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Ernüchternd

Die Young Boys sind in der Champions-League-Qualifikation an ZSKA Moskau gescheitert. Damit verpassten die Berner eine einmalige Gelegenheit, ihr Selbstverständnis aufzupolieren. Ein Kommentar.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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YB-Trainer Adi Hütter scheitert mit seiner Mannschaft an ZSKA Moskau.

YB-Trainer Adi Hütter scheitert mit seiner Mannschaft an ZSKA Moskau.

Keystone

Was nach der Heimspielniederlage zu befürchten war, ist eingetreten: Auch im fünften Anlauf haben es die Young Boys nicht geschafft, sich den Traum von der Teilnahme an der Champions League zu erfüllen. Gegen Grössen wie Arsenal, Amsterdam und Prag zu spielen, wie es 2005 dem kleinen Nachbarn aus Thun vergönnt gewesen war.

In die Königsklasse einzuziehen wäre im Jahr, in dem YB zum 30. Mal in Folge ohne Titel geblieben ist, nach den vielen Pleiten und Pannen− dem «Veryoungboysen» eben − ein wuchtiger Befreiungsschlag für Gelbschwarz gewesen. Ja, wahrscheinlich sogar der bedeutsamste Erfolg in der 119-jährigen Klubgeschichte. Eine einmalige Gelegenheit auch, das Selbstverständnis aufzupolieren: YB ist wieder wer!

Und verpasst wurde nach dem zweistelligen Millionengewinn auf dem Transfermarkt die grosse Chance, mit weiteren 25 Millionen Franken Einnahmen und einer markanten Wertsteigerung des Kaders das Jahr 2017 finanziell zu einem Jubeljahr zu machen. Doch der Konjunktiv bleibt offenbar weiterhin ein treuer Begleiter der Young Boys. Fakt ist: Die Berner werden in der Europa League – ihre Gegner lernen sie am Freitag kennen – 15 Millionen Franken weniger einnehmen, als es in der Champions League der Fall gewesen wäre.

Für sie ist das Scheitern auch deshalb ärgerlich, weil es vielleicht eine letzte halbwegs gute Chance war, an die vollen Fleischtöpfe zu kommen. Wegen der Champions-League-Reform wird dies künftig noch schwieriger. Schon 2018 wird der Schweizer Meister nicht mehr direkt für die Gruppenphase qualifiziert sein, sondern muss die Playoffs bestreiten. Und der Zweite eine Qualifikationsrunde mehr als bisher überstehen.

Nach dem kläglichen Ausscheiden von Luzern und Sion in der Europa-League-Qualifikation wäre die erstmalige Teilnahme von zwei Schweizer Teams in der Champions League Balsam auf die Wunden unseres Klubfussballs gewesen. Dieser ist nämlich gerade dabei, in der Uefa-Rangliste, welche für die Anzahl der Europacup-Plätze massgeblich ist, nach hinten durchgereicht zu werden. Weil der FC Basel beim Punktesammeln von Vereinen wie YB jämmerlich im Stich gelassen wird.

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