Es bleibt weiterhin alles dubios und unklar

Franz Beckenbauers langjähriger Vertrauter Fedor Radmann, von Januar 2001 bis Juni 2003 Vizepräsident des Organisationskomitees der WM 2006, hat offenbar vom Deutschen Fussballbund (DFB) eine Zahlungsaufforderung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro bekommen. Der DFB widerspricht.

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Joseph Blatter, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann (von links). (Bild: ky/Walter Bieri)

Joseph Blatter, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann (von links). (Bild: ky/Walter Bieri)

FUSSBALL. Den Aussagen Fedor Radmanns, wonach es alle Hauptfiguren in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 mit dieser Zahlungsforderung trifft, widersprach der DFB deutlich. Der Verband wahrt offenbar zudem seinen Anspruch auf einen möglichen Schadenersatz in Millionenhöhe. Radmann jedoch sagte: «Mir ist bekannt, dass jeder diese Forderung bekommen haben soll oder bereits bekommen hat. Also, das heisst: Beckenbauer, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Horst Schmidt und ich.»

Nach DFB-Angaben ging die Zahlungsaufforderung jedoch lediglich an Radmann, weil dieser in der Schweiz lebt und dort eine andere Rechtsordnung gelte. Für Beckenbauer, der seinen Wohnsitz in Österreich hat, gilt nach DFB-Auffassung ebenso wie für die anderen ehemaligen Spitzenfunktionäre der Güteantrag – deswegen bekommen sie keine direkte Aufforderung.

Andere Rechtsgrundlagen

«In der Schweiz wurde auf Grundlage des dort geltenden Rechts das Betreibungsverfahren auf den Weg gebracht, das sich in der Ausgestaltung von den Güteanträgen unterscheidet. Für uns verfolgt das Verfahren aber dasselbe Ziel, nämlich die Sicherung von Ansprüchen für den gemeinnützigen Verband und die Vermeidung der Verjährung», liess sich DFB-Präsident Rainer Koch zitieren.

Noch zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet, dass Radmann das Geld innerhalb von 20 Tagen überweisen solle. Dabei geht es um jene Summe, die der DFB vor der WM 2006 auf ein Konto der Fifa geleitet hatte. Angeblich sollte der Betrag zur Rückzahlung eines Darlehens des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus verwendet werden. Wohin das Geld damals tatsächlich floss, ist bislang nicht geklärt. Radmann erklärte, er habe die Zahlungsaufforderung am 8. Januar in seinem Schweizer Wohnort bekommen. Er habe Einspruch erhoben, jetzt sei der Verband am Zug: «Damit ist der DFB gefordert, nachzuweisen, dass es überhaupt eine Forderung gibt. Denn bis zum 8. Januar hat niemand mit mir je darüber gesprochen, noch gibt es irgendeinen Schriftverkehr. Die werden nie in der Lage sein, nur den Hauch einer Forderung nachzuweisen», sagte Radmann.

Zuschuss für WM

Die 6,7 Millionen Euro an die Fifa waren ursprünglich als Beitrag für die später abgesagte WM-Eröffnungsgala verschleiert worden. Der ursprüngliche Kredit von Dreyfus war nach Angaben von Beckenbauer in Deutschland als Gegenleistung für einen hohen WM-Zuschuss der Fifa verwendet worden. (sda)

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