Erfolge am andern Ende der Welt

Stefan Küng bringt sich in Neukaledonien und Neuseeland in Form für sein mit Spannung erwartetes Début bei den Zürcher Sixday-Nights. Im Vorjahr gewann der Thurgauer mit Théry Schir überlegen das Nachwuchsrennen. Jetzt möchte er mit dem Romand auch im Kreis der etablierten Sechstagecracks Furore machen.

Jürg Casanova
Drucken
Teilen
Radprofi Stefan Küng (Bild: ky/Anatoly Maltsev)

Radprofi Stefan Küng (Bild: ky/Anatoly Maltsev)

RAD. Als Stefan Küng vor Jahresfrist nach Neukaledonien verreiste, verbuchte er dies als Belohnung für die bestandene Matur in Biologie und Chemie am Gymnasium in Wil. Derzeit weilt der 19-Jährige aus Wilen bei Wil erneut am andern Ende der Welt. Der Hintergrund ist aber ein anderer. Küng, der unter den ungeschliffenen Diamanten im Schweizer Radsport-Nachwuchs zu den hochkarätigsten zählt, will sich unter optimalen Bedingungen auf die Sixday-Nights im Zürcher Hallenstadion vorbereiten (27. bis 30. November). Vergangenes Jahr hat er dort mit Théry Schir überlegen das Nachwuchsrennen gewonnen. Jetzt möchte er mit dem um ein Jahr ältern Romand auch im Kreis der etablierten Sechstagecracks Furore machen.

Schweizer Team an der Spitze

Der sportliche Einstieg auf der fernen Insel, die politisch zu Frankreich gehört, hätte besser kaum ausfallen können. Das Schweizer Team, das sich mit Küng, Schir, Cyrille Thièry, Gael Suter und Frank Pasche durchwegs aus Mitgliedern des Bahn-Nationalkaders zusammensetzte, hatte die 43. Neukaledonien-Rundfahrt von Anfang an im Griff. 1. Küng, 2. Schir, 3. Pasche lautete die Reihenfolge beim Zeitfahren-Prolog. Schir gewann die 1. Etappe und übernahm nach einem 2. Platz im dritten Teilstück die Gesamtführung. Diese galt es in den folgenden sieben Tagen gegen Konkurrenz vor allem aus Frankreich, aber auch aus Australien und Neuseeland zu verteidigen. Obwohl der Jüngste im Quintett, nahm Küng dabei bezüglich taktischem Verhalten eine tragende Rolle ein. «Mir kamen die Erfahrungen zugute, die ich in diesem Jahr als Mitglied des von versierten sportlichen Leitern geführten BMC-Nachwuchsteams gemacht habe. So haben wir zum Beispiel in der Normandie-Rundfahrt erfolgreich das Leadertrikot von Silvan Dillier verteidigt», erzählt Küng. «Die äusseren Bedingungen waren allerdings wesentlich anders als damals. Die Etappen waren mit maximal 126 Kilometern relativ kurz, dafür topographisch mit nur wenigen flachen Abschnitten recht anspruchsvoll. Gewöhnungsbedürftig blieben die hochsommerlichen Temperaturen von 30 bis 35 Grad und der manchmal rauhe, oft mit Löchern durchsetzte Strassenbelag. Da hiess es auf der Hut sein.»

Solosieg in der «Königsetappe»

Auf der Hut sein hiess es auch bei den Attacken der Gegnerschaft. Wer den richtigen Postabgang verpasste, der hatte keine Chance mehr, weil hinten meist niemand bereit war, hartnäckig die Verfolgung aufzunehmen. Küng erlebte dies am eigenen Leib, als er in einer Etappe mit dem Feld auf einen Schlag 23 Minuten einbüsste und alle Chancen auf einen Spitzenplatz im Gesamtklassement vergab. Dafür revanchierte er sich mit einem feinen Solosieg in der «Königsetappe», und er hatte keinen geringen Anteil daran, dass zuletzt mit Gesamtsieger Schir und dem Drittplazierten Thièry gleich zwei Schweizer auf dem Podest standen.

Zusammen mit Schir reist Küng in dieser Woche weiter nach Neuseeland, wo mit der siebentägigen Tour of Southland ein weiteres Etappenrennen auf dem Programm der beiden vielversprechenden Youngster steht.