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Auf und Ab: Beim FC St. Gallen läuft noch nicht alles rund

Der FC St. Gallen absolviert in der Super League noch drei Spiele, bis sein Fussballjahr nach einigem Auf und Ab zu Ende geht. Vieles haben die Ostschweizer heute im Griff, doch es gibt auch Problemzonen.
Christian Brägger
Oft ein bisschen wild: St. Gallens Trainer Peter Zeidler im Heimspiel gegen die Grasshoppers. (Bild: Ralph Ribi)

Oft ein bisschen wild: St. Gallens Trainer Peter Zeidler im Heimspiel gegen die Grasshoppers. (Bild: Ralph Ribi)

Dank neuen Köpfen und frischem Wind schifft der FC St. Gallen wieder in ruhigeren Gewässern. Da ist mit Peter Zeidler ein an der Seitenlinie vielleicht etwas gar wilder Trainer, der offensiven Fussball spielen lässt – meist wird der Zuschauer gut unterhalten.

Da ist eine kompetitive Mannschaft, die wahlweise Zweite, dann wieder Sechste ist und am Samstag in Thun zum Verfolgerduell antritt, um den Platz in der ersten Tabellenhälfte zu festigen; die Aussetzer, die sie häufiger, als ihr lieb sein kann, in dieser Vorrunde beansprucht, nimmt man ihr bis anhin nicht übel.

Der etwas gewöhnungsbedürftige Sportchef

Da ist mit Sportchef Alain Sutter das etwas gewöhnungsbedürftige Mastermind dieser Mannschaft, weil er so anders daherkommt, als man es sich gewohnt ist im Fussballgeschäft. Da ist ein Verwaltungsrat, der Goodwill geniesst und vertrauenswürdig ist – auch wenn es nicht ganz sicher ist, wie nahe dran er tatsächlich ist am Tagesgeschäft.

Und da ist ein Präsident, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Bei Matthias Hüppi spürt und sieht man, dass es ihm allein um den FC St. Gallen geht. Bei genauer Betrachtung gibt es dennoch einiges, das im Club aus dem Lot oder nie richtig in ebendieses gekommen ist.

Die Bürde mit dem Nachwuchs

Nachdem Peter Knäbel abgesagt hat, ist Sutter für den FC St. Gallen die Wunschlösung als Sportchef. Beim Bewerbungsgespräch überzeugt der ehemalige Fussballprofi mit seiner Vision, wie er den gesamten Club in die Zukunft zu führen gedenkt. St. Gallen soll noch stärker ein Ausbildungsclub sein, in dem Anstand und offene Kommunikation herrschen, wobei Sutter auf die (eigene) Jugend setzen will und besonders mutige Spieler fordert.

Als Sportchef bürdet sich Sutter viel Arbeit auf, weil er nun auch das Future Champs Ostschweiz FCO verantwortet. Arbeit, die zuvor auf verschiedene Schultern verteilt war. Im FCO besetzt er einige Positionen neu mit Leuten seines Vertrauens und mit Nähe zu seiner Philosophie. Teile der alten Crew, mit Know-how und der Philosophie vergangener FC-St. Gallen-Zeit, bleiben. Es ist unausweichlich, dass die verschiedenen Welten und Stile aufeinanderprallen, es zu Reibungen kommt. Hüppi sagt:

«Wir sind nicht auf einem Ponyhof, es ist ein emotionales Geschäft. Der Veränderungsprozess ist riesig, natürlich ist nicht jeder glücklich. Neues braucht Zeit.»

Überdies meldet sich der Schweizer Fussballverband, er ist unter anderem unzufrieden mit der FCO-Footeco-Abteilung, weil Kommunikation und Talentsichtung nicht genügen. Bei FCO steht das Label «Leistungszentrum» auf dem Spiel, der SFV stellt Bedingungen, St. Gallen reagiert.

«Wir wollen dieses Label um jeden Preis», sagt Hüppi. Letztlich geht es hier um Prestige und Geld, wobei der SFV-Ertrag niemals den finanziellen Aufwand des FC St. Gallen deckt. Im Nachwuchs läuft auch auf den Plätzen nicht alles ganz rund, die U18 muss wohl in die Abstiegsrunde, nach den Jahren in der Promotion League ist die U21 eine Liga tiefer nur Mittelmass.

