Erprobter Herr im eigenen Haus

Roger Federer gelingt an den Swiss Indoors ein Start nach Mass. Gegen den Kasachen Michail Kukuschkin gewinnt der Basler Lokalmatador in 54 Minuten 6:1, 6:2. In den Achtelfinals trifft die Weltnummer drei nun auf Philipp Kohlschreiber.

Christian Brägger/Basel
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Roger Federer braucht in seinem Startspiel weniger als eine Stunde zum Sieg. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Roger Federer braucht in seinem Startspiel weniger als eine Stunde zum Sieg. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

TENNIS. Immer wieder war es hörbar, das Staunen der 9200 Zuschauer in der ausverkauften St. Jakobs-Halle in Basel. Zu verantworten hatte dies Roger Federer. Fest im Griff hatte er in seinem Startspiel an den 46. Swiss Indoors das Publikum, das allein wegen ihm gekommen war. Und auch wenn der Druck noch ein bisschen grösser auf dem 34jährigen Basler lastet – wie immer am Heimturnier –, bedankte er sich bei den Anhängern auf die ihm seit Jahren typische Weise: Federer setzte einen ersten Glanzpunkt. Er sagte: «Es war sehr herzlich heute, die Leute freuen sich auf mich, ich mich auf sie. Ich bin ja nun schon zum sechzehnten Mal dabei.» In der Tat glaubte man im manchmal gar ehrfürchtigen Publikum auch eine gewisse Erleichterung auszumachen, eine Erleichterung, dass wieder Frieden zwischen Turnierdirektor Roger Brennwald und dem vielleicht besten Tennisspieler der Welt eingekehrt ist. Federers nächste Teilnahme ist fürs kommende Jahr gesichert, die Spannungen vergangener Jahre scheinen beigelegt und der Tennisprofi sagte: «Ich will hier ja spielen.»

Und wie er spielte. Federers Vorführung, die gegen den Kasachen Michail Kukuschkin einer Machtdemonstration gleichkam, war gut. So gut, dass ihr im Nachgang vielleicht der Makel anhaftete, lediglich 54 Minuten gedauert zu haben und die Leute zu früh zum Verpflegungsstand oder Cüpli entlassen hatte. 6:1, 6:2 lautete das Verdikt. Bereits nach 17 Minuten hiess es 5:0, nach 21 Minuten war der Startsatz beendet. Nur weil der 17fache Grand-Slam-Turniersieger zu Beginn des zweiten Durchgangs Breakchancen ungenutzt liess, hielt sein Gegner, die Weltnummer 64, bis zum 2:2 mit. «Hier kann ich mich noch steigern», sagte Federer. Danach hiess es aber Lichterlöschen für Kukuschkin. Wie der Schweizer das Break zum 5:2 realisierte, war Klasse: mit einer Rückhand, die man sonst bei Stan Wawrinka sieht, sowie dem neuen Wunderschlag, einem Servicereturn aggressiv als Halbvolley gespielt.

Federer hat Grosses vor

Jedenfalls unterstrich Federer, dass er hier Grosses vorhat. Zum zehnten Mal in Folge will der Könner seines Fachs in den Final seines Heimturniers einziehen. Selbstredend will er auch den Turniersieg – es wäre der siebte in der Heimatstadt. Der Weg bis dahin ist allerdings noch steinig, das Tableau hält mit dem Deutschen Philipp Kohlschreiber (ATP 32) im Achtelfinal die nächste Hürde parat.

Parat, wenn man ihn braucht

Zum Turnierstart war natürlich noch die dominierende Frage nach dem Formstand Federers zu klären, der seit der Davis-Cup-Partie gegen Holland Mitte September nur noch die Erstrundenniederlage in Shanghai Mitte Oktober gegen den Spanier Alber Ramos-Viñolas auf dem Matchkonto hat. Eine Niederlage, die wieder einmal Zweifler aus der Deckung lockte und die Federer Trainings-Sonderschichten in Dubai brachte. Entsprechend war es auch für die Weltnummer drei wichtig, nach der Wettkampfpause schnell den Rhythmus zu finden. Er sagte: «Der erste Satz war wirklich gut, normalerweise reicht das dann auch für den zweiten. Ich war heiss nach den letzten Wochen.»

Die Zweifel nach der Form sind also beseitigt. In seinem Basel ist Federer da, wenn es ihn braucht. Und umgekehrt.