ERFOLGSHUNGER: Nur die Medaille zählt

Die Schweizer Springreiter setzen diese Woche an der EM in Göteborg zum Sprung aufs Podest an. Die Team-Medaille ist nicht selbstverständlich, gleichwohl käme ein Scheitern einer Enttäuschung gleich.

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Steve Guerdat, hier am CSIO in St. Gallen, ist mit vier GP-Siegen 2017 das Aushängeschild des Schweizer Teams. (Bild: Urs Bucher)

Steve Guerdat, hier am CSIO in St. Gallen, ist mit vier GP-Siegen 2017 das Aushängeschild des Schweizer Teams. (Bild: Urs Bucher)

Allein der Blick in die Statistik verlangt in Schweden an der EM nach Edelmetall des Teams um den Equipenchef Andy Kistler. Mit 23 Medaillen – zuletzt Bronze mit dem Team in Aachen 2015 – ist die Schweiz die drittstärkste Nation in der Geschichte des kontinentalen Championats. Für einen Erfolg sprechen weiter die insgesamt 29 Blankoritte sämtlicher Equipenreiter in diesem Sommer in den Nationenpreisen. Besonders sticht dabei Steve Guerdat hervor. Dem Olympiasieger 2012 gelangen GP-Siege in Lummen, Villach, Luxemburg und Falsterbo. Auch die Weltrangliste zeigt die Qualität der Schweizer. Alle fünf gehören zu den Top 100: Guerdat (7), Martin Fuchs (14), Romain Duguet (32), Janika Sprunger (77) und Nadja Peter Steiner (99). «Ja, das Ziel ist eine Medaille. Alles andere nützt nicht viel», sagte Kistler.

Zwei kurzfristige Änderungen im Team

Der Equipenchef sah sich in den letzten Wochen zu zwei Umstellungen gezwungen: Werner Muff, der vor einer Woche den Grand Prix beim CSIO in Dublin gewann, hatte Anfang August abgesagt. Er verzichtet in Absprache mit den Besitzern des erst neunjährigen Pferdes Daimler auf die Titelkämpfe. Für ihn rückte Nadja Peter Steiner nach. Sie vertrat die Schweiz im Sattel von Saura in dieser Saison schon in drei Nationenpreisen – zweimal gelang ihr ein Nullfehlerritt in zwei Umgängen. Dann sagte Paul Estermann ab. Der 54-Jährige zog seine Teilnahme nach Absprache mit dem nationalen Verband zurück. Estermann reagierte auf eine Strafuntersuchung, die gegen ihn im Kanton Luzern läuft. Er steht unter Verdacht, gegen das Tierschutzgesetz verstossen zu haben. Als Ersatz wird die Baslerin Janika Sprunger mit Aris nach Schweden reisen. «Es tut mir leid für die beiden Männer. Sie gehören zu den Stärksten, und wir wollen die Stärksten mitnehmen. Aber mit den beiden Frauen haben wir einen sehr guten Ersatz», betonte Kistler. Wer vom Quintett über die Klinge springen muss, entscheiden Kistler und Trainer Thomas Fuchs nach dem heutigen Abschlusstraining. Sie wollen die Pferde vor Ort betrachten. Deren Fitness und die Reaktion auf die Umgebung werden in Betracht gezogen. Die Reihenfolge der Nachnominationen deutet auf ein Ausscheiden Sprungers hin.

Fünf Umgänge bis zum EM-Titel

Die Wettkämpfe beginnen morgen mit dem Jagdspringen. Diese Wertung zählt für das Einzel wie auch für das Teamklassement. Am Donnerstag und Freitag folgen die zwei Umgänge anlog zu einem Nationenpreis. Der zweite entscheidet über die Vergabe der Teammedaillen und findet auch im Einzel seinen Niederschlag. Der Europameister wird in der dritten Wertungsprüfung am Sonntag im Einzelfinal in den Umgängen vier und fünf bestimmt. In Göteborg stehen auch die Dressur, das Fahren und Para-Equestrian im Programm. (sda)