Viel Ballbesitz für die erste Mannschaft

Noch heute mutet es sonderbar an, dass Zeidler keinen Vertrauten in den Staff bringen darf und ihm mit Boro Kuzmanovic und Peter Kappeler Assistenten zur Seite gestellt werden, die so ganz anders sind als er; sie wirken aus der Zeit gefallen und man fragt sich, wie lange das gut geht. Überdies gibt es Veränderungen: Nnamdi Aghanya wird Chefscout, Kappeler übernimmt als Co-Trainer dessen Funktion als Videoanalyst.

Zwar kann sich der FC St. Gallen damit noch nichts kaufen, doch es weist niemand in der Liga mehr Ballbesitz auf (53,7 Prozent). Und auch wenn die grosse Zahl der eigenen FCO-Jungen in der ersten Mannschaft fehlt – sie sollen an anderen Orten reifen, tun dies bis auf Nias Hefti aber nicht wirklich –, kein Trainer schickt in der Super League jüngere Teams aufs Feld als Zeidler. Allein sieben von seinen Startformationen schaffen es in die Top zwölf der jüngsten Startmannschaften (bei 10 Teams und 15 Runden).

16 Verträge laufen aus

Doch es gibt eine andere Ziffer, die gar nicht für den FC St. Gallen spricht: Im nächsten Sommer laufen inklusive Leihspieler nahezu fahrlässig wirkend 16 Verträge aus, und Sutter muss nach diesem Sommer zum zweiten Mal in seiner kurzen Amtszeit eine nahezu komplett neue Mannschaft aus dem Hut zaubern.

Das Handicap, erst im Januar eingestiegen zu sein, holt ihn wieder ein, jetzt, wo das Mannschaftsgerüst für die Saison 2019/20 im Prinzip stehen müsste; es wirkt, als hechle er ständig der Zeit hinterher. So sagte er kürzlich gegenüber dem «Blick»: «Es ist brutal riskant, was ich tue.» Und jetzt sagt Hüppi: «Wir kennen die Situation, geraten nicht in Panik. Der FC St. Gallen ist eine gute Adresse.»

Die Rollen auf der Bank oder Tribüne

Bereits im Winter wird es im Kader Mutationen geben, denn es ist nicht anzunehmen, dass die Routiniers Alain Wiss, Milan Vilotic oder Nassim Ben Kahlifa die für sie unbefriedigende Reservistenrolle weiter akzeptieren werden; sie sind allesamt Spieler, die sich im Gegensatz zu den Jungen nicht mehr oder weniger formen lassen, wobei Vilotics Vertrag im Winter ohnehin ausläuft.

Früher, nicht wie heute, waren die Spieler saisonübergreifend Eigentum des FC St. Gallen. So schlägt sich bilanztechnisch der erwartete Umbau ebenfalls nieder, weil der Club wohl aus keinem der 16 Verträge Profit schlägt und einen Wert generiert. Zudem ist fraglich, wer vom aktuellen Kader in Anbetracht seiner Vertragsdauer dereinst gut verkauft werden kann, wie einst Albian Ajeti oder Jasper van der Werff.

Kommt Roy Gelmi zurück?

Gewiss Silvan Hefti, aber wohl nicht für die Übersumme, die man sich ausmalt. Vielleicht irgendwann Jordi Quintillà, Cedric Itten und Dereck Kutesa. Oder Dejan Stojanovic. Aber man muss realistisch sein: Die grossen Summen, wenn ein Spieler innerhalb der Super League nicht ablösefrei wechselt, gibt es nicht. Fraglich ist, wer sich nächstens dem FC St. Gallen anschliessen soll. Offenbar will man immer noch das FCO-Eigengewächs Roy Gelmi aus Thun zurückholen und auch in Zukunft nicht auf Leihgeschäfte verzichten. Es gehe nur so, sagt Hüppi.

Die Event AG und die Finanzen

Der Event AG muss es gut gehen, da sie den FC St. Gallen zu einem grossen Teil finanziert. Einst ein Sanierungsfall mit zehn Millionen Franken Schulden hat sie trotz einer fatalen Vorsaison mit 2,6 Millionen Franken Minus noch etwa fünf Millionen Reserven. Sutter muss gleichwohl sparen und hält das zurückgestufte, relativ konservative 8-Millionen-Budget für die erste Mannschaft ein, auch im Nachwuchs gibt er weniger Geld aus.

Dennoch ist die Rede von einem strukturellen Defizit von zwei Millionen Franken, das Event AG und FC St. Gallen AG belastet, weil man mehr Geld ausgibt als einnimmt.

