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Erstmals ganz unters Dach

ARBON. Mit der Installation des Zürcher Künstlerkollektivs CKÖ wird die Kunsthalle zum undurchdringlichen Raum, in dem ganz neue, ungewohnte Einblicke gewährt werden. Und spannende Raumgefühle für den, der das Gerüst lustvoll begeht.
Martin Preisser

In der zwanzigjährigen Geschichte der Kunsthalle Arbon hat es sehr viele Kunstschaffende sofort gereizt, den riesigen und unheimlichen Keller in verschiedenster Art und Weise in die Bespielung mit einzubeziehen. Aber jetzt ist es wohl das erste Mal, dass man als Kunstfreund bis ganz unters Dach gelangen kann. «Mango di Verni» heisst die Ausstellung, und tropische Früchte zieren die Einladungskarte. Das ist aber nur ein witziger Gag – mit Mangos, anderen Früchten oder Gemüse hat die neue, faszinierende Bespielung der Kunsthalle nichts zu tun.

Auf der Basis von 600 Quadratmetern Fläche haben die drei Kunstschaffenden Georg Krummenacher, Daniel Lütolf und Sara Widmer, die unter der – auch ohne Sinn behafteten – Abkürzung CKÖ als Kollektiv arbeiten, mit Tonnen von Dachlatten präzis je einen Kubikmeter grosse offene Kuben als riesiges Gerüst bis an die Decke der Halle hochgezogen.

Kraftvolle Sogwirkung

Obwohl zwischen den Latten extrem viel Leerraum bleibt, wirkt die Kunsthalle voll. Schaut man durch die Reihung der handwerklich genau gemachten Gerüstteile, wirkt die Halle sehr viel grösser, als sie ist. Die Perspektiven suggerieren kraftvolle Sogwirkung. Man spürt einen starken Zug der Tiefe. So luftig alles sein könnte – die Kunsthalle wirkt völlig undurchdringlich. Die Installation trägt deutlich architektonische Handschrift und kann extrem überraschende Raumgefühle erzeugen. Wie aufregend neu man die Kunsthalle erlebt oder sie bisweilen sogar «vergisst», erlebt man beim Gang durchs Kunstgerüst.

Die schönsten Momente sind die unterm Dach, wo CKÖ für jeweils fünf Besucher eine Art Holzliegewiese konstruiert hat. Steigt man durch das genau durchdachte Dachlatten-Gewirr wieder hinab, wähnt man sich in einem hellen Labyrinth, das auch das Licht von draussen aufnimmt. Beim Begehen der im Gewirr kaum auszumachenden Laufstege (Vorsicht, Kopf!) kommt auch fast eine kindliche Freude des Gerüstkletterns auf.

Venedig bei Hochwasser

So leicht lässt CKÖ seine Besucher allerdings nicht aufs Dach. Der Eingang der Kunsthallen-Wanderung führt zunächst in den Keller. Fast wie in Venedig bei Hochwasser wurden Stege über den Boden dieser speziellen Unterwelt gelegt, die weit nach hinten sich verlierend wirken und ein Kubusgerüst mit Neonlampen umkreisen.

Kalkül und Spiel, Konstruktion und Leichtigkeit, Fülle und Luftigkeit, stabile Ordnung und Fragilität treffen in dieser Installation aufeinander. Und einfach so aus dem Rundgang durchs Dachlatten-Geflecht wird der Besucher nicht entlassen. Es gibt keinen Ausgang, keinen Ausweg. Entweder wandert man wieder durch den Keller zurück, oder man muss sich ein paar Mal kräftig bücken, um unter einigen Kuben nach draussen zu gelangen. Eine ebenso spannende wie lustvolle Aktion!

CKÖ: Mango di Verni, Kunsthalle Arbon, Grabenstr. 6; Fr 17–19, Sa/So 13–17; bis 18.5. Führungen: Sa, 26.4., 17.5., 16 Uhr; kunsthallearbon.ch

Vom Keller durchs Labyrinth nach oben: Erstaunliche Einblicke und neue Raumerlebnisse gewährt die Installation des Künstlerkollektivs CKÖ dem Kunsthalle-Besucher. (Bilder: Martin Preisser)

Vom Keller durchs Labyrinth nach oben: Erstaunliche Einblicke und neue Raumerlebnisse gewährt die Installation des Künstlerkollektivs CKÖ dem Kunsthalle-Besucher. (Bilder: Martin Preisser)

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