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"Es geht zum Glück aufwärts"

Im Dezember erkrankte der Ostschweizer Radprofi Stefan Küng am Pfeiffer'schen Drüsenfieber. Erstmals äussert sich der 22jährige Thurgauer aus Wilen bei Wil zur Krankheit, den möglichen Ursachen, dem Genesungsverlauf, seiner mentalen Verfassung und den Plänen im Jahr 2016.
Daniel Good

Herr Küng, wie geht es Ihnen?

Stefan Küng: Angesichts der Umstände tiptop. Es geht zum Glück wieder aufwärts. Das ist das Wichtigste. Aber natürlich bin ich in meinen sportlichen Aktivitäten immer noch sehr eingeschränkt, obschon die Krankheit schon im Dezember festgestellt worden war.

Auch Roger Federer litt 2008 am Pfeiffer'schen Drüsenfieber.

Küng: Es trifft Leistungssportler oft. Ich kenne viele Athleten, die schon daran erkrankt sind. Auch mein Arzt wies mich darauf hin.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als bei Ihnen das Pfeiffer'sche Drüsenfieber diagnostiziert wurde?

Küng: Im ersten Moment war ich schon niedergeschlagen. Aber eigentlich war ich froh, dass eine unmissverständliche medizinische Diagnose vorlag. Ich wusste nun, woran ich war. Denn ich hatte bereits eine Zeitlang gemerkt, dass etwas nicht stimmte mit meinem Körper. Ich fühlte mich müde und ausgelaugt wie noch nie zuvor in meiner Karriere.

Haben Sie sich überfordert? Nach einem anspruchsvollen Herbst folgte noch der Bahnweltcup in Neuseeland.

Küng: So würde ich es nicht sagen. Natürlich war das Programm happig. Und die Umstellung von der Strasse auf die Bahn geht auch nicht von alleine. Der Wechsel vom Nachwuchs zu den Profis ebenfalls nicht. Aber ich hatte ja schon eine lange Pause nach den Sturzverletzungen im Giro d'Italia. Es war wohl eher so, dass ich mich im vergangenen Jahr zu oft in zu kurzer Zeit wieder auf ein hohes Niveau gebracht habe. Zuerst nach dem Lungeninfekt nach der Bahn-WM im Februar, dann nach dem Brustwirbelbruch im Giro. Diese Regenerationen – verbunden mit dem intensiven Aufbautraining – haben dem Körper wohl zu stark zugesetzt. Ich merkte schon in Neuseeland, dass meine Teamkollegen im Bahnvierer stärker waren. Ich war das schwächste Glied in der Kette. Sonst gehöre ich zu den Stärksten.

Was wussten Sie vorher über das Pfeiffer'sche Drüsenfieber?

Küng: Die Krankheit ist übertragbar. Deshalb habe ich schon als junger Sportler sehr darauf geachtet, nie eine fremde Trinkflasche zu benutzen. Der Patient ist lange Zeit sehr eingeschränkt. Wenn das Pfeiffer'sche Drüsenfieber nicht völlig auskuriert wird, kommt es immer wieder. Das will und kann ich mir nicht leisten.

Seit gut zwei Wochen fahren Sie wieder Velo. Ist das Schlimmste überwunden?

Küng: Ja, aber ich darf ja nicht zu viel machen. Ich betreibe zurzeit ausschliesslich Grundlagentraining im niederschwelligen Bereich. Ich muss mich sehr genau an die Pläne des Arztes halten, was manchmal schwierig ist. Denn es juckt mich natürlich oft, mehr zu machen. Aber ich möchte auf keinen Fall einen Rückfall erleiden. Der Körper braucht sehr lange, um sich vom Pfeiffer'schen Drüsenfieber zu erholen.

Wie weit wurden Sie durch die Krankheit in Ihrer sportlichen Planung zurückgeworfen?

Küng: Zunächst sah es nach einem grossen Rückschlag aus. Mittlerweile denke ich aber, dass es vielleicht sogar gut ist, vor der anspruchsvollen Olympiasaison noch einmal eine lange Pause zu haben. Über Weihnachten und Neujahr war ohnehin eine zweiwöchige Pause vorgesehen. Schwierig wurde es, als wieder der Alltag kam. Alle trainierten, und ich musste zu Hause das Bett hüten. Nur mit viel Ruhe wird man wieder gesund.

Sie haben ein Jahr mit viel Leiden hinter sich. Im Vorfeld der Strassensaison machte Ihnen ein Infekt in der Lunge zu schaffen, dann stürzten Sie im Giro d'Italia schwer. Was geht einem da als Profisportler durch den Kopf?

Küng: Natürlich kommen Zweifel auf. Als Junior und Nachwuchsfahrer war ich überhaupt nicht anfällig. Bis Ende 2014 hatte ich gar nie gesundheitliche Probleme. Nun muss ich schauen, dass ich einen möglichst sauberen Formaufbau zustande bringe. Das kam im vergangenen Jahr wahrscheinlich zu kurz. Der Aufbau muss wie eine Pyramide erfolgen. Ich muss nun weiter vorwärtsschauen. Alles andere bringt nichts. Und hoffentlich habe ich nun alles hinter mir.

Kann man schon sagen, wann Sie wieder Rennen bestreiten?

Küng: Jetzt sicher noch nicht. Am Freitag reise ich mit der Schweizer Nationalmannschaft für ein zehntägiges Trainingslager nach Mallorca. Nachher weiss man hoffentlich mehr. Nach Mallorca bespreche ich mit dem Arzt, wie es sportlich weitergeht. Dann können wir vielleicht auch festlegen, wann ich wieder erste Rennen bestreiten kann. Natürlich werden es zunächst kleine Wettkämpfe sein.

An der Bahn-WM Anfang März in London werden Sie wohl nicht teilnehmen können? Sie sind Titelverteidiger in der Einzelverfolgung.

Küng: So wie es jetzt aussieht, kann ich auf der Olympiabahn nicht starten. Aber der Schweizer Bahnvierer ist zum Glück bereits für die Olympischen Spiele in diesem Jahr qualifiziert. Natürlich hätte ich den Titel gerne verteidigt und den Bahnvierer unterstützt, aber die Gesundheit geht vor.

Ihr grösstes Ziel in der kommenden Saison ist das olympische Rennen in Rio de Janeiro mit dem Bahnvierer. Sie bestreiten aber auch 2016 wieder Strassenrennen.

Küng: Geplant ist, dass ich im Mai wieder den Giro d'Italia bestreiten werde. Die Rundfahrt beginnt mit einem kurzen Zeitfahren. Für die Tour de Suisse im Juni wird es schwierig. Sie ist in diesem Jahr sehr anspruchsvoll. Es gibt vier Bergankünfte. Das lässt sich nicht so gut mit der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele vereinbaren. Ein Doppelstart – Bahn und Strasse – in Rio stand für mich nie zur Debatte. Das habe ich immer so gesagt und mich nie nur mit dem Gedanken befasst, auch auf der Strasse zu starten. Ich bin noch jung und kann noch oft an Strassenrennen teilnehmen.

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