegner hat», umreisst Jaan Schaller das Konzept der Sendung «Adrenalin», die er seit der Saison 2006/2007 massgeblich prägte und die in Fankreisen Kultstatus geniesst. Zudem ging es darum, Emotionen zu transportieren und auch über das zu berichten, was in Stadien abseits des grünen Rasens so alles passiert.

Jaan Schaller sagt weiter:

«Für mich war es auch eine Seelentherapie, diese Sendung zu moderieren.»

So sprachen er und sein Co-Kommentator bei langweiligen Spielen durchaus auch über Ereignisse, die sie während der Woche beschäftigt hatten – Abstimmungsergebnisse zum Beispiel.

Erfüllung eines Kindheitstraums

Als Sechsjähriger verfolgte Jaan Schaller im Espenmoos sein erstes FCSG-Spiel – auf einem Harass bei der Mittellinie. «In der Folge wurde das Stadion zum Fussballmekka für mich», sagt er. Das Chile-Trio Zamorano – Rubio – Mardones; das Warten auf die Stars nach der Partie beim Spielerausgang hinter der Espenmoos-Haupttribüne; Bananenwürfe und Affenlaute in der Fankurve gegen schwarze Spieler; der verlorene Cupfinal 1998 – all dies sind schöne und traurige Schlaglichter von Schallers Fankarriere.

Espenmoos-Feeling pur: Die Gegentribüne des Stadions mit Blick auf den Fansektor. (Rainer Bolliger)
Die St.Galler Fankurve im Espenmoos war berühmt-berüchtigt. (Trix Niederau)
Der Stehplatzsektor, in dem auch die Gästefans waren. (Rainer Bolliger)
Bereits im Espenmoos kamen die Cheerleader des FC St.Gallen zu Pauseneinsätzen. (Michael Freisager)
Ja, auch diese Szene spielt im Espenmoos - und zwar bei einer Partie des FCSG im Jahr 1911. (Archiv)
Blick aufs Espenmoos im Jahr 1932. (Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde)
Die alte Haupttribüne in den 1950er-Jahren. (Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde)
Im März 2006 war das Espenmoos von einer dicken Schneeschicht bedeckt. (Michel Canonica)
Bereits im Espenmoos begeisterten die St.Galler Fans mit tollen Choreographien. (Trix Niederau)
Frenetische Unterstützung war dem FC St.Gallen im Espenmoos gewiss. (Ralph Ribi)
"Ein Leben lang stolz auf Euch": Die St.Galler Fans feiern im Frühjahr 2000 ihre Meisterhelden. (Hannes Thalmann)
Grenzenlose Enttäuschung nach dem Abstieg im letzten Spiel im Espenmoos im Mai 2008. (Hanspeter Schiess)
Die Wut der Anhänger über den Abstieg und die massive Polizeipräsenz entlud sich nach Spielschluss in Ausschreitungen. (Ralph Ribi)
Ein Bild der Zerstörung nach dem letzten Spiel im Espenmoos. (Reto Martin)
Ein letzter Blick auf den St.Galler Fansektor im Mai 2008. (Reto Martin)
Selbst auf den Stehrampen verewigten sich die Fans. (Ralph Ribi)
Ein Satz, den wohl die meisten Espenmoos-Gänger unterschreiben würden: Espenmoos für immer! (Ralph Ribi)
Der Abbruch des legendären Quartierstadions begann kurz nach dem Abstieg. (Ralph Ribi)
Bagger rissen die Tribünen im Espenmoos ein. (Ralph Ribi)
Blick in den neu gestalteten Bereich des Espenmoos, das mittlerweile eine Breitensport-Anlage ist. (Hanspeter Schiess)
Unverkennbar: Die Haupttribüne des Espenmoos besteht bis heute. (Urs Jaudas)
Blick von der Haupttribüne des Espenmoos, die bestehen blieb, auf den grünen Rasen. (Reto Martin)
Hopp Sanggalle! (Ralph Ribi)
23 Bilder

Vor zehn Jahren zog der FC St.Gallen aus dem Espenmoos aus

2006 heuerte der gelernte Sportartikelverkäufer dann beim Ausbildungsradio Toxic.fm an – und schon bald ging als «Adrenalin»-Co-Kommentator sein Kindheitstraum in Erfüllung, einmal beruflich etwas mit dem FC St.Gallen zu tun zu haben. Das erste Spiel, das Schaller kommentierte, war auswärts bei YB. «Ich war unglaublich nervös, aber meiner Stimme merkte man das zum Glück nicht an. Und natürlich gab es eine Niederlage – wie meistens in Bern», blickt Schaller zurück.

GC-Vertreter will Interview abbrechen

Nicht ein einziges Mal sei es in all den Jahren vorgekommen, dass sich der FC St.Gallen über die unkonventionelle Berichterstattung der Toxic.fm-Jungs beschwert habe, sagt Jaan Schaller. Dies, obwohl im «Adrenalin» nicht nur der Gegner, sondern wenn nötig auch der FCSG nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde. «Es drückte aber immer durch, dass wir ein grünweisses Herz haben. Wir waren mehr Fans als Journalisten. Und die Verantwortlichen beim Club haben uns als alternatives Fanradio geschätzt», sagt Jaan Schaller.

