Erstmals allein unterwegs

Auf Skispringer Simon Ammann und Langläufer Dario Cologna baut Swiss Ski auch im kommenden Winter. Bei Ammann fragt sich, wie er ohne Andreas Küttel springt.

Jörg Greb/Einsiedeln
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Neue Ausgangslage: Simon Ammann ist kommende Saison auf sich allein gestellt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Neue Ausgangslage: Simon Ammann ist kommende Saison auf sich allein gestellt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

SKI NORDISCH. Neu ist die Ausgangslage für die beiden Olympiasieger nicht. Sie gehören zu den Gejagten. Trotzdem steht Skispringer Simon Ammann vor einer neuen Epoche. Der zweifache Doppelolympiasieger startet in seine erste Saison ohne den langjährigen Teamkollegen Andreas Küttel. Diese Ausgangslage ist eine Unbekannte – das wurde gestern an der Medienkonferenz von Swiss Ski in Einsiedeln deutlich.

«Wir sind immer noch hier und voll im Training», sagte Skisprung-Teamchef Bernie Schödler. Mit hier meint er Einsiedeln. Das Klosterdorf bietet mit seinen Sommer-Sprungschanzen ideale Möglichkeiten, besonders wenn «weit und breit kein Schnee liegt.» Ammann reist jeweils aus seinem Wohnort Schindellegi an. Er trifft auf die hungrigen Nachwuchsspringer, die im neueröffneten nationalen Leistungszentrum Einsiedeln gefördert werden.

Es fehlt der Vergleich

Bei Ammann fragt sich, wie er ohne Küttel springt. Bis zum vergangenen Winter waren die beiden ein eingespieltes Duo. Nach Küttels Rücktritt ist der Toggenburger erstmals «allein unterwegs». Es fehlt der Vergleich, «weil sich unsere nächste Generation noch längst nicht auf Simons Leistungsstufe befindet», sagte Skisprung-Disziplinenchef Bernie Schödler. Aber Ammann vertraut auf seine Erfahrung und sein Gefühl. Und einen Erfolgssprung: An der Schweizer Meisterschaft Anfang Oktober in Einsiedeln glückte ihm ein «sehr, sehr guter Sprung».

Eine ähnliche Führungsrolle übernimmt bei den Langläufern Dario Cologna. Im Gegensatz zu Ammann fordern ihn aber die drei Teamkollegen Curdin Perl, Remo Fischer und Toni Livers adäquat. So, dass von der Staffel Topresultate erwartet werden dürfen. Weil für die Langläufer in diesem Winter keine internationalen Titelkämpfe anstehen, stehen die Tour de Ski Ende Dezember/Anfang Januar sowie der Gesamtweltcup im Zentrum. In beiden Wertungen ist Cologna Titelverteidiger.

Trotz der jüngsten Cologna-Erfolge sind im Schweizer Team Defizite erkannt worden: bezüglich Material. Die Erfolglosigkeit an der WM in Oslo wird darauf zurückgeführt. «Das Material ist unsere grösste Baustelle», sagte Disziplinenchef Hippolyt Kempf. Auf diese Saison liessen sich einige Engpässe beseitigen, und für die Saison 2012/13 wird ein «Service-Truck» angeschafft, der neue Möglichkeiten eröffnen soll.

Hauptthema Schneemangel

Hauptthema ist derzeit aber der Schneemangel in Europa. Wie bei den Skispringern zeigen sich aber auch die Langläufer nicht besorgt. Sie trainierten auf dem Gletscher im italienischen Schnalstal, jetzt sind sie in Davos. Dort finden sie sich in einer privilegierten Situation. Dank des «übersommerten» Kunstschnees können sie die Einheiten auf einer Schneeschlaufe ausführen.

Heute entscheidet sich, ob der Weltcup wie geplant am 19. November beginnen kann. Im norwegischen Beitostölen liegt kein Schnee, die Optionen sind rar. Eine Woche später sind in Kuusamo die ersten Skispringen angesetzt. Ammann will spätestens Ende nächster Woche nach Lillehammer reisen, wo allerdings ebenfalls noch kein Schnee liegt.