Erzählte Sehnsuchtsorte miterleben

Das Literaturfestival «Erzählzeit ohne Grenzen» im Raum Singen–Schaffhausen geht in die dritte Runde. Erneut ohne Thurgauer Beteiligung.

Dieter Langhart
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35 Autoren laden ein zur literarischen Reise, denn «Daheim und unterwegs» ist das Motto der dritten «Erzählzeit ohne Grenzen» in Singen und Schaffhausen und 29 weiteren Gemeinden diesseits und jenseits der Grenze – elf Gemeinden mehr als 2011, das Festival stösst auf grosses Interesse.

Wie schon letztes Jahr fehlen Leseorte im Thurgau, obwohl auch er zum mitveranstaltenden Verein Agglomeration Schaffhausen gehört (mit Diessenhofen, Schlatt und Basadingen-Schlattingen). Doch das soll Thurgauer nicht abhalten, auszuschwärmen zu Autoren, die Sehnsuchtsorte vor ihnen ausbreiten.

Finger-, Kopf- und Zeitreisen

Reisende Sinnsucher sind es und verwegene Abenteurer, Wanderer zwischen dem ewigen Eis und dem Hippietrail nach Indien, kritische Reporter auch. Peter Bichsel, der 1990 die Singener «Erzählzeit» eröffnet hat, kehrt zurück mit seinen Reisen im Kopf, mit «Eisenbahnfahren». Zu ihm gesellen sich Erika Pluhar mit «Im Schatten der Zeit» und Arnold Stadler, dessen Protagonisten es stets zurück ins Bodensee-Hinterland zieht. Moderiert wird der Eröffnungsabend vom energischen Ex-Verleger Egon Ammann und vom ausgleichenden Siegmund Kopitzki vom «Südkurier».

Historisches aus kalten Ländern? Christian Jostmann erzählt vom dramatischen Wettlauf zum Südpol 1911; Jo Lendle folgt dem Naturwissenschafter Alfred Wegener, der auf Grönland die Drift der Kontinente herausfand, aber von seiner letzten Expedition nicht mehr zurückgekehrt ist. Oder Heissland? Marc Buhl berichtet vom «Paradies des August Engelhardt» in Guinea; Helge Timmerberg erzählt in «African Queen» eine Abenteurergeschichte, wie sie kaum noch zu erleben ist; und Kabarettist Christian Springer spiesst unser Bild der arabischen Welt satirisch auf.

Betrüger Bringolf

Eine zeitliche Rückblende nehmen auch der Historiker Stephan Lütolf und die Radiomoderatorin Mona Vetsch vor. Sie zeichnen das aussergewöhnliche Leben des Hallauers Hans Bringolf (1876 bis 1951) nach und seine Flucht um den ganzen Globus. Bringolf war Diplomat, Söldner, Hochstapler und Schriftsteller.

Aus den Dazwischenländern schreiben der Bündner Arno Camenisch oder Niklas Maak oder Wladimir Kaminer; aus ihnen hinaus fahren der Aargauer Matthias Zschokke oder der Hamburger Jörg Hannemann und natürlich Martin R. Dean, der mit seinem «Koffer voller Wünsche» zeigt, wie sinnlos Flüchten ist.

Bahnhof oder Rasthaus

Die «Erzählzeit» bietet neben reinen Lesungen auch zu Rock vertonte Lyrik (Ralf Schlatter und Michael Wernli), Kabarett (Milena Moser und Sibylle Aeberli), das Theaterstück «To the Dark Side of the Moon» zur Musik von Pink Floyd (Daniel Rohr) oder «Train Stories» zur Gitarre (Richie Arndt). Geht an ausgefallene Leseorte wie dem alten Ramsener Bahnhof oder in eine Raststätte an der A81.

26. März bis 1. April. Programm auf www.erzaehlzeit.com