Fast 8000 Saisonkarten

Richtiger aber ist wohl, dass man zu wenig einnimmt, um den ganzen Betrieb zu stemmen. Die grünweisse Welle auf den Rängen kommt nicht, der Zuschauerschnitt klettert nicht in jene Höhe, die dem Club vorschwebt. Derzeit sind 7949 Saisonkarten verkauft, wobei das schlechte Saisonfinish des FC St. Gallen in der Saison 2017/18 gewiss mitspielt. Auch wenn die Business Seats topvermarktet sind, gehen die Einnahmen in der Event AG tendenziell zurück, vermutlich bei den Sponsoren. Weil man es hier in jüngster Zeit offenbar versäumt hat nachzufassen.

Also steht Ivo Forster, seit diesem Jahr der CEO, noch mehr im Fokus. Als Forster anfängt, gibt es ebenfalls Sparmassnahmen und viele personelle Wechsel. Weil es wichtig scheint, einen kompletten Neubeginn zu lancieren. Kurzfristig sinkt so zwar die Lohnsumme, doch es geht viel Know-how verloren, weswegen man zuletzt auf die letztlich teurere Variante zugreift, sich dieses, wie beispielsweise in der Kommunikation, extern zu holen. Heute ist man wieder so weit, in Personal zu investieren. Hüppi sagt:

«Auf Forster lasse ich nichts kommen. Natürlich hat es auch in der Event AG gerumpelt. Wichtig ist, dass man danach wieder zusammensitzt und an einem Strang zieht.»

Die Frage bleibt, wer direkt den Betrieb der Event AG kontrolliert, einen Betrieb, der auf mindestens eineinhalb Jahre vorausschauend ausgelegt sein muss. Da er das Überleben des FC St. Gallen sichert. Vielleicht ist es in diesem Kontext gar nicht schlecht, dass die Aktionäre damit liebäugeln könnten, ihr Aktienkapital nicht unerheblich aufzustocken. Es gäbe dem Verein Luft.

Der FC St. Gallen besucht seine Lieblingsdestination

Der FC St. Gallen gastiert am Samstag um 19 Uhr beim drittklassierten FC Thun. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen die Ostschweizer aufpassen, nicht in eine Negativspirale zu geraten. Ihre Reserve auf den Barrageplatz beträgt nur vier Punkte. Andererseits würde St. Gallen mit einem Sieg in der Stockhorn-Arena auf einen Europacup-Rang vorstossen.
St. Gallens Trainer Peter Zeidler muss heute neben Cedric Itten auf Philippe Koch und Miro Muheim verzichten. Beide sind erst kürzlich von einer langen Verletzung zurückgekommen. Seither standen sie viermal für die U21 auf dem Platz. Unter der Woche mussten sie jedoch das Training abbrechen. Koch verspürt wieder Schmerzen im Knie, Muheim im Oberschenkel. «Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die nächsten beiden Spiele gegen Xamax und Luzern bestreiten können, ist gering», sagt Zeidler.
In der jüngeren Vergangenheit lohnten sich die Reisen des FC St. Gallen ins Berner Oberland. Eine Auswärtsniederlage gegen Thun setzte es letztmals im Frühling 2015 ab. Damals stand noch Jeff Saibene an der Seitenlinie. Seither gewann St. Gallen viermal auf dem Thuner Kunstrasen. Zur verpönten Unterlage sagt Zeidler: «Für die neue Generation ist der Kunstrasen kein Problem mehr.»
Im ersten Saisonvergleich Anfang August siegte St. Gallen 3:2. Damals führten die Ostschweizer zur Pause 3:0, ehe sie in der zweiten Halbzeit kaum noch wiederzuerkennen waren und die drei Punkte beinahe noch aus den Händen gaben. Es sollte kein Einzelfall bleiben. Schon viel zu oft zeigten die St. Galler in den 90 Minuten zwei Gesichter. Zeidler führt dies auf fehlende «Ausdauer in der Konzentration» zurück. Und er ergänzt: «Wir sind in einem Entwicklungsprozess. Und ein Entwicklungsprozess sollte immer eine positive Tendenz haben. Auch bei uns wird diese kommen.»
Zeidler gab derweil bereits erste grobe Auskünfte über das Trainingslager in der Winterpause. Vom 12. bis 20. Januar wird der FC St. Gallen in der Nähe der bekannten Landzunge La Manga logieren. Diese ist rund eine Autostunde von der südspanischen Stadt Murcia entfernt. Einer der Testspielgegner dort wird der deutsche Traditionsclub Hamburg aus der 2. Bundesliga sein. (pak)

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