Mittlerweile beide nicht mehr bei GC: Trainer Uli Forte (links) und Medienchef Adrian Fetscherin. (Bild: Keystone)

Mittlerweile beide nicht mehr bei GC: Trainer Uli Forte (links) und Medienchef Adrian Fetscherin. (Bild: Keystone)

Anders sah dies Adrian Fetscherin, damals Medienchef von GC, im Sommer 2012: Jaan Schaller und sein damaliger Co-Kommentator Lukas Bollhalder interviewten Ex-FCSG-Trainer Uli Forte, der mittlerweile bei GC tätig war. Sie fragten ihn unter anderem, ob er nicht auf einem Schleudersitz sei bei einem Club, der letzte Saison fast abgestiegen sei. Fetscherin, früher selbst Journalist, versuchte das Interview daraufhin abzubrechen, während Forte die Fragen ruhig weiterbeantwortete.

«Letztlich ist das etwas vom Lässigsten, was uns passieren konnte», blickt Schaller zurück. Unter anderem die «Wochenzeitung» berichtete in der Folge über den Vorfall, der ungefiltert über den Sender ging.

Fetscherin selbst hat sich mit den damaligen «Adrenalin»-Machern laut Schaller schon längst versöhnt. Nach dem Streit brauchte es aber zunächst die Fürsprache aussenstehender Personen, damit Schaller und sein Co-Kommentator bei Spielen zwischen GC und dem FCSG im Letzigrund von den Hoppers überhaupt noch zugelassen wurden.

Balakov boykottiert «Adrenalin»

Zwölf Jahre «Adrenalin» bei Toxic.fm, rund 500 kommentierte Spiele: Was bleibt bei Jaan Schaller? Zunächst viele Erinnerungen – zum Beispiel an einen Match in Winterthur, als der FCSG-Mannschaftscar aus Versehen ohne Uli Forte abfuhr. Der Trainer nahm den Heimweg dann mit den «Adrenalin»-Machern unter die Räder. In bester Erinnerung hat Schaller auch WM-Public-Viewings im «Palace», an denen er als Kommentator wirken durfte.

Ex-FCSG-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Keystone)

Ex-FCSG-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Keystone)

Als umgänglichsten FCSG-Coach in den zwölf Jahren bezeichnet Schaller Jeff Saibene – «ein wunderbarer Trainer und Mensch, der unseren Humor verstanden hat», sagt er. Krassimir Balakov hingegen habe Interviews verweigert, «Adrenalin» sei ihm wohl zu schräg gewesen. Ebenfalls nicht mehr vergessen wird Schaller den Abstieg und die Ausschreitungen nach dem letzten Spiel im Espenmoos. Er spricht von einem unrühmlichen, nicht verdienten Ende für das Stadion.

In schlechter Erinnerung: Die Ausschreitungen nach dem letzten Spiel im Espenmoos 2008. (Bild: Ralph Ribi)

In schlechter Erinnerung: Die Ausschreitungen nach dem letzten Spiel im Espenmoos 2008. (Bild: Ralph Ribi)

Viel Zuspruch nach dem Aus

Mehrere hundert Reaktionen hat Jaan Schaller nach eigenen Angaben auf das Aus fürs bisherige «Adrenalin»-Team erhalten. «Ich finde diese positive Resonanz nach zwölf Jahren schön», sagt er. Kritische Äusserungen, wonach die beiden auch für 180 statt 250 Franken pro Monat hätten weitermachen können, wenn ihnen die Sendung wirklich am Herzen gelegen wäre, akzeptiert Schaller. Er antwortet allerdings: «Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir dem Sender in den letzten Jahren nicht schon entgegengekommen sind.» Es sei den beiden nicht leichtgefallen hart zu bleiben, sagt er und fügt an:

«Es tut weh.»

Das Ziel von Schaller und Co-Kommentator Philipp Cäsar Widmer ist es, ihre Tätigkeit bei FCSG-Spielen auf einem anderen Kanal weiterzuführen. Bis es allenfalls soweit ist, geniesst Schaller die Partien des FCSG vorerst als Zuschauer. Und kümmert sich leidenschaftlich um seinen zweieinhalb Monate alten Sohn. «Er ist praktisch gleich alt wie der Bub von Tranquillo Barnetta. Vielleicht spielen die beiden ja irgendwann einmal zusammen…»

Ergänzt

Das schlechteste FCSG-Spiel, das ich je kommentiert habe, …
... war die 1:2-Niederlage gegen acht Neuenburger bei Xamax im Mai 2011.

SRF-Fussballkommentator Sascha Ruefer…
... ist ganz okay.

Mein bester Spruch in all den Jahren bei Toxic.fm…
… war «Love, peace and happiness» - unsere Zuhörer wissen, was ich damit meine. (dwa)

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