Erste Anzeichen eines Putsches

Fussball. Seit dem letzten Spiel des Jahres ist beim FC St. Gallen Ruhe eingekehrt. Doch damit dürfte es bald zu Ende sein. Denn eine Gruppe, welche den Club übernehmen will, steht unmittelbar davor, sich zu outen.

Markus Scherrer
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Der FC St. Gallen blickt auf ein missglücktes Jahr 2007 zurück. Als Letzter der Super League muss er überwintern. Und irgendwann im Herbst, als sich die Ostschweizer auf ihrer rasanten sportlichen Talfahrt befanden, begannen Persönlichkeiten aus der Region, die über Erfahrungen im Sport und in der Unternehmensführung verfügen, sich Gedanken über die Zukunft des Clubs zu machen. Sie analysierten eingehend die Jahre 2003 bis 2007, sie bewerteten den Ist-Zustand und begannen damit, ein Konzept zu erarbeiten, das vor allem ein Ziel verfolgt: den FC St. Gallen vor dem Sturz in die Challenge League zu bewahren. Nun haben einzelne Mitglieder dieser Gruppe unserer Zeitung einen Einblick in ihr Konzept gewährt. Sie sehen dies als einen ersten Schritt auf ihrem Weg, sich demnächst in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schonungslose Analyse

Die Gruppe will nicht mehr länger einfach zusehen und schweigen, sagt der Vertreter der Gruppe, sondern auf die strukturelle und sportliche Krise endlich reagieren. Auch wenn es nicht ihre Absicht ist, Personen, die derzeit der FC St. Gallen AG vorstehen, persönlich anzugreifen, fällt die Analyse schonungslos aus. Noch immer stinke der Fisch vom Kopf her, halten sie fest und listen danach aus ihrer Sicht entscheidende Punkte auf, die den Club in diese Situation gebracht haben. Sie sprechen unter anderem von einer Plan- und Disziplinlosigkeit auf allen Ebenen, einer inexistenten sportlichen Planung, von fehlender personeller Kontinuität, einer isolierten Festungsmentalität des Verwaltungsrates, von einer Flickschusterei bei den Transfers und einer ungeklärten finanziellen Situation.

Dass nun nach Abschluss der völlig missratenen Vorrunde geradezu eine «sakrale Ruhe» eingekehrt sei, hat die Gruppe anscheinend noch mehr aufgeschreckt. Es könne doch nicht sein, dass in einer solch gefährlichen sportlichen Situation nur die Anhänger des FC St. Gallen ein Zeichen setzten. Oder wie ein Vertreter der Gruppe sagt: «Die Fans lehnen Gratistickets ab und hängen Transparente auf. Sie sind die einzigen, die etwas unternehmen.» Jetzt müssten auch andere aktiv werden. «Wir müssen handeln.» Und er legt sogleich Auszüge des Konzeptes vor, das in den vergangenen Wochen und Monaten erarbeitet wurde und über dem ein Zitat des deutschen Bundestrainers Joachim Löw steht: «Geld gibt's nur für gute Konzepte.»

Ordnung und Transparenz

Das Konzept sieht unter anderem eine konsequente Restrukturierung und eine transparente Transferpolitik vor. Man müsse mit Ordnung, Disziplin und Transparenz arbeiten. «Das sind doch die normalen Tugenden, um im Sport erfolgreich zu sein.» Weiter ist im Konzept zu lesen, dass ein starkes Führungsteam mit Fachleuten in jeder Abteilung eingesetzt werden müsse. Von besonderer Dringlichkeit sei aber auch, die bestehende Mannschaft zu stärken, sie aber auch zu verstärken. Kurzfristig will die Gruppe zwei Millionen Franken einschiessen. Sie ist sich aber bewusst, dass später weitere Investitionen vonnöten sind.

Zum jetzigen Zeitpunkt will die Gruppe nicht mit Namen an die Öffentlichkeit gelangen. Es gehe ihr in erster Linie nicht um handelnde Personen, sondern um den FC St. Gallen. Sie ist sich aber bewusst, dass sie sich demnächst outen muss. Denn ihr Ziel ist es, das Konzept an einer ausserordentlichen Generalversammlung – «es ist für uns kein Problem, diese einzuberufen» – zu präsentieren und die Aktionäre darüber abstimmen zu lassen.

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