Interview

HC-Kriens-CEO fordert: «Es braucht die letzte Konsequenz»

Kriens-Luzern startet am Dienstag (19.30) bei Pfadi Winterthur in den Playoff-Viertelfinal. CEO Nick Christen wägt Chancen ab – und verteidigt die Personalpolitik des Klubs.

Roland Bucher
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Viel Kampf für HCK-Spieler Thomas Hofstetter (Mitte). (Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 16. Dezember 2018))

Viel Kampf für HCK-Spieler Thomas Hofstetter (Mitte). (Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 16. Dezember 2018))

Mit Luca Spengler und Marcel Lengacher, beide 26 Jahre jung, werfen zwei für unsere NLA eher ausserordentliche Handballer den Bettel hin. Schockiert?

Nick Christen: Wir bedauern, aber respektieren das. Jeder schmiedet sein Glück selber. Wir können ja niemandem verbieten, sich auf sein Studium, auf seine beruflichen Perspektiven zu konzentrieren.

Handball ist in der Schweiz noch kein «Beruf»...

Im Fussball bewerben sich 100 junge Leute um einen Platz im Kader eines Super-League-Vereins. Bei uns Handballern ist man wesentlich schneller bei der Elite angelangt. Sehen Sie: Handballer in einem NLA-Team zu sein, das ist durchaus eine Luxusvariante. Es bietet die Möglichkeit, das Studium voranzutreiben, sich gleichzeitig auch ein respektables Taschengeld zu verdienen und bei Nicht-Lust und -laune «Tschüss» zu kommunizieren. Wer’s im Fussball geschafft hat, der «ist jemand». Bei uns ist es aber immer noch so: «Aha, du spielst Handball. Schön. Und was tust du sonst noch?» Das müssen wir in Zukunft korrigieren.

Was raten Sie einem jungen Schweizer Handballer mit Talent, mit Ehrgeiz, mit Ambitionen?

Sich in der NLA durchzusetzen, zu reifen, zu zeigen, dass er für mehr berufen ist. Wenn es ihm in unserer Liga langweilig wird, weil er pro Spiel seine sechs, sieben Tore wirft – dann soll er ins Ausland. Und sich diesen Traum erfüllen. Das Studium kann man auch mit 30 noch abschliessen. Und dann hat man immer noch 35 Jahre Zeit und Musse, sich, wie wir das in der Schweiz immer noch nennen, einem «richtigen» Beruf zu widmen. Sie sollen ihre Grenzen im Sport, sprich Handball suchen, damit sie nach der Karriere sagen können: «Ich habe alles versucht!»

Die Personalpolitik des HC Kriens-Luzern lieferte in den letzten Tagen einiges an Gesprächsstoff. Fassen Sie zusammen.

Eigentlich ist alles gesagt. Goran Perkovac, unser Cheftrainer, ist aus einer Handballer-Dynastie, welche keine Kompromisse duldet. Er – und auch unsere Organisation – will die Annäherung an den Profibetrieb, nicht als Lippenbekenntnis, sondern mit absoluter Konsequenz. Dabei unterstützen wir ihn, weil wir wissen, dass wir nur mit dieser Gangart einen Schritt weiter kommen. Unsere Konkurrenz schläft nicht und entwickelt sich auch in diese Richtung. Wollen wir Spitzenhandball in der Zentralschweiz sehen, müssen wir mindestens den gleichen Umfang leisten. Wenn jemand das Gefühl hat, mit weniger kann man mehr leisten, so befindet er sich auf dem falschen Dampfer.

Nick Christen (Bild: Manuela Jans-Koch)

Nick Christen (Bild: Manuela Jans-Koch)

Deshalb hat der Verein ­Lengacher und Goalie ­Willimann «geopfert».

Wir haben gar nichts geopfert. Die Spieler sind auf uns zugekommen und haben ihre Situation geschildert. Wir mussten dann im Team eine Entscheidung fällen. Ja, es braucht die letzte Konsequenz. Jeder in unserem Kader schuldet sieben Trainings die Woche, die Vollprofis neun. Das ist der Massstab für die Zukunft. Aber sprechen wir doch besser auch mal...

... natürlich, über die Playoffs, die am Dienstag mit einem schweren Auswärtsgang zu Pfadi Winterthur starten. Glauben Sie ernsthaft daran, dass Kriens-Luzern nach einer sehr durchzogenen Saison den Schalter doch noch rechtzeitig umkippen kann?

Wir haben in der Qualifikation gegen Pfadi einmal unentschieden gespielt und das zweite Mal knapp verloren. Wir sind nicht weit weg von den Winterthurern. Ja, ich glaube an unsere Chance.

Die Krienser Auftritte in der Abstiegspoule waren nicht überzeugend. Hie und da schon fast provokativ schlecht.

Ich sehe das überhaupt nicht so. Unsere Mannschaft hat Charakter gezeigt und diese Zwischenrunde seriös bewältigt. Wenn es dank eines unsäglichen Modus um rein gar nichts mehr geht, wie das für uns der Fall war, kann man auch nicht auf Toplevel Leistung produzieren.

Werden auf das Playoff-Heimspiel am Donnerstag wieder mehr Zuschauer als in der Abstiegsrunde erwartet?

Die gute Nachricht: Aufgrund des Vorverkaufs dürfen wir davon ausgehen, dass nächsten Donnerstag, bei unserem ersten und hoffentlich nicht letzten Heimspiel, die Halle voll sein wird. Das wären dann immerhin rund 1200 Handballbegeisterte, die den Beweis antreten, dass unsere Sportart lebt.

Überlebt sie auch? Immerhin machen Sie kein Geheimnis daraus, dass die Schweizer Liga auch in Zukunft nicht über den Status einer «Ausbildungsliga» herauskommen wird.

Es gibt in der Schweiz mehrere Teams, die für Spitzenhandball einstehen und motiviert sind, entsprechend zu arbeiten. Schaffhausen, Winterthur, St. Otmar St. Gallen, Bern, Thun, auch Suhr. Und Kriens. Wir brauchen zehn Teams, welche «mitziehen» – dann hat Handball in der Schweiz eine gute Perspektive. Die Nationalmannschaft macht es vor, wie man mit harter Arbeit und Konsequenz erfolgreich sein kann.

Kriens erlebt in diesen Wochen einen personellen Aderlass: Die Perspektive für nächste Saison?

Die Personalsituation wurde nun die letzten Tage zur Genüge diskutiert. Wir konzentrieren uns nun auf die Playoffs, alles andere soll in den Hintergrund rücken und kann man nach der Saison anschauen. Wir haben uns gut verstärkt, das kann ich versprechen. Wir hoffen uns auf Rang 4, 5 installieren zu können. Aber das ist noch weit entfernt. Ich freue mich auf die Playoffs und bin sicher, dass wir guten Handball bieten werden.

Kriens-Luzern schlägt Profitöne an

Wer sich nicht zu der von Chefcoach Goran Perkovac verschriebenen Profi-Gangart bekennt, der hat beim HC Kriens-Luzern ausgedient. Zum Beispiel Goalie Willimann oder Topskorer Lengacher.
Roland Bucher