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ERFOLGREICHE SPORTLER: Medaillen en masse: Wie das kleine Norwegen die grossen Nationen an den Olympischen Spielen übertrumpft

Mit seinen gut 5,3 Millionen Einwohnern ist Norwegen im Vergleich zu Sportnationen wie Deutschland oder den USA winzig – und ist dennoch erfolgreicher. Zufall ist das nicht.
Hans Leuenberger (sda)
Johannes Hösflot Klaebo holte in Pyeongchang bisher drei Goldmedaillen: im Teamsprint, im Sprint und mit der Staffel. (Bild: Matthias Schrader/AP)

Johannes Hösflot Klaebo holte in Pyeongchang bisher drei Goldmedaillen: im Teamsprint, im Sprint und mit der Staffel. (Bild: Matthias Schrader/AP)

Hans Leuenberger (SDA)

Die Norweger werden mit Ski an den Füssen geboren, sagt ein Bonmot. Bessere Voraussetzungen gibt es nicht, um auch in Südkorea eine Generation zu präsentieren, welche die Grossnationen Deutschland, Kanada, die USA oder Russland in den Schatten stellt. Niemand hat während der Winterspiele mehr Grund zum Feiern als die gut 5 Millionen Norweger. Die bisherige Rekordmarke von 26-mal Edelmetall ist schon übertroffen, das ambitionierte Ziel von 30 Podestplätzen – die Schweiz gab 11 puls vor – bereits erreicht. Das finale Tableau führte Norwegen zuletzt 2002 in Salt Lake City mit 13 Goldmedaillen an – und womöglich rutschen sie auch noch für Sotschi 2014 als Sieger nach, wo sie mit 11-mal Gold knapp hinter Gastgeber Russland den zweiten Rang belegten.

Die Begeisterung der Norweger für den Wintersport kann an unzähligen Beispielen festgemacht werden: Sport und Natur gehört zu ihrer DNA, die Volksfeste bei den Wettkämpfen am Holmenkollen, dem Hausberg von Oslo, sind legendär. Schnee und Eis von Dezember bis April im ganzen Land lassen keine Wünsche für den Wintersport ­offen; Schnee in den Städten ­erspart lange Reisezeiten. Am Neujahrstag während der Tour de Ski in Lenzerheide sassen über eine Million Zuschauer bei einem Marktanteil von über 90 Prozent vor dem Fernseher, berichteten Mitarbeiter des TV-Senders NRK.

Qualität statt Quantität

Norwegen gilt als Wiege des Wintersports, insbesondere der nordischen Disziplinen. Dies widerspiegelt sich in Pyeongchang. Im Langlauf sind die Norsker seit Jahren die Hausmacht. Sechs der bislang zehn Rennen endeten mit Gold. Einzig Dario Cologna oder bei den Frauen Charlotte Kalla, Stina Nilsson sowie das US-Duo Kikkan Randall/Jessica Diggins (Teamsprint) durchbrachen die Phalanx. Auch im Skispringen oder im Biathlon liessen sich die Skandinavier mehrere Medaillen umhängen. Doch Norwegen sammelt nicht nur in den angestammten Disziplinen Podestplätze. Gold gab es in Pyeongchang auch im Ski alpin, Eisschnelllauf oder im Ski Freestyle. Die Norweger machen also vieles richtig. Sie beweisen, dass Qualität im Spitzensport viel wichtiger ist als die Quantität.

Olympiatoppen heisst das Stichwort. In diesem Zentrum – ähnlich wie Magglingen, aber stärker auf den Spitzensport ­fokussiert – laufen die Fäden im norwegischen Leistungssport zusammen. Die Entstehung geht auf Mitte der Achtzigerjahre zurück, als die norwegischen Olympiateams wiederholt unter den Erwartungen geblieben waren. Im Sog der nahenden Winterspiele 1994 in Lillehammer entwickelte sich eine Dynamik, die sich in der Folge in einer markanten Steigerung bei der Anzahl gewonnener Medaillen niederschlug.

Olympiatoppen und seine Ableger im flächenmässig grossen Land bündeln die Kräfte – unter den Sportarten und über den Sport hinaus. Sei es in Trainingslehre, Medizin, Psychologie oder Ernährung. Die Topathleten und Trainer aus zahlreichen Sportarten betreiben Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch. Auch in Norwegen sind die Finanzen für den Sport nicht unbegrenzt, mitunter sogar knapp. Der Fokus liegt deshalb auf Disziplinen, in denen Norwegen bereits stark ist oder gute Entwicklungschancen hat.

Zweifel und Fragen nach Dopingvergehen

Ganz so idyllisch präsentiert sich das Wintersportmärchen dann aber doch nicht. Jede Dominanz einer Nation, speziell in einer Ausdauersportart, lässt Zweifel aufkommen. Topleistungen werden von der Öffentlichkeit zwangsläufig mit möglichem Doping in Verbindung gebracht. Damit muss der Spitzensport ­leben. Norwegen leistete in den vergangenen Jahren nicht viel, um diese Bedenken zu zerstreuen. Im Gegenteil. Die Tonnen an Asthmaspray, die die Langläufer in Südkorea im Gepäck haben, und der Fall der gesperrten Therese Johaug werfen Zweifel und Fragen auf. Johaug wurde eine vom Arzt überreichte Lippensalbe zum Verhängnis, auf deren Verpackung ein Dopingwarnhinweis steht. Passiert ausgerechnet den Norwegern, die alles minutiös planen, ein derartiger Anfängerfehler?

Einen schalen Beigeschmack hinterliess auch der Fall von Martin Johnsrud Sundby. Er war im Winter 2014/15 positiv auf das Asthmamedikament Salbutamol getestet worden. Sundby hatte das Mittel mit ärztlicher Genehmigung angewandt, dabei aber einen Formfehler begangen, weshalb ihm die Resultate der betroffenen Rennen gestrichen wurden, er den Gesamtweltcupsieg an Dario Cologna abtreten musste und im Sommer 2016 für zwei Monate gesperrt war.

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